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Bad Kreuznach

Kuhberg: Viel Kritik an Plänen für ein neues Wohnviertel auf dem ehemaligen THW-Gelände

Harald Gebhardt

Jahrelang lag das ehemalige THW-Gelände auf dem Bad Kreuznacher Kuhberg brach und verwilderte. Als jetzt aber die Stadtverwaltung informiert wurde, dass das 2,6 Hektar große, zwischen der Einmündung von Ledderhoser Weg und Rheingrafenstraße und dem Waldrand gelegene Gebiet in den Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) übergegangen ist und vermarktet werden soll, schrillten die Alarmglocken. Denn der Flächennutzungsplan von 2005 lässt dort eine Wohnbebauung zu.

Seit Jahren liegt das Areal des früheren THW-Geländes auf dem Kreuznacher Kuhberg brach. Jetzt gibt es Pläne für den Bau eines grünen Wohnviertels dort.
Seit Jahren liegt das Areal des früheren THW-Geländes auf dem Kreuznacher Kuhberg brach. Jetzt gibt es Pläne für den Bau eines grünen Wohnviertels dort.
Foto: Marian Ristow

Um die Fäden in der Hand zu behalten und vorgeben zu können, „was dort oben passiert“, wie Oberbürgermeisterin Heike Kaster-Meurer betonte, will die Stadt einen Bebauungsplan aufstellen und hat mit dem Architekturbüro HDG ein Bebauungskonzept für das Areal entwickelt. Unter dem Stichwort „Wald.Stadt.Süd“ soll ein attraktives Gebiet für junges urbanes Wohnen entsehen. Ziel ist, ein autofreies Quartier zu entwickeln, welches im vorderen Bereich eine zentrale Parkanlage umfasst (wir berichteten). Entstehen könnten 150 Wohnungen in einer zwei- bis dreigeschossigen Bebauung mit einem Grünkorridor, der sich durch das Quartier zieht, und mehreren Zugängen zum Wald. Auch einen Nahversorger will man ansiedeln und die notwendige Infrastruktur, auch für E-Mobilität, schaffen.

Doch die von Bauamtsleiter Klaus Christ und Fabrice Henninger von HDG vorgelegten Pläne stießen im Ausschuss für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr, wie durchaus zu erwarten war, auf heftigen Widerstand – von mehreren Seiten und aus verschiedenen Gründen. Nach langem Hin und Her einigte man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner – einen Empfehlungsbeschluss für den Stadtrat, einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „In der Monau“ zu fassen, und die Verwaltung zu beauftragen, ein Konzept mit den entsprechenden Zielen zu erstellen. Stadtplaner Bettino Hans Gagliani hält das für ausreichend, um über eine Veränderungssperre eine andere Bebauung durch einen Käufer des Grundstücks zu verhindern. Benedikt Blanz von der Abteilung Stadtplanung hatte zuvor klar gemacht, dass ein ganz allgemeiner Aufstellungsbeschluss dafür nicht ausreicht.

In der vorausgegangenen Diskussion wurde viel Kritik an den präsentierten Plänen laut: Michael Henke (Grüne) befürchtet einen „Kahlschlag“, der jedem Klimaschutzgedanken widerspreche. Er nannte es „völlig inakzeptabel“, dort 150 Wohnungen zu bauen. Man sollte vielmehr überlegen, ob man das Gebiet überhaupt bebauen oder als Waldgebiet erhalten wolle. Seine Parteikollege Hermann Bläsius fand es „toll, dass die Stadt endlich mal das Zepter in die Hand nimmt, um nichts übergestülpt zu bekommen“, merkte zugleich aber an: „Ich weiß nicht, ob der Kuhberg der richtige Platz dafür ist.“ Da gebe es andere Baugebiete, die für ein autofreies Wohnquartier eher infrage kämen. Mit dem Fahrrad sei das Areal nur sehr schwer zu erreichen, selbst mit dem E-Bike nur mit Mühe. Auch wegen der fehlenden Infrastruktur sehe er große Probleme. Jürgen Bergmann-Syren (SPD) sieht dies ähnlich: Wenn das Gebiet so bebaut werde, müsse man auch dafür sorgen, dass ein Nahversorger dort hinkommt. Als Negativbeispiel führte er das Neubaugebiet Rheingrafenblick an: „Alles zugebaut, und um Brötchen zu holen, muss ich mit dem Auto fahren.“ FWG-Mann Karl-Heinz Delaveaux nannte den Vorschlag „völlig utopisch und an der Kreuznacher Realität vorbei“. Er glaube nicht, dass jemand mit dem Fahrrad da hochfahre, und ein Parkhaus dort oben sei „völlig absurd“. Auch Michael Boss (SPD) kritisierte: „Eine solche Bebauung ist dort fehl am Platz.“ Das Gebiet grenzt an das Naturschutzgebiet. Eine Bebauung sollte daher dezent erfolgen.

Auch CDU-Fraktionschef Werner Klopfer lehnte die Pläne ab, wenn auch aus anderen Gründen als die Grünen. Ihm scheinen sie „unausgegoren“. Der Zeitpunkt dafür, dass das Gebiet dort angepackt wird, sei aber richtig. Ihm schwebt aber eher eine Bebauung mit Einfamilienhäusern auf 20 großen Grundstücken vor. Nichts hält er von einer Idee, die die OB als Alternative angedeutet hatte: „Dass die Stadt das Gebiet selbst entwickelt und vermarktet, tun wir uns hoffentlich nicht an.“ Günter Meurer (SPD) appellierte an die Ausschussmitglieder, die Blockadehaltung aufzugeben und über das, was zu Papier gebracht wurde, zu diskutieren. Entscheidend sei, dass die Stadt das Heft in der Hand behält, was dort oben gebaut wird. „Es ist doch klar geworden, dass wir einen Aufstellungsbeschluss brauchen. Es ist Gefahr im Verzug.“

Von unserem Redakteur Harald Gebhardt

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Alles begann damit, dass man ins denkmalgeschützte Casinogebäude Brückes 1 einen Aufzug einbauen wollte ... Inzwischen ist man bei den Kosten für Generalsanierung und barrierefreien Ausbau bei 5,9 Millionen Euro angelangt. Ein Ende der Kostenspirale ist nicht absehbar.

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