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Niederhausen

Rentiernachwuchs: Verstärkung für den Weihnachtsmann

Nachwuchs auf der Niederhäuser Rentieralm. Der kleine Rudi, vor drei Wochen geboren, wächst und gedeiht. Sein Zwillingsbruder überlebte nicht.

Stürmisch werden Sonja Persch-Jost und ihre Helferin Lea Mathern begrüßt. Die sechs Rentiere traben auf sie zu, als sie das weitläufige Gehege in Niederhausen betreten. Nur der junge Rudi liegt noch etwas müde im Gras. Der Weg ins Leben ist anstrengend. Besonders, wenn man wie Rudi zu früh auf die Welt kommt.

Das war am 2. August. Vor exakt drei Wochen. Am ersten Tag hatte er noch einen Zwillingsbruder. Eine ganz seltene Konstellation. Doch der weiße Blizzard war zu schwach und überlebte die ersten 24 Stunden nicht. Ein tragischer Verlust für Sonja Persch-Jost. Rückblende: 2. August. In Niederhausen beginnt der Tag mit einem kleinen Wunder. Völlig ahnungslos kommt Sonja Persch-Jost am Morgen ihres Geburtstags in den Rentierstall und entdeckt die beiden Jungen im Heu. Die Überraschung ist groß. Der Geburtstag am Geburtstag sorgt für helle Aufregung. Fast ganz Niederhausen kommt zur Alm und staunt über den Rentiernachwuchs im August. Ungewöhnlich zu der Jahreszeit, in der der Weihnachtsmann Sommerschlaf hält, wie er auf seiner Internetseite dokumentiert:

Zweites Jungtier stirbt

Einen Tag lang kämpft die Almwirtin um eins der Tiere. Es ist sehr schwach. Sie wärmt den Kleinen und bringt ihn mitten in der Nacht zu Tierarzt Maschtowski nach Bad Sobernheim. Noch im Bademantel versucht der, den stark geschwächten Blizzard am Leben zu halten. Vergeblich! „Er ist in meinen Armen gestorben", erzählt Sonja Persch-Jost traurig. Ihr Jubeltag endet tragisch. Auch Rentiermutter Blitzen hat Probleme. Ob sie ihren Blizzard vermisst? Zunächst schafft sie es nicht, eigenständig genügend Milch für das zweite Junge zu produzieren. Erst langsam gewöhnt sich das Muttertier daran, den Sohn zu säugen.

Lea Mathern unterstützt das mit der Flasche. Die Rentiermama weiß das zu schätzen. Dankbar leckt sie die Hand der 14-jährigen. Rudi muss alle zwei bis drei Stunden mit der Flasche gefüttert werden. Auch nachts. Das macht Sonja Persch-Jost ganz schön zu schaffen. Abwechselnd mit ihrem Mann, dem singenden Weihnachtsmann Stefan Jost, heißt es alle drei Stunden, aufstehen und zu Rudi auf die Rentieralm fahren.

Dogge Emmi als Beschützer

Immer mit dabei: Die deutsche Dogge Emmi. Der sanfte Rentierhütehund ist der beste Spielgefährte und Beschützer Rudis. Belustigt stellt Sonja Persch-Jost fest, dass das kleine Rentier sich schon eher am Verhalten des Hundes orientiert, als an dem der Artgenossen. „Bald werden sich die Besucher fragen, was mit Rudi nicht stimmt", scherzt Persch-Jost, denn der Nachwuchs nimmt sich eifrig ein Vorbild am Verhalten seines großen Freundes. Zeitweise scheint es so, als spielten da zwei Hunde.

So sieht der singende Weihnachtsmann aus Niederhausen in Arbeitsmontur aus.
So sieht der singende Weihnachtsmann aus Niederhausen in Arbeitsmontur aus.
Foto: privat

Rudi wird derweil immer stärker. „Aber auch immer frecher", wie Sonja Persch-Jost belustigt hinzufügt. Bei der Geburt gerade mal 1400 Gramm schwer, bringt er es beim morgendlichen Wiegen nun schon auf 6300 Gramm. Das macht die Almwirtin sehr glücklich, denn für sie sind die sieben Rentiere das Größte. „Die sind einfach nur fantastisch", schwärmt sie. Der Nachwuchs verzückt sie ganz besonders. Nie hätte sie so schnell damit gerechnet. Denn Rudis Papa mit Namen Dancer kam vor gerade mal siebeneinhalb Monaten vom Tierpark auf die Alm. Eigentlich, so wurde es Sonja Persch-Jost erklärt, bräuchten die sensiblen Tiere zwei Jahre, um sich in einer neuen Umgebung zu akklimatisieren.

Von wegen! Rechnet man den Geburtstermin zurück, muss Dancer, der mit zwei Jahren gerade erst das geschlechtsreife Alter erreicht hat, sich bereits nach einer Woche in der neuen Gruppe wohlgefühlt haben. Sonja Persch-Jost und ihre Helfer freut es. „Für mich sind die Rentiere hier zum Glücklichsein", bemerkt sie lächelnd. Fleißige Unterstützung bei der Pflege der Tiere bekommt sie von ihrer Familie und Freiwilligen wie Lea Matherns. Die Rentiere brauchen jede Menge Aufmerksamkeit. Lange Spaziergänge, ausgiebige Streicheleinheiten und lockere Trainingsstunden gehören zum Alltag. Kunststücke beherrschen die Tiere auch: Begrüßen Besucher sie mit „Frohe Weihnachten", heben sie wie zum Gruß einen Huf. Werden die Rentiere zum Tanz aufgefordert, drehen sie sich einmal im Kreis.

Künftig sollen die Herdentiere den singenden Weihnachtsmann Stefan Jost unterstützen. Ziel seiner Frau ist es, den Weihnachtsmannschlitten künftig nur von den Rentieren ziehen zu lassen. Das gebe es in Deutschland noch nicht, behauptet sie. „Auf jeden Fall bleiben vorerst alle Rentiere hier", versichert sie. Rudi kann also ganz beruhigt ein großes Rentier werden.

Annika Wagner

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