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    Meddersheim/Lonsee

    Meddersheimer tauscht Heimat gegen Arbeitsstelle

    Er hatte nicht die große Karriere im Blick, keinen Studienplatz angeboten bekommen, nicht etwa ein Haus geerbt. Thorsten Christian aus Meddersheim wollte nur seine Familie ernähren können. Deshalb verließ er vor gut drei Jahren Freunde und Verwandte in der Heimat, zog mit Sack und Pack nach Baden-Württemberg. Es war ein schwerer Schritt, aber er hat sich gelohnt.

    Anke (von links), Thorsten, Leon und Jerremy Christian haben im Süden Deutschlands einen Neuanfang gewagt.
    Anke (von links), Thorsten, Leon und Jerremy Christian haben im Süden Deutschlands einen Neuanfang gewagt.
    Foto: Andreas Nitsch

    Meddersheim/Lonsee - Er hatte nicht die große Karriere im Blick, keinen Studienplatz angeboten bekommen, nicht etwa ein Haus geerbt. Thorsten Christian aus Meddersheim wollte nur seine Familie ernähren können. Deshalb verließ er vor gut drei Jahren Freunde und Verwandte in der Heimat, zog mit Sack und Pack nach Baden-Württemberg. Es war ein schwerer Schritt, aber er hat sich gelohnt.


    Rückblick: Anfang 2003 sieht die Welt für Thorsten Christian, seine Frau Anke und die beiden Kinder noch rosig aus. Der heute 40-Jährige hat gerade eine Weiterbildung zum Staatlich Geprüften Techniker begonnen, und er ist recht optimistisch, nach der Ausbildung auch eine Arbeitsstelle zu bekommen. Die Zeit vergeht wie im Flug; und nach erfolgreichem Abschluss im Jahr 2004 schreibt der Familienvater fleißig Bewerbungen. Wie viele, weiß er schon gar nicht mehr genau. Es waren wohl Hunderte. Doch es folgen Absagen über Absagen. „Aus Verzweiflung habe ich mich sogar als Selbstständiger versucht“, erzählt er. Aber das sei nicht sehr produktiv gewesen. Ein einjähriges Engagement als mies bezahlter Lagerarbeiter bei einem Schnäppchenmarkt in Bad Kreuznach muss Thorsten Christian aus gesundheitlichen Gründen wieder aufgeben. Und wieder sitzt er zu Hause, wieder kommt er sich so nutzlos vor. Sich mit Hartz IV über Wasser halten zu müssen, ist hart.

    Immer wieder verfällt der Techniker ins Grübeln. „Hätte ich doch nur ...“, sagt er sich. Vor einiger Zeit schon war ihm ein Job an der österreichischen Grenze angeboten worden. Doch da war die Not offenbar noch nicht so groß; die Hoffnung, eine Stelle in der Heimat zu bekommen, überwog. „Beim nächsten Mal pack ich zu“, sagt er sich nun. „Als dann die Anfrage einer Leiharbeitsfirma aus Landshut kam, ob ich mir vorstellen könnte, in Ulm zu arbeiten, hab ich den Strohhalm ergriffen“, sagt Christian. Er zieht zunächst in eine Wohngemeinschaft. „Irgendwo in der Pampa, weit ab vom Schuss“, berichtet er. Drei Monate schläft er auf einer Matratze auf dem Boden in einem Zimmer ohne Heizung – und das von Oktober bis Ende Dezember. 100 Euro hat das Zimmer im Monat gekostet. „Aber es war okay“, meint er. „Schließlich konnte ich mir eine teure Wohnung für 300 Euro oder mehr nicht leisten.“


    Doch die Trennung von der Familie macht Thorsten Christian immer mehr zu schaffen. Jedes Wochenende verbringt er 600 Kilometer auf der Autobahn, um Frau und Kinder sehen zu können und anschließend wieder zur Arbeit zu fahren. So etwas ist auf Dauer nervig. Hin und her überlegen die Christians, im Januar 2008 wagen sie den großen Schritt und ziehen um, erst nach Amstätten, dann nach Lonsee. Beide Orte liegen zwischen Stuttgart und Ulm.
    „Diesen Schritt habe ich bis heute nicht bereut“, sagt Thorsten Christian. Er und seine Frau haben jeweils eine Stelle gefunden, der älteste Sohn eine Lehrstelle. „Ich arbeite bei Nokia Ulm im Umweltlabor in der Entwicklungsabteilung für Hardware, Anke hat eine Stelle in einer Kartonagenfabrik, Jerremy (19) lernt Feinwerkmechaniker“, erzählt der Vater stolz. Der jüngere Sohn, Leon (13), geht auf die Realschule in Geislingen. In Bad Sobernheim hat es mit der Lernerei bei ihm noch etwas gehapert, nun hat er keinerlei Probleme.


    Natürlich ist es am Anfang in der Fremde immer schwer. Besonders der ältere Sohn hat Schwierigkeiten. Kein Wunder, hat er doch seinen gesamten Freundeskreis zurücklassen müssen. Leon gewöhnt sich schneller ein. Beide Jungs spielen mittlerweile auch wieder Fußball, wie einst beim SC Bad Sobernheim. Leon ist Torwart und kickt noch in der Jugend, Jerremy in der Zweiten Mannschaft. Bei ihrem Vater, der im TuS Meddersheim aktiv war, reicht's nicht mehr. „Die Knochen wollen nicht mehr“, sagt der einstige Torhüter.


    Zwar haben die Christians den ein oder anderen Bekannten, einen größeren Freundeskreis haben sie sich aber noch nicht aufgebaut. „Da haben wir uns noch nicht so drum bemüht“, gibt der Ex-Meddersheimer zu. Er und seine Frau „müssen es nicht mehr jede Woche krachen lassen“. Sie mögen's eher ruhig. „Und wenn wir doch mal Schmacht haben nach einer großen Sause, dann setzen wir uns ins Auto und fahren nach Meddersheim.“
    Was den Neu-Württembergern fehlt, ist ihr Freundeskreis, „und natürlich mein FCK“, so der 40-Jährige. „Heimat bleibt Heimat“, sagt er. „Jedoch bin ich über den Niedergang des Nachtlebens und das Sterben der Fußgängerzone in Sobernheim sehr traurig. Wenn wir mal zu Besuch kommen, ist die Stadt im Gegensatz zu früher doch recht ausgestorben.“ Trotzdem kommen die Christians immer wieder gern zurück, „denn der Pfälzer ist im Gegensatz zum Schwaben doch sehr offen und zugänglich.“                                                                        

                                                            Andreas Nitsch

    Bad Kreuznach
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