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Langenlonsheim

Schließung der Langenlonsheimer RWZ-Agrartechnik lässt enttäuschte Kunden zurück

Stefan Munzlinger

Hiobsbotschaft für 1878 Kunden: Die Raiffeisen-Agrartechnik an der Langenlonsheimer Naheweinstraße wird nach fünf Jahren Geschäftstätigkeit spätestens zum 31. Dezember 2019 geschlossen (wir berichteten bereits am gestrigen Freitag). Die 15 Mitarbeiter, davon acht in der Werkstatt, werden auf die RWZ-Standorte im 44 Kilometer entfernten Gundersheim und in Saulheim (35 Kilometer) verteilt.

Foto: Stefan Munzlinge

Gut für die Beschäftigten und ihre Familien, aber ärgerlich für die RWZ-Kunden aus Weinbau, Landwirtschaft und Kommunen in und um Langenlonsheim. Denn denen würden, so sie denn Kunden bleiben, nun bald weite und zeitfressende Fahrten zu ihrer nächsten Raiffeisen-Werkstatt abverlangt.

Einer davon ist der Langenlonsheimer Winzer Thomas Haas (56). Er bewirtschaftet zehn Hektar Fläche, Rebsorte zu 50 Prozent: der Burgunder in fast allen seinen Facetten. Den Familienbetrieb gibt es seit 1919 in dritter Generation, seit 1982 von Thomas Haas geführt. Sohn Julian (24), Bachelor of Science in Weinbau und Oenologie, steht schon in den Startlöchern, leitet die vor Wochen gegründete Haas'sche Weinhandels GmbH.

An Ausstattung haben Thomas und Julian Haas, was ein modernes Weingut heute in Hof, Keller und Wingert braucht. 20 Maschinen und Geräte und fünf Fahrzeuge, darunter zwei Transporter. „Fast alles, was wir für die Weinbergswirtschaft einsetzen, haben wir dort gekauft, waren 100-Prozent-Kunde bei RWZ-Vorgänger Mayer und später auch vielfach bei der RWZ-Agrartechnik, etwa bei den Reparaturen.“

Die avisierte Schließung Ende 2019? Daran glaubt Thomas Haas, der an der Langenlonsheimer Versammlung mit Geschäftsführer Gerald Hosinger von der Raiffeisen-Zentrale Rhein-Main teilnahm und mit kritischen Anmerkungen nicht sparte, keinen Moment: „Die können jeden Tag zumachen. Irgendwann hängt einfach das Schild an der Tür: Geschlossen.“ Dabei kann Haas einige der Argumente Hosingers durchaus nachvollziehen, etwa wenn der vom Strukturwandel in der Landwirtschaft spreche. Ja, sicher, so Haas weiter, die im Wohngebiet liegende Werkstatt sei alt und beengt, und es sei schwer, mit einem Gespann in den Hof des RWZ-Areals an der Nahewein- und Löhrstraße zu kommen: „Aber das wussten die doch vorher, bevor sie Mayer übernommen haben.“

Kollegen aus dem Rheingau (etwa aus Oestrich-Winkel, wo die RWZ ihren Betrieb vor Jahren schloss), vom Mittelrhein, von der oberen Nahe bis nach Bingen und aus Rheinhessen hätten die Agrartechnik Langenlonsheim genutzt.

Für den angepeilten RWZ-Neubau sei zunächst Bad Kreuznach (neben dem Gartencenter Rehner) geplant gewesen – zu schwierig zu erreichen für Landwirte. Die Gemeinde Langenlonsheim habe RWZ daraufhin mehrere Grundstücke angeboten; einer, der beim Versuch half, die Agrartechnik vor Ort zu halten: Thomas Haas.

Plan zwei sah vor, auf dem Langenlonsheimer Klug-Gelände, auf dem heute ein RWZ-Agrarhandel zu finden ist, auch die Agrartechnik anzusiedeln – verworfen, weil zu klein für einen Neubau. Auch ein Geländeankauf nebenan sei gescheitert. „500 bis 1000 Meter weiter hätten sie das schönste Grundstück bekommen können“, versichert Thomas Haas, für den im Rückblick feststeht: „Die wollten doch gar nicht wirklich neu bauen.“

Viele Landwirte und Winzer hätten die RWZ-Agrartechnik als Kunden unterstützt, wollten den Standort Lalo stärken. Jetzt werde es teurer: Pauschalen von 50 Euro für das Anrücken eines Servicemannes im Schadenfall, 90 Euro für das Abholen einer defekten Maschine? Eine Fahrt mit dem Traktor nach Saulheim dauere 75 Minuten. Mit der Reparatur sei wenigstens ein halber Tag verloren. „2012 wurden wir geködert: Wir übernehmen die Werkstatt, wir versorgen euch, wir sind für euch da.“ Und heute? „Gebt uns eine Chance“, flehe RWZ. „Alles schon mal gehört – 2012“, so Thomas Haas kopfschüttelnd.

Sein Kunden- und Kaufverhalten sei lokal ausgerichtet: „Ich will nicht irgendwo hinfahren, ich will mein Geld hier vor Ort lassen.“ Nein, er trage Gerald Hosinger, der RWZ-Konzernziele umsetze, nichts nach, müsse aber jetzt sagen: „Ciao RWZ, ich suche mir einen anderen Händler – und war auch schon fündig.“

Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

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