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    Region Bad Kreuznach

    Möbelmarktriese im Nahetal: Händler in Sorge

    Die geplante Ansiedlung eines Möbelriesen am Autobahndreieck Nahetal ist nach wie vor umstritten. Vor allem mittelständische Unternehmen der Branche sorgen sich.

    Foto: Stefan Röhler/Fotolia

    Von unserer Redakteurin Gabi Vogt

    Existenzbedrohend für Fachgeschäfte, mittelständische Fachmärkte und Möbelhäuser der Region ist nach Auffassung von Bernhard Mayer, Geschäftsführer des Bad Kreuznacher Möbelhauses Mayer, die geplante Ansiedlung eines Möbelriesen mit 45 000 Quadratmetern Verkaufsfläche (davon 4500 Quadratmeter innerstädtisches Sortiment und 7000 Quadratmeter Mitnahmemarkt) am Autobahndreieck Nahetal. Besorgt sind auch andere Möbelhändler in der Region, wie eine Umfrage des Oeffentlichen Anzeigers vor Augen führt.

    Pragmatisch geht Stefan Pallesch, Geschäftsführer von Küche Creativ, an die Sache heran. Beim Küchenkauf hole der Kunde sowieso mehrere Angebote ein. „Da ist es egal, ob er nach Bingen, Kastellaun, Meisenheim oder Mainz geht", sagt er unaufgeregt. Konkurrenz sei immer da, man müsse eben besser sein. Deshalb lautet seine Devise: „Bevor ich Zeit vergeude und mich gegen die Ansiedlung eines Möbelgiganten wehre, die sowieso kommen wird, investiere ich diese Energie besser in die weitere Ausbildung der Mitarbeiter." Trotzdem geht er davon aus, dass er nach der geplanten Ansiedlung weniger Küchen verkaufen wird.

    Rabattschlachten befürchtet

    Mit Einbußen rechnet auch Bärbel Haas-Geritan, die mit ihrem Bruder Dietmar Haas das alteingesessene Möbelhaus Schmidt mit Raumausstatterwerkstatt in Waldböckelheim führt. „Das Stück vom Kuchen wird für alle der fast 20 Möbelgeschäfte der Region kleiner", sagt sie. Mehr noch fürchtet sie, dass wieder ein Wettbewerber mehr mit undurchsichtigen Rabattschlachten wirbt und so Kunden weglockt. Möbel Schmidt setzt auf Rundumservice. „Unsere Kunden schätzen das Komplettangebot aus einer Hand von Möbeln, Gardinen, Wandgestaltung und Bodenbelag", weiß die Raumausstattermeisterin. Mit dieser Devise ist das Möbelhaus seit mehr als 70 Jahren gut gefahren.

    Bernhard Wingenter, Geschäftsführer des gleichnamigen Gartenmöbelgeschäfts in Bad Kreuznach, das auch ausgesuchte Boutiquewaren anbietet, befürchtet, dass der geplante Möbelmarkt den Handel in der gesamten Region schwächen wird. Wingenter hofft stark, dass die geplante Größenordnung nicht verwirklicht wird. In diesem Punkt scheint Bewegung in die Sache gekommen zu sein. In ihrer Stellungnahme zur Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Bingen im Rahmen der Ansiedlung eines großflächigen Möbelhauses mit Möbelmitnahmemarkt im Gewerbe- und Industriepark Bingen-Grolsheim schlägt die Planungsgemeinschaft Rheinhessen-Nahe vor, die Größe der Verkaufsfläche auf 22 500 Quadratmeter sowie die Fläche für den Verkauf des innerstädtischen Sortimentes auf 2250 Quadratmeter zu reduzieren.

    Extrem überdimensioniert

    Diese gegenüber den Plänen halbierte Größenordnung wäre aus Sicht von Bernhard Mayer vom gleichnamigen Bad Kreuznacher Möbelhaus angemessen für eine Stadt wie Bingen. „Eigentlich ist der größte Wettbewerber das Internet – auch deshalb ist es extrem überdimensioniert", sagt Mayer. Der Investor verspricht sich bis zu 80 Millionen Euro Umsatz. „Bingen hat ein Nachfragepotenzial von 5 Millionen Euro. Der Hauptumsatz muss also aus dem Naheraum kommen", befürchtet Mayer, der mit einem Branchenkollegen ein Gutachten zu den Auswirkungen auf den Handel in der Region in Auftrag gegeben hat. Das geht von wesentlich höheren Einbußen für die Innenstädte aus als die vom Investor veranlasste Untersuchung, in der von 4 Prozent die Rede ist.

    Mayer stößt sich nicht nur an der geplanten „gigantischen Größe", sondern den hohen Anteilen an Fachsortiment. „Das schwächt auch die Einzelhändler mit der entsprechenden Dominowirkung", sieht er nicht nur Gefahren für die Möbelbranche. Er rechnet für sein Haus mit Einbußen von 20 Prozent und mehr. Die Auswirkungsanalyse des Investors für die geplante Ansiedlung geht ebenfalls von Einbußen aus, die dort Umsatzumverteilungen genannt werden. Die Rede ist von 16 Prozent bei den Wettbewerbern Möbel Mayer, Möbel-Fundgrube in Bad Kreuznach und Möbel Schwab in Ingelheim. Zum Kreis der mit prognostizierten Einbußen von 24 Prozent besonders stark betroffenen Betrieben zählt besagte Analyse Möbel Martin in Mainz-Hechtsheim.

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