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    Raubüberfall: Mazedonier aus Bad Kreuznach freigesprochen

    Der rätselhafte Raubüberfall auf ein Bendorfer Unternehmerpaar im Jahr 2004 bleibt ungeklärt: Das Landgericht Koblenz hat einen Mazedonier (39) aus Bad Kreuznach vom Vorwurf des schweren Raubes freigesprochen – obwohl die Beweislast gegen ihn erdrückend schien.

    Koblenz/Bendorf - Der rätselhafte Raubüberfall auf ein Bendorfer Unternehmerpaar im Jahr 2004 bleibt ungeklärt: Das Landgericht Koblenz hat einen Mazedonier (39) aus Bad Kreuznach vom Vorwurf des schweren Raubes freigesprochen – obwohl die Beweislast gegen ihn erdrückend schien.

    Am Tatort war eine DNA-Spur des Mannes gefunden worden. Nicht irgendwo, sondern auf dem Klebeband, mit dem die Räuber ihre Opfer fesselten. Trotzdem: Nach dem Urteil durfte der Mazedonier das Gericht als freier Mann verlassen. Er hatte sieben Monate in Untersuchungshaft gesessen.

    Es passierte zur Frühstückszeit: Am 7. Dezember 2004 klingelt es gegen 9.30 Uhr an der Haustür des Bendorfer Bauunternehmerpaars – so die Anklageschrift. Er (68) liegt noch im Bett, sie (72) öffnet nichts ahnend die Tür. Vor ihr steht ein Mann. Der Unbekannte fragt, ob er eine Baumaschine ausleihen kann. Aber plötzlich stößt er die Rentnerin zu Boden – noch bevor sie seine Frage beantworten kann. Er hält ihr den Mund zu, teilweise auch die Nase. Mit osteuropäischem Akzent ruft er: „Nichts passieren! Nichts passieren!“

    Doch die Frau geriet in Panik: „Ich hatte Todesangst!“, erinnerte sie sich bei ihrer Aussage vor Gericht. „Seine Hand war groß und fleischig. Ich bekam kaum noch Luft.“ Daran erinnerte sie sich genau. Anderes hatte sie gut sechs Jahre nach der Tat nicht mehr im Kopf.

    Der brutale Raubüberfall – so ging es weiter: Ein Täter hält die Frau in Schach, weitere Täter stürmen ins Haus. Sie ziehen sich Gesichtsmasken über, durchkämen alle Zimmer und lassen die Rollläden herunter. Ein Täter überrumpelt den Ehemann im Bett, drückt dessen Kopf ins Kissen und hält ihm eine Pistole vors Gesicht. Die Räuber fesseln und knebeln das Paar mit Klebeband. Nach knapp 30 Minuten flüchten sie. Ihre Beute: Bargeld und Uhren im Wert von 1800 Euro.

    Bis heute ist nicht bekannt, wer die Räuber waren. Der Mazedonier kam in Verdacht nachdem er 2009 wegen Diebstahl in Haft gesessen hatte. Ermittler verglichen seine DNA-Spur mit Spuren, die an Tatorten ungeklärter Straftaten sichergestellt wurden. Und: Sie wurden fündig. Die DNA-Spur des Mannes passte zu Spuren in einer Einkaufspassage in Soest. Dort hatten Unbekannte 2009 einen Geldautomaten gesprengt. Trotzdem: Dem Mazedonier war keine Tatbeteiligung nachzuweisen. Er hatte ein hundertprozentig sicheres Alibi: Er saß zur Tatzeit in Haft.

    Und auch im Fall des Bendorfer Überfalles reichte die DNA-Spur des Mazedoniers am Tatort nicht aus, um zweifelsfrei zu beweisen, dass er einer der Täter war. Die Vorsitzende Richterin Monika Fay-Thiemann sprach ihn bei der Urteilsbegründung direkt an und begründete den Freispruch so: „Es spricht sehr, sehr viel dafür, dass Sie bei dem Raub dabei waren. Aber überzeugende Beweise dafür gibt es nicht.“

    Die Richterin betonte: Sehr wahrscheinlich stammt die DNA-Spur auf dem Klebeband vom Angeklagten. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass er am Tatort war. Denn die Täter brachten das Band mit in die Wohnung. Es ist also möglich, dass die Spur nicht am Tatort auf das Band kam, sondern zu anderer Zeit an anderem Ort. Damit kann nicht eindeutig bewiesen werden, dass der Mann einer der Räuber war.

    Der Prozess dauerte 12 Verhandlungstage. Der Mazedonier schwieg die ganze Zeit. Nur in seinem letzten Wort sagte er: „Ich war es nicht.“ Hat er ein Alibi? „Nein“, sagt sein Anwalt Cem Ilhan. „Er weiß einfach nicht mehr, was er 2004 am Tattag gemacht hat.“ (Hartmut Wagner)

    Bad Kreuznach
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