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Paradiesvögel: Ramona Flohr ist die Königin der Kostüme

Sie ist eine kleine Berühmtheit und doch irgendwie vollkommen unbekannt. Dabei ist Ramona Lohr bei allem, was sie tut, laut, offen, bunt und vielleicht sogar ein bisschen forsch. Und trotzdem wirkt sie im „normalen“ Leben ziemlich unscheinbar – zumindest, wenn man im Vergleich dazu einmal ihre andere Seite kennengelernt hat.

An fünf Tagen im Jahr wird Ramona Flohr zum Star. Dann schlüpft sie mit ihrem Mann Jürgen in die handgemachten Fastnachtskostüme. Eine Verwandlung à la Lady Gaga. Eben noch unauffällig, jetzt im Mittelpunkt. Wie Tauben um ein Stück Brot scharen sich die anderen Fastnachter um das Paar, wollen Selfies mit ihnen machen, Fragen stellen. Promileben eben.

Das Mannheimer Paar, das ursprünglich aus Bad Kreuznach kommt, ist auf der Straßenfastnacht bekannt für seine aufwendigen Kostümkreationen. „Was machen sie dieses Jahr? Wie wollen sie das letzte Outfit überhaupt noch einmal toppen?“ Und immer wieder schaffen es die beiden, zu überraschen, räumen zuverlässig Preis um Preis ab. Doch wer ist die Frau hinter den fantasievollen Kreationen, was motiviert sie dazu, sich immer wieder zu übertreffen, und wie viel Arbeit steckt tatsächlich in den Kostümen? Der „Oeffentliche“ hat sich im Rahmen der neuen Serie „Paradiesvögel“, in der Menschen aus der Region vorgestellt werden, die mit ihrem Aussehen, ihrem Beruf oder ihrem Hobby aus der Masse herausstechen, mit der Königin der Kostüme unterhalten – außerhalb des Fastnachttrubels.

Die Fastnacht war tatsächlich auch gar nicht der Ursprung von Ramona Flohrs Verkleidungsexzessen. Angefangen hat alles um die Jahrtausendwende mit der Love Parade in Berlin. Damals begann sie, die Kostüme für sich und ihren Mann selbst zu basteln. „Ich mache eigentlich nichts Normales“, sagt sie. Das merkt man auch an ihren beruflichen Arbeiten: Als gelernte Friseur- und Kosmetikmeisterin sowie ausgebildeter Make-up-Artist ist die 43-Jährige weit entfernt davon, Dauerwellen, Hochsteckfrisuren und Tages-Make-ups zu machen.

Jedes Ergebnis spricht immer von Kreativität,  Handwerk und Kunst.
Jedes Ergebnis spricht immer von Kreativität, Handwerk und Kunst.

Stattdessen wird sie für professionelle Fotoshootings gebucht, pinselt Bodypaintings auf Modelkörper, kreiert ausgefallenen Kopfschmuck und stylt Prominente auf. Die geborene Kirnerin, die in Bad Kreuznach gelernt hat und nun in Mannheim wohnt, hat schon mit Berühmtheiten wie Micaela Schäfer, Udo Walz und Boris Entrup zusammengearbeitet. Trotzdem sagt sie: „Promis sind nicht mein Ziel. Mir sind die Leute lieber, die meine Arbeit wertschätzen.“

Während ihr die Anerkennung sonst teils verwehrt bleibt, wird sie damit an Fastnacht überhäuft, kommt kaum dazu, einen Bissen zu essen, weil sie ständig für Fotos bereitstehen soll. Doch sie kann die Aufmerksamkeit absolut genießen: „Ich bin froh, Leute zu sehen, die Fröhlichkeit ausstrahlen. Und mein Grinsen geht nach oben, wenn ich höre: ,Die haben's drauf!'“

Ein bisschen ist es so, als wäre die Kostümgestaltung für Ramona Flohr zu einer Art Sucht geworden. Sie sehnt sich nicht nur nach den bejubelten Auftritten, sondern vor allem nach der aufwendigen Vorbereitung. „Ich beruhige mich dabei“, sagt sie. Nach der Fastnacht ist vor der Fastnacht: Das ganze Jahr über sammelt sie Utensilien, die sie für das nächste Kostüm gebrauchen könnte. Vier bis sechs Wochen arbeitet sie schließlich an der finalen Gestaltung. Ein Materialwert von 800 Euro steckt in den „Die Schöne und das Biest“-Kostümen, die sie und ihr Mann in diesem Jahr trugen. 90 Sticks für Heißklebepistolen verbrauchte Ramona Flohr für die Einhornkostüme im vergangenen Jahr, allein im Anzug ihres Mannes steckten 400 Swarovski-Steine. Während sich die meisten anderen Männer schon vor einem kleinen Farbtupfer im Gesicht scheuen, lebt Jürgen Flohr die Kostümleidenschaft gemeinsam mit seiner Frau voll und ganz aus: „Er liebt es!“

Das Einhorn gehört 2018 zu den beliebtesten Kostümen überhaupt. Für Ramona und Jürgen Flohr war es schon am Altweibertag 2017 in Bad Kreuznach die erste Wahl – als aufwendige Eigenkreation.  Archivfoto: Carsten Zillmann
Das Einhorn gehört 2018 zu den beliebtesten Kostümen überhaupt. Für Ramona und Jürgen Flohr war es schon am Altweibertag 2017 in Bad Kreuznach die erste Wahl – als aufwendige Eigenkreation. Archiv
Foto: Carsten Zillmann

Wie das neuste Kostüm aussieht, bleibt immer bis zum Altweiberdonnerstag streng geheim – gewissermaßen sogar für die Künstlerin selbst. „Ich mache keine Probe“, sagt die zweifache Mutter. Auch sie will sich vom ersten Anblick überwältigen lassen – in etwa so wie eine Braut in ihrem Brautkleid. Der Weg zum Käfig wird schließlich in jedem Jahr zum großen Schaulaufen. Ab dann wird jeder Moment genutzt: Acht Termine hatten Ramona Flohr und ihr Mann Jürgen in diesem Jahr an vier Fastnachtstagen – alle in ihrer alten Heimat. „An Fastnacht war ich schon immer hier“, erklärt sie.

Wie lange Ramona Flohr sich noch selbst überbieten kann und will, weiß sie nicht. Dass sie im nächsten Jahr aber wieder auffahren wird, steht schon fest: „Das Thema ist schon klar!“ Désirée Thorn

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