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Kreis Bad Kreuznach

Landfrau des Jahres: Alexandra Widiger aus Weitersborn

Stefan Munzlinger

Kreis Bad Kreuznach. 23 und Landfrau? Läuft. Alexandra Widiger, Mitarbeiterin der Landwirtschaftskammer an der Bad Kreuznacher Burgenlandstraße, sprudelt vor Ideen, begeistert sich für ihre Heimat – und wurde am Mittwochnachmittag in Ludwigshafen zu einer von drei „LandFrauen des Jahres 2018“ ausgezeichnet.

Die gebürtige Weitersbornerin Alexandra Widiger (23) ist eine von drei bundesdeutschen „LandFrauen 2018“. Am Mittwochnachmittag wurde sie in Ludwigshafen ausgezeichnet – im Beisein von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Basis der Auszeichnung: Alexandras „Foodblog“, den sie hier an ihrem PC in der Landwirtschaftskammer Bad Kreuznach zeigt. Sie kocht und fotografiert die Gerichte und stellt sie ins Internet.  Foto: Stefan Munzlinger
Die gebürtige Weitersbornerin Alexandra Widiger (23) ist eine von drei bundesdeutschen „LandFrauen 2018“. Am Mittwochnachmittag wurde sie in Ludwigshafen ausgezeichnet – im Beisein von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Basis der Auszeichnung: Alexandras „Foodblog“, den sie hier an ihrem PC in der Landwirtschaftskammer Bad Kreuznach zeigt. Sie kocht und fotografiert die Gerichte und stellt sie ins Internet.
Foto: Stefan Munzlinger

Die beiden mit ihr geehrten Frauen stammen aus Nordrhein-Westfalen und Ostdeutschland. Das Trio zeichne sich durch wegweisendes Engagement aus.

Die in Weitersborn als Tochter kasachischer Eltern – Mutter Anastasia, 59, und Vater Alexander, 56, und Schwester dreier Mädchen – geborene Alexandra Widiger studiert bis 14. März 2019 parallel zu ihrem Job in der LwK Ernährungsberatung und wurde für ihren Foodblog (Ernährungstagebuch) auf Facebook ausgezeichnet.

Sie zaubert eigenhändig leckere Gerichte, fotografiert sie und stellt sie auf die FB-Seite „LandFrauen leidenschaftlich kochen“. Wer die Seite anklickt, kommt auf die Präsentation der Landfrauen Rheinland-Nassau. Die mit Kenntnis und Herz gestaltete Seite ist den Bundeslandfrauen die Ehrung wert.

Für Alexandra Widiger, die das Wandern, Radeln und Trampolin-Jumpingtraining im Bad Kreuznacher Fitnesscenter Merkelbach, als ihre anderen Hobbys beschreibt, ist die Anerkennung auch ein kleines Happy End. Zum Abschluss einer Entwicklung, die sie vor noch gar nicht allzu langer Zeit als streng blondgefärbte und gepiercte junge Frau sah. Eine Phase, auf die sie versöhnlich zurückblickt und sie lächelnd für sich beendet hat.

Nach der Simmertaler Grundschule und dem Fachabi an der Berufsbildenden Schule Kirn in Fremdsprachen (Spanisch) und Bürokommunikation machte sie ein freiwilliges soziales Jahr an der Martin-Luther-King-Grundschule in Bad Kreuznach, besuchte kurz die Berufsfachoberschule und arbeitete dann bei Merkelbach; nach acht Monaten bewarb sie sich in der Landwirtschaftskammer und kam an. Ihre Themen dort: Ernährungsberatung und -bildung, etwa mit dem Projekt „Gemüseführerschein“ für Landfrauen, Hauswirtschafterinnen, Kindertagesstätten und Grundschulen. Kochen, backen ... Natürlich: Alles rund ums Essen ist ihr wichtig, aber eben auch die politische Seite der Landfrauen – mit 500.000 Mitgliedern in Deutschland eine starke Lobbygruppe. Gleichberechtigung, geteilte Elternzeit? Themen, die sie umtreiben: „Da müssen wir lauter werden“, findet Alexandra.

Aus eher praktischen Gründen wohnt sie mit ihrem Partner Tilmann Tönnessen von „Dein Design“ in der Kreisstadt, liebt aber nach wie vor das Leben im Dorf, „weil man sich kennt, vertraut und hilft“. Ob Stadt oder Land, die Nahe ist ihre Heimat: „Wir leben in einer unglaublich schönen Region.“ Das hat sie grade wieder bei den Dreharbeiten eines SWR- und eines ZDF-Teams empfunden. Alle wollen die junge „LandFrau des Jahres 2018“ porträtieren.

Was sie an den Landfrauen fasziniert? Das generationenübergreifende Lernen durch einen kontinuierlichen Austausch bei allerlei Veranstaltungen. Mit den Landfrauen sei sie „angekommen“, sagt Alexandra Widiger, nach Jahren ihres sich neu orientierenden Lebens. Sie fühlt sich wohl in ihrer Rolle, färbt sich nicht mehr die Haare, verzichtet meist auf Schminke, singt gerne (Sopran), wie kürzlich bei der Meisterfeier der Grünen Berufe, und hat einen Traum: ein kleines Café mit künstlerischem Anspruch. Die Verbindung von Kreativem, Leckerem und Kommunizierendem – das sind drei Elemente, die sie in ihr Leben eingebettet hat und vielleicht eines Tages in Bad Kreuznach oder auf dem Lande verwirklichen wird.

Die Ehrung „LandFrau des Jahres 2018“ macht sie stolz, und sie freut sich auf ihre Zukunft: „Ich bin gespannt auf das, was kommt.“

Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

Starke Lobby für das Leben auf dem Lande: Stefan Munzlinger zu den 2240 Landfrauen im Kreis Bad Kreuznach

In karierten Kitteln gewandete Matronen – auf welch kleinem Karo doch das Denkmuster derer fußt, die Landfrauen noch mit uralten Klischees bekleidet sehen.

Dabei ist das kommunikationsfreudige und fleißige Team der 2240 Mitbürgerinnen in Städten und Dörfern des Kreises Bad Kreuznach heute die gelebte, praktische Seite der viel jüngeren „SooNahe“-Philosophie: Global denken, regional lenken. Ja, sicher, Landfrauen können auch Kuchen backen und Milch verarbeiten, laden alle naselang zu Vorträgen ein, was man so alles aus Kartoffeln und Kohlrabi zaubern kann.

Aber ist das provinziell, veraltet, verstaubt? Nein, es ist genau das, was wir in Zeiten des gesellschaftlichen und klimatischen Wandels brauchen: Rezepte für ein bewusstes, ressourcenschonendes Leben auf dem Lande, das mit seinen Pfunden noch viel zu wenig wuchert und sich allzu schnell vor großstädtischem Geklimper klein macht.

Längst sind die Landfrauen das Fundament dessen, was wir gerne Heimat nennen, und: eine starke Lobby für ein gutes Miteinander.

E-Mail: stefan.munzlinger@rhein-zeitung.net

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