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Nach Sprengung und Heimkehr: Becherbacher sind erleichtert

Becherbach bei Meisenheim. Die Tage der Ungewissheit sind vorüber, das hochgefährliche Munitions- und Waffenlager im Becherbacher Oberdorf ist geräumt. Die Menschen sind erleichtert, "dass nichts passiert ist".

Inge Neubrech (links) und Monika Gall gestern Nachmittag vor der Becherbacher Scheune (Hintergrund), in der die Waffen und der Sprengstoff gelagert waren. Frau Neubrech hat die Evakuierungsnacht im nahen Ginsweiler zugebracht, Monika Gall übernachtete bei Verwandten in Trier.
Inge Neubrech (links) und Monika Gall gestern Nachmittag vor der Becherbacher Scheune (Hintergrund), in der die Waffen und der Sprengstoff gelagert waren. Frau Neubrech hat die Evakuierungsnacht im nahen Ginsweiler zugebracht, Monika Gall übernachtete bei Verwandten in Trier.
Foto: Stefan Munzlinger

Freitagabend, 19 Uhr: Ein Feuerwehrmann klingelt am Haus von Oliver Gall an der Rosengasse: „In 15 Minuten müsst ihr weg sein.“ Explosionsgefahr, Evakuierung! Becherbach wird auf die komplette Räumung vorbereitet. Gall traut seinen Ohren nicht; gerade feiern sie drinnen seinen 37. Geburtstag. Fest beendet, alles raus. In Windeseile wecken sie die Kinder, packen ein paar Habseligkeiten und verlassen ihr Heim. Sie fahren nach Trier, verbringen die Nacht bei seiner Schwester.
Günter Haage (73) kennt die Familie von Kurt N., dem Waffen- und Munitionssammler aus Hundsbach, und kann „absolut nichts Negatives“ berichten. Ab und zu sei man sich im Dorf begegnet, stets freundlich und nett miteinander umgegangen. Der Sprengung der gut 40 Kilogramm Explosivstoffe erlebte Haage als Augenzeuge auf dem Roßberg.
Familie Spahn aus Becherbach dankte mit einem Aushang im Glaskasten gegenüber der Kirche aus: „Herzlichen Dank an alle für die Hilfe! Eine unübersichtliche und gefährliche Situation, auch für das eigene Leben so abzuschließen, nötigt höchsten Respekt ab.“
Drei Glas- und zwei Plexiglasscheiben gingen durch die Explosionsdruckwelle im Stall von Familie Brüse zu Bruch, entdeckte Anna Maria Brüse. Sie ist dennoch froh, dass nicht noch mehr zu Bruch ging. Auch ihre Katzen und ihr Pony haben die Aufregung gut weggesteckt. Am Sonntag habe eine besonders fröhliche Stimmung in Becherbach vorgeherrscht. „Ich sah so viele lachende Gesichter auf den Straßen wie noch selten zuvor.“ Mit einer ihrer Töchter kam sie bei Freunden in Roth unter.
Ein 84 Jahre alter Becherbacher Rentner bezeichnete Kurt N. als „netten Mann, mit dem nach ganz normale Gespräche führen konnte. Ich war auch schon in seiner Scheune. Um die hat er kein Geheimnis gemacht.“
Derweil setzt sich in Hundsbach die Familie des Beschuldigten zur Wehr. Seit drei Tagen werde ihr Haus belagert, klingele das Telefon ständig und werde nach „neuen sensationellen Details“ gefragt. Vehement stritten Angehörige ab, dass der Waffensammler einer rechtsradikalen Gruppe angehöre. Er sei ein „außergewöhnlich hilfsbereiter und liebenswerter Mann“ und die „Hetzjagd“ gegen ihn und die Familie „maßlos überzogen“.
„Die drei vergangenen Tage waren mit die schlimmsten in meinen Leben“, sagt Christel Bäcker (54). Seit bekannt war, dass in ihrer an den Hundsbacher Rentner Kurt N. (62) vermieteten Scheune hochexplosiver Sprengstoff lagerte, konnte sie nicht mehr schlafen. Umso wichtiger war ihr gestern, allen für die sichere und reibungslose Räumung und Entschärfung des Gefahrenmaterials zu danken – vor allem im Namen ihrer Familie und des Oberdorfs: „Gerade denen, die am Samstag ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, haben wir in Becherbach sehr viel zu verdanken.“
Hätte sie nicht am Donnerstagmorgen bei der Polizei in Lauterecken die Vermietung des Objekts an Kurt N. gemeldet, wer weiß, ob jemals etwas von den Waffen und Sprengstoffen bekannt geworden wäre: „Ich wollte sicher gehen, dass in meiner Scheune nichts lagert, was dort nicht hingehört.“
„Es ist eine Frechheit, dass er seinen Sprengstoff zu mir gefahren hat, statt ihn in Hundsbach bei sich zu lagern.“ Andererseits sei Kurt N. „immer umgänglich und freundlich“ gewesen. Nichts habe darauf hingedeutet, dass er ein solcher Waffennarr sei. Hätte sie, so Christel Bäcker, auch nur geahnt, dass ihr Mieter hier Waffen, Munition und Sprengstoffe lagert, wäre sie schon viel früher eingeschritten. Nun will die Sozialdienstmitarbeiterin und VG-Ratsfrau den Mietvertrag kündigen und die Räumung ihrer Scheune festsetzen. (mz/art)

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