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Bad Kreuznach

Projekt mit Vorbildcharakter: Alfred Schneider kocht zum 200. Mal im Kreuznacher Haus der Senioren

Was aus der Not heraus entstand, ist heute ein Projekt mit Vorbildcharakter. Als im Januar 2011 die Vorbereitungen für den Start des neuen Hauses der Senioren in der Mühlenstraße in Bad Kreuznach liefen, drohte die Küche unbesetzt zu bleiben. „Undenkbar", meinte Alfred Schneider, Mitglied im Seniorenbeirat, und sprang spontan mit seiner Frau Gudrun ein. Am Freitag kochte der rührige 64-Jährige aus Planig zum 200. Mal für die Senioren – ehrenamtlich wohlgemerkt: „Wenn Gott es will, mache ich das auch noch weitere zehn Jahre."

Starkes Team: Küchenchef Alfred Schneider mit (von links) Anne Lukas, Rosi Dapper, Renate Diehl, Ehefrau Gudrun Schneider und Rina Schmieden.
Starkes Team: Küchenchef Alfred Schneider mit (von links) Anne Lukas, Rosi Dapper, Renate Diehl, Ehefrau Gudrun Schneider und Rina Schmieden.
Foto: Stephan Brust

Bad Kreuznach – Was aus der Not heraus entstand, ist heute ein Projekt mit Vorbildcharakter. Als im Januar 2011 die Vorbereitungen für den Start des neuen Hauses der Senioren in der Mühlenstraße in Bad Kreuznach liefen, drohte die Küche unbesetzt zu bleiben. „Undenkbar", meinte Alfred Schneider, Mitglied im Seniorenbeirat, und sprang spontan mit seiner Frau Gudrun ein. Am Freitag kochte der rührige 64-Jährige aus Planig zum 200. Mal für die Senioren – ehrenamtlich wohlgemerkt: „Wenn Gott es will, mache ich das auch noch weitere zehn Jahre."

Freitagmorgen, 9.30 Uhr, im Haus der Senioren: Schon im zweiten Stock, auf Höhe des Speiseraums, sind Stimmen aus der Küche eine Etage höher zu hören. Küchenchef Alfred Schneider und seine Helfer bereiten zum 200. Mal das Mittagsmenü für die Senioren vor. Um Punkt zwölf muss es fertig sein. Dann wird sich Schneider vor die Gäste stellen und erläutern, was sie gezaubert haben. Wie immer, ein Ritual. Normalerweise hängt der Menüplan schon zwei Stunden vorher am Eingang des Speiseraums. Diesmal heißt es nur: Überraschung zum 200. Essen. Vorspeise, Hauptspeise, Nachtisch, für 5 Euro. Auch das ändert sich nicht. „Der Preis ist immer gleich", betont Schneider. „Wir kalkulieren so, dass wir genau hinkommen."

Gekocht wird immer dienstags und freitags. Aus gutem Grund, denn an diesen Tagen ist Wochenmarkt. Die Zutaten werden frisch eingekauft und direkt verarbeit. Heute, das verrät Schneider schon mal unter vier Augen, bevor er es dann um 12 Uhr allen präsentiert, gibt es Krabbencocktail, gefolgt von einer Rinderroulade nach Hausfrauenart mit Salzkartoffeln und einem bunten Salatteller – sowie einem „Erdbeertraum" als Dessert. „Da werden mit 5 Euro wahrscheinlich nicht alle Kosten gedeckt", meint er. Ist aber auch nicht tragisch, da in den Wochen davor ein kleiner Überschuss erwirtschaft wurde. Wichtig: Die Einnahmen fließen umgehend wieder in die Zubereitung der nächsten Essen. Einmal pro Woche – in der Regel dienstags – kocht das Team noch zusätzlich für den Wohnungslosen-Treff in der Bastgasse.

Das Team besteht aus zehn Helfern, bis auf Schneiders Frau alle pensioniert. Sie geht im August in Rente. Alle engagieren sich ehrenamtlich: Senioren für Senioren. Angefangen haben sie zu fünft. „Beim ersten Essen kamen 17 Gäste", erinnert sich Schneider. Heute sind es 50 bis 60, also bis zu 120 in der Woche. Da müssen die Rädchen schon ineinander greifen. Das merkt man bereits nach wenigen Minuten. Jeder weiß, was er zu tun hat. Im Fußball würde man sagen: Die Mannschaft versteht sich blind. Und hat vor allem Spaß.

Genau das ist, was sie antreibt: die Leidenschaft fürs Kochen und die Möglichkeit, Gutes zu tun. Denn nicht wenige ihrer Gäste sind schon froh, wenn sie die 5 Euro für das Essen aufbringen können. „Altersarmut ist ein großes Thema", ist Schneider überzeugt, „und das wird noch schlimmer."Die Senioren kommen aus Bad Kreuznach, aber auch aus dem Kreisgebiet, einige sogar aus Birkenfeld. Die Kochkünste des Teams haben sich weit herumgesprochen.

Auch Ex-Fernsehkoch Franz-Xaver Bürkle schaut regelmäßig vorbei. Seitdem Schneider mit ihm zur Eröffnung des Seniorenhauses am Herd stand, sind sie befreundet. Bürkle ist Vorbild, „mein stiller Berater", schmunzelt Schneider, der mehr als 20 Jahre als Fernfahrer unterwegs war und „aus dem Herzen heraus kocht", wie er selbst sagt. Umso stolzer macht es ihn, wenn ausgerechnet Bürkle das Essen im Seniorenhaus mit den Worten beschreibt: „Bodenständig auf hohem Niveau."

Stephan Brust

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