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Bad Kreuznach

"Ladies Lunch" mit von der Leyen: Viel Mensch, wenig Wahlkampf

Kurt Knaudt

Blicke hinter den Vorhang der Politik gewährt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen den rund 110 Frauen, die am Dienstag zum „Ladies Lunch“ der CDU-Bundestagskandidatin Antje Lezius ins Hotel Fürstenhof in Bad Kreuznach gekommen sind. Ein Auftritt, bei dem es oft menschelt, weil die frühere Familienministerin zum Thema Frauen in Führungspositionen auch persönliche Erfahrungen beisteuert.

Die wegen eines Bänderrisses gehandicapte Antje Lezius (rechts), Erika Breckheimer (links) und Marita Frieden (2. von links) hießen Ursula von der Leyen gestern zum „Ladies Lunch“ willkommen. Foto: Kurt Knaudt
Die wegen eines Bänderrisses gehandicapte Antje Lezius (rechts), Erika Breckheimer (links) und Marita Frieden (2. von links) hießen Ursula von der Leyen gestern zum „Ladies Lunch“ willkommen.
Foto: Kurt Knaudt

So verrät sie beispielsweise, wie sie mit – mitunter auch unsachlicher – Kritik umgeht. Ihre Antwort: Man müsse lernen, Angriffe abzuspalten: „Das darf man nicht persönlich nehmen, sonst geht man kaputt.“ Die 58-Jährige wirkt beim „Ladies Lunch“ selbstbewusst, souverän und zielstrebig wie immer, zugleich aber bodenständiger und wärmer als bei manchen Fernsehauftritten.

„Wie Sie es machen, machen Sie es falsch“, lautete ihre Erkenntnis aufgrund der Erfahrungen nach der Geburt ihres ersten Kindes im Jahr 1987. Denn ob man wie sie mit weniger Stunden weiterarbeitet oder zu Hause bleibt: Irgendeine Erwartung werde man immer enttäuschen. „Lasst euch kein schlechtes Gewissen machen“, gibt die siebenfache Mutter deshalb jungen Frauen mit auf den Weg. 15 Jahre lang mühte sich von der Leyen als junge Ärztin, Familie und Beruf, später dann Familie und Politik unter einen Hut zu bekommen. Dann die Wende: Als sie Sozialministerin in Niedersachsen wird, übernimmt ihr Mann. Anfangs schreibt sie ihm noch auf kleinen Zetteln, was zu Hause zu tun ist, ehe sie erkennt: Der Medizin-Professor ist keine zweitklassige Mutter, sondern ein erstklassiger Vater.

Warum aber gibt es nach wie vor so wenig Frauen in Führungspositionen? Weil Männer die Rollenmuster verinnerlicht haben und deshalb bei Beurteilungen das eigene Geschlecht bevorzugen, ist von der Leyen überzeugt. Sie schildert aus eigener Erfahrung, wie sich tief sitzende Bilder auswirken: Wenn Männer standhaft und durchsetzungsstark sind, sei das positiv. Bei einer Frau hingegen heiße es dann: „Die ist kalt und hart.“ Ein Image, mit dem sie selbst bis heute zu kämpfen hat. Für sie sei Gleichberechtigung Chefsache, betont die Spitzenpolitikerin. Und zwar auch in Ländern, in denen Frauen wenig gelten: Nie käme ihr in den Sinn, in muslimisch geprägten Ländern ein Kopftuch und einen langen Rock anzuziehen. Demonstrativ trage sie auch dort selbstverständlich Hose.

Vom Wahlkampf ist beim Auftritt in Bad Kreuznach wenig zu spüren. Während draußen eine kleine Gruppe der Linken demonstriert, berichtet die Verteidigungsministerin, dass ihr seit der Wiedervereinigung stetig gekürzter Etat jetzt angesichts spürbarer Bedrohungen wieder wächst. Nur da reibt sie sich an der SPD, weil die diesem Kurs intern zugestimmt habe, ihn jetzt aber vor der Bundestagswahl kritisiere. Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten habe sich die Stimmung zugunsten des „Friedensprojekts Europa“ gedreht: Viele EU-Länder haben nach ihren Worten eingesehen, „dass wir selbst mehr für unsere Sicherheit und Verteidigung tun müssen“.

Den Frauen gefällt, wie von der Leyen auftritt und was sie sagt. Sie verabschieden sie mit warmem Beifall, ehe sie sich dem Dessert widmen. Vor- und Hauptspeise wurden schon serviert, bevor die gertenschlanke Ministerin eintraf. Die hat keine Zeit, etwas zu essen, sondern eilt, begleitet von der später eingetroffenen Julia Klöckner, der Stadtverbandsvorsitzenden Erika Breckheimer und der Frauen-Union-Vorsitzenden Marita Frieden zum Hinterausgang. Dort steht der schwarze Mercedes, der sie zu ihren nächsten Auftritten bringt.

Von Kurt Knaudt

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