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Mainz

Neue Mainzelbahn: Wie gefährlich – und wie teuer?

Gisela Kirschstein

Seit dem Start der neuen Mainzelbahnstrecke häufen sich die Straßenbahnunfälle in Mainz, ist zumindest der Eindruck vieler Mainzer. Nun fragte die CDU-Opposition im Mainzer Stadtrat nach, und tatsächlich: Seit dem Start der Mainzelbahn im Dezember 2016 verzeichnete die Stadt allein auf der neuen Strecke hinauf zum Lerchenberg 23 Unfälle mit Straßenbahnen. Dabei wurden elf Menschen verletzt. Ein Fußgänger starb nach der Kollision mit einer Straßenbahn. Insgesamt entstanden Schäden von rund 193.000 Euro.

Eine Straßenbahn entgleiste in Zahlbach an einer Weiche und wurde wieder aufs Gleis gehoben. Es gab 29 Verletzte. Der Unfall taucht nicht in der Statistik auf, da er sich auf einer alte Strecke ereignete.  Foto: Gisela Kirschstein
Eine Straßenbahn entgleiste in Zahlbach an einer Weiche und wurde wieder aufs Gleis gehoben. Es gab 29 Verletzte. Der Unfall taucht nicht in der Statistik auf, da er sich auf einer alte Strecke ereignete.
Foto: Gisela Kirschstein

Als Hauptgrund für die Unfälle gibt die Stadtverwaltung an, dass Autofahrer die neue Straßenbahnstrecke und beim Abbiegen sogar parallel fahrende Bahnen schlicht übersehen haben. Dabei würden auch vielfach rote Ampeln ignoriert. Ein Teil der Unfälle sei auf eine „Eingewöhnungsphase“ der Verkehrsteilnehmer zurückzuführen, weil die sich noch nicht an die mit dem Bau der Straßenbahn erfolgten Veränderungen an Kreuzungen und bei den Verkehrsabläufen gewöhnt gehabt hätten.

Unfallhäufungen gab es demnach an einer äußerst unübersichtlichen Straßenquerung in Mainz-Bretzenheim sowie an neuen Kreuzungspunkten der Straßenbahn mit Autowegen. Beim Start der Mainzelbahn hatten diverse neue Ampelanlagen entlang der neuen Strecke noch nicht funktioniert. Genau hier gab es denn auch vermehrt Unfälle.

Die Stadt bessere ständig bei den Ampelanlagen nach, versicherte Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne) im Stadtrat. Trotzdem kam es zuletzt noch im Februar 2018 zu einer Kollision einer Straßenbahn mit einem Autofahrer an einer Ampelkreuzung in Marienborn.

Tödlicher Unfall wird noch untersucht

Die Stadt betont, dass an 21 von 23 Unfällen nicht die Straßenbahnfahrer, sondern die Autofahrer Schuld gewesen seien. Die Kosten trage deshalb auch die jeweilige Versicherung des Unfallgegners, bei Verschulden der Verkehrsbetriebe liege die Selbstbeteiligung des Unternehmens bei 1000 Euro.

Unklar ist allerdings noch der genaue Hergang eines Unfalls im Dezember 2017, als eine Straßenbahn bei Schnee und Eis an einer Kreuzung mit einem Fußgänger kollidierte und dieser noch an der Unfallstelle verstarb. Die Stadt geht von einem Fehlverhalten des Fußgängers aus, die Ermittlungen laufen aber noch. Schwer verletzt wurde auch im November 2017 ein Fußgänger, der auf dem Lerchenberg kurz vor einer herannahenden Bahn die Gleise überquerte und von der Bahn erfasst wurde. In den übrigen Fällen waren die Leichtverletzten meist die Insassen der Autos, die mit den Straßenbahnen zusammenstießen.

Nicht enthalten ist in dieser Liste allerdings der Unfall vom April dieses Jahres, als eine Straßenbahn in Mainz-Zahlbach an einer Weiche entgleiste. 29 Fahrgäste wurden dabei verletzt, die Ursache teilte die Mainzer Mobilität noch nicht mit. Dieser Unfall lag an einer der alten Straßenbahnstrecken und floss deshalb ebenso wenig in die 23 Unfälle ein wie Probleme an anderen Stellen im Mainzer Straßenbahnnetz. So führt unter anderem eine Weiche am Hauptbahnhof öfter zu kleineren Entgleisungsproblemen.

Kritiker argwöhnen deshalb, dass der Bau der Mainzelbahn erheblich mehr Geld verschlungen hat, als bislang bekannt gegeben – und dass seither Geld für notwendige Instandsetzungsmaßnahmen fehlt. Tatsächlich hatte die Mainzer Mobilität selbst eingeräumt, dass etwa für die Ertüchtigung des Wendehammers im Hechtsheimer Ortskern kein Geld da sei.

Die genauen Kosten für das Projekt Mainzelbahn wollte die Stadt am Mittwoch im Stadtrat erneut nicht bekanntgeben. Es lägen noch nicht alle Schlussrechnungen der Firmen vor, gab Eder zur Begründung an. Auch streitet man sich offenbar mit mehreren Firmen über die Abrechnungen.

Genaue Zahlen nicht vor 2019

Die Stadt wolle zudem keine „Zwischenstände“ herausgeben, um die eigene Verhandlungsposition nicht zu schwächen, sagte Eder. Auch Gerichtsverfahren schloss sie nicht aus. Die endgültige Kostenaufstellung werde deshalb nicht vor Anfang des Jahres 2019 vorliegen. Der Bau der 9,2 Kilometer langen Strecke vom Hauptbahnhof auf den Lerchenberg soll nach bisherigem Stand Kosten von rund 90 Millionen Euro verschlungen haben.

Von Gisela Kirschstein

21 300 Fahrgäste pro Tag nutzen die Mainzelbahn

Aus Sicht der „Mainzer Mobilität“ ist die Mainzelbahn ein voller Erfolg: Rund 21.300 Fahrgäste nutzten pro Tag die Mainzelbahn, das sind 6,4 Millionen Fahrgäste pro Jahr, teilte der Verkehrsbetrieb mit. Erwartet hatte man nur 5 Millionen. Allerdings sind in den Zahlen auch die Passagiere eingerechnet, die notgedrungen Straßenbahn fahren: Für die Mainzelbahn wurden teilweise Buslinien in den Stadtteilen stark ausgedünnt, etwa im Bretzenheimer Ortskern.

Viele ältere Menschen klagen hier nun über lange Fußwege. Die Mainzer Mobilität räumt ein, dass eine Verlagerung vom Bus auf die Mainzelbahn „gewünscht“ gewesen sei. Man habe aber allein in den drei Mainzelbahn-Stadtteilen Lerchenberg, Marienborn und Bretzenheim auch mehr als 840.000 Fahrgäste neu hinzugewonnen.

Auch durch die neuen Direktverbindungen von der Oberstadt und der Neustadt zur Universität sei der Fahrgastanteil gestiegen, mehr als 38 Prozent der Mainzer nutzten jetzt die Straßenbahn als Verkehrsmittel. Das zeige, dass die Straßenbahn „als attraktives und leistungsfähiges System im ÖPNV wahrgenommen und intensiver als eine Busverbindung genutzt wird“. gik

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