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    Kreis Bad Kreuznach

    Scheidender Landrat Franz-Josef Diel im Gespräch: Ich bin mit mir im Reinen [Fotos/Video]

    Er fühlt sich fit, ist nach einer Phase der Krankheit wieder bei „80 Prozent“. Grund für den „Oeffentlichen“, Franz-Josef Diel (68, CDU), den am 7. Juli scheidenden Landrat, zu einem Bilanzgespräch seiner achtjährigen Amtszeit zu bitten. Mit dem angehenden Pensionär trafen sich Redaktionsleiter Gustl Stumpf und Redakteur Stefan Munzlinger im Bad Kreuznacher Kurhaus.

    Herr Diel, scheiden Sie mit einem lachenden oder weinenden Auge?

    Beides. Vieles ist erreicht, manches muss ich an meine Nachfolgerin weitergeben. Was ich bedauere, ist, dass ich gerade in der Schlussphase längere Auszeiten nehmen musste. Mit Blick zurück kann ich sagen: Ich bin mit mir im Reinen.

    Freuen Sie sich auf den anstehenden Abschiedsreigen?

    Ich will da nicht im Vordergrund stehen. Viele haben mich eingeladen, wollen sich von mir verabschieden. Darauf freue ich mich.

    Was vermissen Sie schon heute?

    Den Kontakt zu den Verwaltungsmitarbeitern und zum Personalrat, mit dem ich regelmäßig gesprochen habe. Vor allem aber zu den Menschen draußen. Ich war in meinen acht Jahren oft unterwegs im Kreis. Dadurch habe ich sehr viel von dem erfahren, was sie bewegt. Vertrauen ist das Wichtigste.

    Welchen Ratschlag geben Sie Bettina Dickes mit auf den Weg?

    Keinen, weil im Wort „Ratschlag“ immer auch der Begriff Schlag zu finden ist. Frau Dickes begleitet mich schon jetzt zu Terminen, wird aber ihre eigenen Erfahrungen machen und ihren Weg gehen. Sie steht an der Spitze, muss sich mit Hans-Dirk Nies arrangieren. Ich habe keine Zweifel, dass die beiden das schaffen. Sie sind Profis.

    Die Zeit mit rotem Teppich, Dienstwagen, Plätzen in Reihe eins ist vorbei. Wird Ihnen das fehlen?

    Nein, all das mag eitlen Menschen schmeicheln, ich habe das nie gebraucht. Ich komme aus der Landwirtschaft, lehne jegliches Gedöns ab und reihe mich gerne ein. Ich wollte den Menschen auf Augenhöhe begegnen. Warum soll jemand springen, wenn der Landrat kommt? Wir sind doch nicht mehr im Mittelalter. Klar: Wenn ich in Zeitnot war, war ein reservierter Platz immer praktisch, einfach, weil dann ein langes Suchen entfiel.

    Braucht es ein arg dickes Fell für den Posten des Landrats?

    Das Fell wird im Laufe der Zeit immer dicker. Man muss aufpassen, nicht in jedem einen Gegner zu sehen. Natürlich habe auch ich schlaflose Nächte erlebt, etwa bei Bauthemen, wenn etwas politisch abgebügelt wurde, ohne vorher wenigstens mal danach zu fragen. Beispiel: die Sanierung der beiden unter Schutz stehenden Gebäude an der Baumgartenstraße. Der Kreis ist untere Denkmalpflegebehörde und tat da lange Zeit nichts. Dabei haben wir in der Verwaltung Raumnot, etwa im Sozialamt. Es ist wirklich schwer, in einem 12-Quadratmeter-Büro mit Publikum noch den Datenschutz zu wahren.

    Der Kreistag und die Gremien repräsentieren den Souverän. Welche Rolle spielt ein überparteilicher Landrat in diesem Konstrukt?

    Von Parteipolitik darf sich ein Landrat nicht lenken lassen. Wenn man die Politik zu stark im Blick hat, hat man irgendwann ein Brett vorm Kopf. Ich bin da auch einige Male mit meiner eigenen Fraktion angeeckt. Der Kreistag sollte bei manchen Themen pragmatischer agieren. Hin und wieder war er zu früh zu politisch unterwegs.

    Wörtlich ... Landrat Franz-Josef Diel

    „Von Parteipolitik darf sich ein Landrat nicht lenken lassen.“

    „Wir müssen die Vermarktung des Naheweins auf ein höheres Niveau bringen.“

    „Vernachlässigte Schulen und Parallelgesellschaft – so etwas wie in NRW dürfen wir nicht zulassen.“

    „Bad Kreuznach und Bingen fühlen sich in der Naheland-Touristik nicht so gut aufgehoben.“

    „Beim Nationalpark habe ich manchmal den Eindruck, dass mehr Ranger als Besucher da sind.“

    „Für 2016 standen wir kurz vor einem ausgeglichenen Kreisetat. Dann ging die Gewerbesteuer um 3,5 Millionen Euro zurück und stiegen die Sozialleistungen.“

     

    Der Etat ist konstant dunkelrot. Schlechte Bedingungen für eine ambitionierte Kommunalpolitik?

    Zu Beginn meiner Amtszeit habe ich eine deutliche verbesserte Finanzlage versprochen – und das leider nicht halten können. Für 2016 standen wir vor einem ausgeglichenen Etat. Dann ging die Gewerbesteuer um 3,5 Millionen Euro zurück und stiegen die Sozialleistungen. Pech! Wir sind neben dem Kreis Neuwied der rheinland-pfälzische Kreis mit den meisten Schulen für Behinderte, fünf. Eine finanzielle Herausforderung, die ein Kreis alleine nicht meistern kann.

    Haben Sie das Land nicht oft und laut genug um Hilfe gebeten?

    Du kannst die besten Argumente bringen, bei der Landesregierung in Mainz hört dich keiner. Es kann doch nicht sein, dass die Kommunen laufend etwas einklagen müssen.

    Dann muss eben der Bund handeln.

    Der Bund? Der beschließt Gesetze und lädt die Folgen auf den Kommunen ab. Warum erstattet uns Berlin nicht gleich die Kosten für die Flüchtlingsunterbringung? Da wird mit falschen Zahlen hantiert.

    Was tut der Kreis, um seine Finanzlage zu entspannen?

    Zunächst haben wir in Markus Schlosser einen guten Kämmerer, der alle Möglichkeiten ausschöpft, auch das Rechnungsprüfungsamt, das aber alleine nicht ausreicht. Wir wurden von den Aufsichtsbehörden bereits mehrfach für unsere kontinuierlichen Konsolidierungsbemühungen gelobt. Außerdem hat sich das direkte Controlling in Kreisjugend- und -sozialamt bewährt. Das sollte man beibehalten.

    War es ein Fehler des Kreises, die Schulträgerschaften zu übernehmen?

    Nein! Es ging um gleiche Ausstattungs- und Gebäudeniveaus. Die Verbandsgemeinden haben den Kreis gebeten, die Schulträgerschaften zu übernehmen.

    Das Land peilt die Kreisreform nach 2021 an. Wer wäre Fusionspartner für den Kreis Bad Kreuznach?

    Der Rhein-Hunsrück-Kreis in Simmern. Ein Beleg dafür: Viele Schüler von dort besuchen unsere IGS in Stromberg. Ich habe mit Landrat Marlon Bröhr gesprochen. Birkenfeld, Kusel und Donnersberg eignen sich für uns wegen ihrer finanziellen Situation weniger.

    Herr Diel, wie sieht Ihr Ruhestand aus, haben Sie Ehrenämter im Blick?

    Meine Frau und ich haben drei Töchter mit Familien und heute acht Enkeln. Das wird ein Schwerpunkt. Auch meinen Freundeskreis will ich pflegen oder auf dem Rheinsteig wandern. Ansonsten könnte ich mir beratende Tätigkeiten vorstellen, werde etwa in der Soonwald-Stiftung mitmachen.

    Die Fragen stellten Gustl Stumpf und Stefan Munzlinger

    Zum Abschied von Franz-Josef Diel: Als Landrat immer mittendrin statt nur dabeiAus dem Leben eines Landrats: Impressionen aus der Amtszeit von Franz-Josef Diel
    Bad Kreuznach
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