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Bad Sobernheim

Nach der Wahl ist vor der Wahl

Kurz vor 18 Uhr am Wahlsonntag stürmte ein junges Pärchen – sie das etwa ein Jahr alte Kind auf dem Arm, er die Unterlagen in der Hand – ins Rathaus und wollte noch wählen. Wahlleiter Harald Groh schaute sich die Wahlbenachrichtigung an und stellte mit geübtem Blick schnell fest: "Falsches Wahllokal. Sie müssen ins Paul-Schneider-Haus!" Während die junge Frau noch lamentieren wollte, raunzte der Mann: "Wenn Du hier noch lange rumdiskutierst, schaffen wir das erst recht nicht mehr."

Bad Sobernheim. Kurz vor 18 Uhr am Wahlsonntag stürmte ein junges Pärchen – sie das etwa ein Jahr alte Kind auf dem Arm, er die Unterlagen in der Hand – ins Rathaus und wollte noch wählen. Wahlleiter Harald Groh schaute sich die Wahlbenachrichtigung an und stellte mit geübtem Blick schnell fest: "Falsches Wahllokal. Sie müssen ins Paul-Schneider-Haus!" Während die junge Frau noch lamentieren wollte, raunzte der Mann: "Wenn Du hier noch lange rumdiskutierst, schaffen wir das erst recht nicht mehr."

Wenig später schütteten Groh und seine Mitstreiter die Wahlurne aus, begannen mit dem Auszählen der Stimmen. Das erste Kreuz fiel auf Michael Greiner (SPD). "Ich wähle nicht", stand auf dem nächsten Schein. Letztlich holte Greiner hier 56 Stimmen. Bruckmeier (40), Budschat (27) und Kohrs (21) folgten auf den Plätzen. Zwar sah es nach Auswertung der Wahllokale Entenpfuhl und Steinhardt noch anders aus, doch an der Reihenfolge, wie sie sich im Rathaus-Wahllokal präsentierte, sollte sich nichts mehr ändern.

CDU-Kandidat Ron Budschat hatte zwar in VG-Bürgermeister Rolf Kehl und der Landtagsabgeordneten Bettina Dickes prominente Unterstützer, die ihm im Rathaus den Rücken stärkten, allein gebracht hat es wenig. Noch nicht einmal 20 Prozent der abgegeben Stimmen entfielen auf den jungen Christdemokraten. Man beachte: Die CDU stellt im Stadtrat die stärkste Partei. Und Dr. Felix Welker hatte bei der Wahl im Juni 2009 – legt man die Wahlbeteiligung und die Anzahl der Stimmen zugrunde – noch mehr als 1000 Wähler hinter sich. Wo sind die alle geblieben? Parteifreund Budschat kam nun gerade mal auf 386 Voten. Hat der Wähler es der CDU etwa übel genommen, dass die Christdemokraten Dr. Felix Welker haben in Sachen Hauptwohnsitz ins offene Messer rennen lassen? Überhaupt: Der Bürger hatte nicht den Eindruck, dass die Partei vorbehaltlos hinter dem Jugendscout steht. Dass sich Budschat selbst als Kandidat präsentierte – ohne dass der Vorstand dabei ist -, spricht da sicher Bände.

Anders, souveräner trat da schon die SPD auf. Stadtverbandsvorsitzender Thomas Neumann betonte bei der offiziellen Vorstellung, dass die komplette Partei-Spitze auf Michael Greiner baue, ihm gänzlich vertraue. Greiner gab das Vertrauen zurück, führte einen zuweilen fröhlichen Wahlkampf ("Es hat richtig Freude gemacht, auf dem Marktplatz Rosen zu verteilen. Das will ich auch weiterhin tun."), wirkte zu keinem Zeitpunkt vor der Wahl verbissen. Das war 2009 noch anders. Vielleicht lebt es sich einfacher mit dem Gedanken: "Wenn's wieder nicht klappt, dann lass ich's halt."

Der Grüne Volker Kohrs kann sich nun wieder auf seine Arbeit im Stadtrat konzentrieren. Vielleicht ist er, wie er glaubt, ja tatsächlich für höhere Weihen noch nicht bekannt genug. Oder muss man, um zum Bürgermeister taugen zu wollen, doch mehr als ein Tretbecken und eine Kneipe in der Leinenbornhalle als Ziel ausgeben? Aber auch Kohrs hat sicherlich gute Ansätze gezeigt. Er sitzt keineswegs zu Unrecht im Rat. Die Arbeit macht ihm Spaß, vielleicht fehlt ihm etwas der Biss für diesen Job.

Biss hingegen hat Alois Bruckmeier bewiesen. Vielen Bad Sobernheimern gefällt offenbar seine zuweilen leicht schnoddrige Art. Aber mal ehrlich: Als Bruckmeier vor gut zwei Jahren wieder zurück nach Bad Sobernheim kam und kurz danach zur FWG stieß, konnte keiner im Ernst daran denken, dass er im September 2010 ans Bürgermeisterzimmer anklopft. FWG-Ikone und Bruckmeiers "Entdecker" Rudi Hill wird's mit Genugtuung sehen und jetzt natürlich auch alles wollen. Wenn man im Finale steht, will man es auch gewinnen. Dass die FWG bei den jüngsten Kommunalwahlen zwei ihrer vier Stadtratssitze abgeben musste, spielt da offenbar keine Rolle mehr. 

In 14 Tagen geht es also wieder von vorne los. Dann aber wird es einen Sieger geben. Und vielleicht ist ja das junge Pärchen, das am Sonntag noch schnell ins Paul-Schneider-Haus flitzen musste, dann das Zünglein an der Waage.       Andreas Nitsch

Wie die Wahl verlaufen ist und wie sie ausging, können Sie hier lesen:

http://ku-rz.de/livekh


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