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    Kultur: Ein Abend zwischen Dada und Armageddon

    „Es sind Lieder für Menschen, die denken und mitdenken, gepaart mit zappaeskem Humor“, freute sich Yoshi, Chef der Musikkneipe Dudelsack, am Freitag bei der Begrüßung der Gruppe Menschenhund.

    Auf eine apokalyptische Reise in die Tiefen der menschlichen Seele führte die Gruppe Menschenhund die Zuschauer im Dudelsack. Foto: Kai Sieben
    Auf eine apokalyptische Reise in die Tiefen der menschlichen Seele führte die Gruppe Menschenhund die Zuschauer im Dudelsack.
    Foto: Kai Sieben

    Die entführte dann in eine albtraumhafte Séance, deren Inhalte aus den Texten eines H. P. Lovecraft entsprungen sein könnten. Auf ihrer „Im Fernsehen gibt es Leute, die sind hässlicher als du“-Tour thematisieren die Musiker mit Frontmann Harald Preis unter anderem die banalen Tagträume der ewigen Opfer und Looser der Gesellschaft im Angesicht der künstlichen Glitzerwelt einer Heidi Klum. In einem anderen Song wird die Kinderarbeit in der Dritten Welt mit teils drastischen, hier nicht zitierfähigen Worten, dem Luxusproblem der Ratlosigkeit der Jugendlichen nach dem Abitur entgegengestellt.

    Ob chinesischer Turbokapitalismus, sexuelle Untiefen des Internets oder dadaistisch anmutende musikalische Landschaftsbilder („Anker im Brunnen“) - Menschenhund verstört, ist sperrig, und der Zuschauer ist gezwungen, genau hinzuhören, um den Sinn der Lieder zu erkennen. Das ist auch so gewollt und wird durch das schauspielerische Talent und die kraftvolle Präsenz von Preis auf der Bühne unterstrichen.

    Höhepunkt der Reise in die Finsternis war die Bearbeitung des neutestamentarischen Kapitels der Offenbarung des Johannes. Schuldenblase, Finanzkrise, Kaufleute wurden in einer derartigen Intensität umgesetzt, dass man sich mitten in ein musikalisches Armageddon versetzt sah. Aufgelockert wurden diese dadaistisch anmutenden Darbietungen durch die Verteilung von Pustefix-Döschen, mit deren Inhalt die Gruppe dann von den Zuschauern mit Schaumblasen umschmeichelt wurde.

    Neben Texten aus eigener Feder spielte die Gruppe mit Roland Kuprat am Bass, Malte Itjeshorst an der Gitarre und Ulrich Brähler hinter den Drums auch ein Landsknechtlied aus dem Dreißigjährigen Krieg oder den bluesigen Ruf- und Antwort-Song „John the Relevator“, den der tragische Musiker Blind Willie Johnson im Jahr 1930 genial vertonte.

    Als Zugabe gab es dann das düstere Lied „Der König will geboren sein“ und weitere Songs der Tour „Wald, Wald, Wald“. Menschenhund ist eine schillernde Formation, die sich in keine der gängigen musikalischen Schemata pressen lässt und deshalb ihren einzigartigen Charakter in einer unüberschaubaren Welt bewahrt. ksi

    Bad Kreuznach
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