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Marian Ristow: Rumpelfußball auf dem Betzenberg hatte Folgen

Fußball-Weltmeisterschaften haben mehrere Wahrheiten. Wer schon mal eine WM live als Zuschauer erlebt hat, weiß das. Die Stimmung, vor allem außerhalb der Stadien, ist grandios. Die Fans feiern in den allermeisten Fällen friedlich, gehen aufeinander zu, sorgen für positive Ausnahmezustände in den Städten. Die andere Seite ist das mitunter mittelmäßige bis grottenschlechte Niveau der Gruppenspiele, das sich Fußballkennern beim genauen Hinsehen offenbart.

Wurden im schwülheißen Kaiserslautern während der WM-Vorrunde 2006 selbst zur Attraktion: Spanische Fans ließen sich gern fotografieren.
Wurden im schwülheißen Kaiserslautern während der WM-Vorrunde 2006 selbst zur Attraktion: Spanische Fans ließen sich gern fotografieren.
Foto: Ristow

Denn dieses kann. zumindest in der Gruppenphase – meistens nicht mit dem bunten, lauten Drumherum der wuseligen Events mithalten.

Marian Ristow Fotos: Stefan Munzlinger
Marian Ristow Fotos: Stefan Munzlinger
Foto: Stefan Munzlinge

Zeuge rumpeligen Sommerfußballs der übelsten Sorte wurde ich am 23. Juni 2006 im eigens für die WM ausgebauten Fritz-Walter-Stadions auf dem Betzenberg in Kaiserlautern – eine Bürde, unter der der FCK zehn Jahre später längst kollabierte. Dort traten die bereits für das Achtelfinale qualifizierten Spanier gegen das schon ausgeschiedene Saudi-Arabien an.

Bei sommerlichen Temperaturen entwickelte sich ein grottenschlechtes Fußballspiel, mit nahezu keinen Torraumszenen, dafür umso mehr Querpässen und ebenso vielen Stockfehlern. Die Saudis – besser als erwartet – versuchten nach der Führung durch Juanito Moreno in der 36. Minute noch mal alles, kamen aber gegen die routinierten Spanier – schlechter als erwartet – zu keinen nennenswerten Chancen.

Die meistens in Rot gekleideten Zuschauer im nicht mal ansatzweise ausverkauften Stadion goutierten den müden Sommerkick trotzdem mit Begeisterungsstürmen und Applaus.

Das blieb hängen: Friedlich feiern ist möglich

Nach den 90, nur schwer erträglichen Minuten, ging die eigentliche Feier vonstatten. Die siegreichen Spanier verwandelten die Kaiserslauterner Innenstadt in ein Tollhaus. Und das ist das, was von diesem Tag bei mir hängen geblieben ist. Friedlich feiern ist möglich, ganz ohne die dem Fußballfantum innewohnende Aggressivität. Auch wenn Saudi-Arabien und Spanien nicht dafür bekannt sind, rivalisierende Fangruppen zu beherbergen. Die Stimmung in der Stadt war absolut einzigartig. Das eigentliche Sommermärchen fand auf den Straßen und Plätzen statt.

Auch erwähnenswert: Wegen fünf läppischen WM-Spielen, darunter das Achtelfinale Italien gegen Australien als vermeintliches Highlight, baute man das Stadion, das bis 2002 noch dem 1. FC Kaiserslautern gehörte, für weit über 50 Millionen aus, das Land Rheinland-Pfalz investierte allein mehr als 20 Millionen Euro an Steuergeldern. Ein größenwahnsinniges Unternehmen mit heftigen Folgen: Der FCK zerbrach später an der erdrückenden Finanzlast aus dieser Zeit, Steuergelder in ungeahnter Höhe wurden dafür verprasst. Immerhin hat man in Kaiserslautern aber mal wieder den Weltmeister (2006 nämlich Italien) gesehen. Ob es das wert war? Marian Ristow

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