40.000
Aus unserem Archiv
Bad Münster am Stein-Ebernburg

Paracelsus-Rotenfelsklinik: Schließung scheint besiegelt

Christine Jäckel

Bad Münster am Stein-Ebernburg. Das wird kein schönes Wochenende für die Mitarbeiter der Paracelsus- Rotenfelsklinik in Bad Münster am Stein-Ebernburg. Am Freitag erhielten sie per Mitarbeiterbrief die Nachricht der Eigenverwaltung, dass sich die Hoffnungen auf eine Übernahme zerschlagen haben und die Abwicklung der Schließung zum 30. Juni fortgesetzt wird.

Kein Happy End für die Mitarbeiter der Rotenfelsklinik, die Reha-Klinik wird Ende Juni geschlossen. Das Übernahmeangebot der Asklepios-Gruppe war am Freitag abgelehnt worden.  Foto: Christine Jäckel
Kein Happy End für die Mitarbeiter der Rotenfelsklinik, die Reha-Klinik wird Ende Juni geschlossen. Das Übernahmeangebot der Asklepios-Gruppe war am Freitag abgelehnt worden.
Foto: Christine Jäckel

An Übernahme stark interessiert

Entgegen der ursprünglichen Ankündigung, dass alle Standorte der Paracelsus-Gruppe übernommen werden, müssen sich die gut 80 Mitarbeiter in Bad Münster jetzt nach einer neuen Arbeitsstelle umsehen. Im Bieterverfahren für die Übernahme der insolventen Paracelsus-Gruppe hatte die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Porterhouse AG den Zuschlag der Gläubiger bekommen. Danach stellte sich heraus, dass die Rotenfelsklinik aus dem Gesamtpaket herausgestrichen worden war. „Das wäre mit uns nicht passiert“, sagen Rune Hoffmann und Norbert Schneider von der Asklepios-Kliniken-Gruppe. Der Klinikbetreiber mit Hauptsitz in Hamburg hatte bei den Verhandlungen um die Übernahme des insolventen Mitbewerbers Paracelsus mitgeboten, der Gläubigerausschuss entschied sich aber für den Bewerber aus der Schweiz. Asklepios habe im Bieterverfahren die Übernahme aller Standorte und aller Mitarbeiter mit Fortführung des Tarifvertrags angeboten, sei aber leider nicht zum Zug gekommen, berichtete Rune Hoffmann, Leiter Unternehmenskommunikation und Marketing.

Als bekannt wurde, dass die Rotenfelsklinik – zum symbolischen Verkaufspreis von einem Euro – wieder zum Verkauf steht, schaltete sich Asklepios erneut mit der Eigenverwaltung kurz. Denn das Unternehmen betreibt unter anderem die Katharina-Schroth-Klinik in Bad Sobernheim, die dringenden Erweiterungsbedarf hat. „Wir haben in Bad Sobernheim aktuell drei bis vier Monate Wartezeit für die Aufnahme neuer Patienten“, erklärt Norbert Schneider von Asklepios, warum das Interesse seines Unternehmens am Standort Bad Münster so groß war. Außerdem liegt mit der Paulinenklinik in Wiesbaden ein zweiter etablierter Asklepios-Standort mit dem Schwerpunkt Orthopädie ganz in der Nähe.

Negativen Kaufpreis geboten

Schneider informierte sich in der Rotenfelsklinik in Gesprächen intensiv über den Status. „Das hätte in Bad Münster sehr gut gepasst mit der fachlichen Ausrichtung, zudem sind die Mitarbeiter sehr motiviert“, betont Schneider. Auch der Bedarf an Räumen für die Ausbildung von Therapeuten und die Schulung der jungen Skoliosepatienten wäre mit dem seit Jahren leer stehenden zweiten Klinikgebäude vorhanden gewesen. „Wir hätten 20 Millionen in die Rotenfelsklinik investiert“, sagt Schneider. Die neue Patientenklientel hätte dem Ortsteil eine Verjüngung beschert und wäre dem Gastgewerbe zugute gekommen, da die Eltern während des Klinikaufenthalts ihre Kinder besuchen. „Der Standort war für uns schon aussichtsreich, andererseits hat die Klinik einen erheblichen Sanierungsstau und ein erhebliches Defizit“, fasst Rune Hoffmann das Ergebnis der Bewertung zusammen.

Asklepios habe angeboten, die Rotenfelsklinik mit allen Mitarbeitern zu einem negativen Kaufpreis zu übernehmen – sprich, Geld für den Kauf gefordert. Dieses Angebot hat der Gläubigerausschuss abgelehnt. Eine bittere Pille für die Belegschaft, die ihre Hoffnung auf das Angebot von Asklepios gesetzt hatte, meint Schneider. Hoffmann verweist darauf, dass der Sozialplan, der jetzt von Paracelsus mit dem Betriebsrat verhandelt wird, und die weitere Abwicklung der Schließung sicher einige Millionen kosten werden. Das Angebot von Asklepios lag nur um wenig mehr darüber.

Schließung schwächt Stadtteil

„Ich bin enttäuscht und entsetzt“, kommentierte Ortsvorsteherin Bettina Mackeprang die Nachricht von der Schließung am Freitagnachmittag. Aus ihrer Sicht hatte Asklepios ein schlüssiges Konzept, das überzeugte und junge Menschen nach Bad Münster gebracht hätte. „Das hätte unserem Stadtteil so gut getan. Für die Mitarbeiter tut es mir unendlich leid, sie hatten bis zum Schluss gehofft“, unterstrich Mackeprang. Für den Stadtteil, der vom Tourismus lebt, sind die Patienten der Kliniken am Ort wichtig, die ebenfalls Kurbeitrag zahlen. Die Ortsvorsteherin misst dem Werbeeffekt durch die Kliniken hohe Bedeutung bei. Denn die Patienten und ihre Besucher seien auch Gäste, die Bad Münster als Tourismusziel bekannt machen. Wenn nun alles wegbricht, sieht Mackeprang darin „den Todesstoß“ für den Stadtteil.

Von unserer Reporterin
Christine Jäckel

Bad Kreuznach
Meistgelesene Artikel
Anzeige
UMFRAGE
Wer will an der Uhr drehen?

Sommerzeit: Soll es dabei bleiben, dass wir im Frühsommer die Uhren eine Stunde vorstellen?

Anzeige
Online regional

Bettina TollkampBettina Tollkamp
Chefin v. Dienst
Online
E-Mail

News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
UMFRAGE (beendet)
Markt am Samstag?

Das Mainzer Markt-Frühstück ist ein Kult-Event. Wäre das auch etwas für Bad Kreuznach?

Ja, unbedingt!
69%
Nein, eher nicht.
31%
Stimmen gesamt: 109
Anzeige
Regionalwetter
Freitag

15°C - 27°C
Samstag

15°C - 27°C
Sonntag

17°C - 29°C
Montag

17°C - 29°C
epaper-startseite