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Marian Ristow und sein Opel Astra: eine Liebe – brutal entzweit

Nein, es war keine Liebe auf den ersten Blick. Da stand er blitzblank poliert auf dem Parkplatz des Opel-Händlers. Keine Rennmaschine, kein Vorzeigeauto, nichts, um an Ampeln anhimmelnde Blicke zu erhaschen: ein silberner Opel Astra, Baujahr 1998, 75 PS.

Metalride und Marian – bis dass der Crash uns scheidet.
Metalride und Marian – bis dass der Crash uns scheidet.
Foto: privat
Der Clou: Es war kein gewöhnliches Coupé, das einem noch häufiger im Straßenverkehr begegnet. Nein, es war eine seltene Astra Limousine. Ein Exot mit längerem Heck. Grau, einfach und bescheiden. Stille Einfalt, edle Größe. Kantig, eckig und eher rustikalen Charme versprühend, suchte der Astra einen neuen Besitzer. Ein protziger Audi? Ein überteuerter Mercedes? Auf keinen Fall.

Ein Kaufargument: Sein Vorbesitzer hatte es in 15 Jahren gerade mal auf 60.000 Kilometer geschafft. Instinktiv suchte ich damals nach dem Wackeldackel und dem Klopapierhut auf der Ablage. Accessoires, die solche vermeintlichen Rentnerautos eigentlich gern beherbergen. In Ermangelung eines fahrbaren Untersatzes – mein weißer Fiat Punto war kurz zuvor auf der Mainzer Kaiserstraße den Heldentod gestorben – schlug ich zu.

Und wurde nicht enttäuscht. Der kantige Opel war keine Schönheit, aber ein ungemein verlässlicher Partner, der selbst bei minus 10 Grad im Harz seinen Dienst verrichtete. Solide verarbeitet, ausreichend Platz, dazu rostfrei – bei Opel in den Neunzigern kein Standard. Durch souveräne Leistungen verdiente sich dieser emsige Arbeiter seinen Namen Metalride. Denn seine Hauptaufgabe war, mich und meine Freunde zu möglichst vielen Hardrock- und Heavy-Metal-Konzerten zu chauffieren. Was er exzellent meisterte.

Unter der Woche abends nach Kassel, um eine zweitklassige Nachwuchsband aus Schweden zu sehen? Kein Problem. Eine Tour de Force ins 600 Kilometer entfernte Wacken? Aber sicher. Alles dank des Wahnsinnsfabrikats aus Rüsselsheim. So wurde aus einer anfänglichen Zweckehe eine intensive Liebesbeziehung.

Im Mai 2017 dann der Schock: Ein unvorsichtiger Autofahrer entzweite das Traumduo. Ein Knall, ein Totalschaden, ein gebrochenes Herz. Die Beziehung endete in Trümmern auf der Alzeyer Straße. Marian Ristow

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