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    Bad KreuznachKreuznacher Messerstecherei: Behörden stehen vor Rätsel [Update]

    Staatsanwaltschaft und Polizei veröffentlichten weitere Informationen zur Messerstecherei am Samstagnachmittag in der Bad Kreuznacher Neustadt. Allerdings sind noch viele Fragen ungeklärt. Entsprechend laufen die Ermittlungen auf Hochtouren.

    Von Gustl Stumpf und Stephan Brust

    Nach Aussage des Leitenden Oberstaatsanwalts Michael Brandt führte offenbar ein eher banaler Anlass zu der blutigen, mit Baseballschlägern und Messern ausgetragenen Schlägerei zwischen Türken und Afghanen, bei der ein 21-jähriger Türke durch einen Stich in den Bauch schwer verletzt wurde. Zu kursierenden Gerüchten, wonach es sich bei der gewaltsamen Auseinandersetzung um einen Revierkampf im Drogen-Milieu handelte, erklärte Brandt: „Darauf deutet nach dem bisherigen Ermittlungsstand nichts hin.“ Die Polizei sucht Zeugen, insbesondere ein Pärchen, das mit seinem Auto inmitten der Auseinandersetzung in der Lämmergasse rangierte.

    Begonnen hatte alles am Freitag gegen 22.30 Uhr im Nachtigallenweg im Kurgebiet, wie aus einer Presseerklärung von Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach und Polizeipräsidium Mainz hervorgeht. Dort kam es aus besagtem eher nichtigen Anlass zunächst zu verbalen Beleidigungen, dann zu Körperverletzungen. Dabei wurde ein 18-jähriger Türke mit einem Messer an Rücken und Bein verletzt. Lebensgefahr bestand nicht. Das galt auch für den 21-Jährigen, der nach der Stichattacke am Samstag im Krankenhaus operiert wurde.

    Schwierig gestalten sich die Ermittlungen, wie Brandt auf Anfrage des „Oeffentlichen“ bestätigt. Wer hat den Streit angefangen, wer ist der Haupttäter? Diese Fragen sind noch ungeklärt. Dazu passt der Auftritt von drei afghanischen Männern am Samstagabend bei der Kreuznacher Polizei. Sie behaupteten, von der türkischen Gruppe überfallen worden zu sein. Die Beamten nahmen das Trio fest, setzten es nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft aber wieder auf freien Fuß, weil keinem der Tatverdächtigen der Messerstich zugeordnet werden konnte.

    Um ein weiteres Aufeinandertreffen beider Gruppen zu unterbinden, setzte die Polizei am Montag verstärkt Streifen im Stadtgebiet ein – vor allem im Bereich der Neustadt. Der Vorfall hat die Diskussion um die öffentliche Sicherheit neu entfacht. Die Empörung ist groß – bei Anwohnern, aber auch bei vielen weiteren Bürgern, die unter anderem bei Facebook emotional darüber diskutieren. Dabei hagelt es auch Vorwürfe gegen die Stadt und das Ordnungsamt. Obwohl es Hinweise auf die beunruhigende Situation in dem Gebiet gegeben habe, sei nichts unternommen worden, heißt es.

    Ordnungsdezernent Udo Bausch wiederum verspricht: „Wir nehmen jeden Hinweis ernst und gehen ihm nach.“ Das Wichtigste sei, dass die Verantwortlichen so schnell wie möglich geschnappt und vor Gericht gestellt werden, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Jeder Straftäter muss wissen, dass mit aller Deutlichkeit gegen ihn vorgegangen wird.“ Deshalb arbeite die Stadt und speziell das Ordnungsamt eng mit der Polizei, aber auch mit vielen weiteren Stellen wie den Jugendämtern zusammen. „Hinter den Kulissen passiert jede Menge“, betont Bausch. Dazu gehöre auch, dass die Zahl der Hilfspolizisten im Ordnungsamt auf acht erhöht wurde „und wir jetzt auch im Schichtdienst arbeiten können“. Was die Neustadt betrifft, ist das verabschiedete Sanierungskonzept nach seiner Überzeugung ein Schritt in die richtige Richtung. „Das wird dem gesamten Gebiet guttun und sich auch positiv auf das Umfeld auswirken“, glaubt er.

    Von Behauptungen wie die Polizei müsse härter durchgreifen, hält Bausch nichts. „Alles nur auf die Polizei zu fokussieren, ist falsch“, unterstreicht er. Das Problem sei auch gesellschaftlich begründet. Und politisch, meint Stadträtin Annette Bauer (Faire Liste).

    Sie setzt sich seit vielen Jahren für die Aufwertung der Neustadt ein – unter anderem mit der Initiative Klein Venedig Bohème. Die Bundespolitik sei so wirtschaftsfixiert, dass wachsende Probleme wie fehlende Integration nicht erkannt werden, schreibt sie in einem Brief an Bausch, OB Heike Kaster-Meurer und Bürgermeister Wolfgang Heinrich. „Und auch in Bad Kreuznach sieht man nicht richtig hin“, ergänzt sie. „Gehen Sie mal durch die Viertel. Wenn Sie Menschenkenntnis haben, sehen Sie, was los ist und welchen Gefahren junge Leute ausgesetzt sind. Und vor allem, wie viel Armut es in der Stadt gibt – und sie wächst seit Jahren.“ Für die Stadträtin eine Ursache für die erhöhte Aggressivität.

    Die Presseerklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei im Wortlaut

    "Am vergangen Samstagnachmittag gegen 16 Uhr kam es in der Lämmergasse zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen einer türkischen und einer afghanischen Gruppierung. Hierbei wurden Baseballschläger und Messer eingesetzt. Ein 21-jähriger Türke wurde durch einen Stich in den Bauch schwer verletzt und musste im Krankenhaus operiert werden. Es besteht keine Lebensfahr. Nach dieser Tat flüchteten alle Beteiligten. Ein Türke stellte sich später der Polizei als Zeuge zur Verfügung.

    Am späten Samstagabend erschienen drei afghanische Männer im Alter zwischen 20 und 25 Jahren bei der Polizei in Bad Kreuznach und berichteten von dem "Überfall". Den Männern wurde die vorläufige Festnahme erklärt. Da der Messerstich keinem der drei Tatverdächtigen zugeordnet werden konnte, wurden sie nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach wieder auf freien Fuß gesetzt.

    Hintergrund der Auseinandersetzung war ein Streit zwischen den beiden Gruppen, der sich bereits einen Abend vorher, am Freitag, den 16.05.2014, gegen 22.30 Uhr im Bereich des Nachtigallenwegs im Kurgebiet zugetragen hatte. Hier kam es zunächst zu verbalen Beleidigungen und gegenseitigen Körperverletzungen, bei dem ein 18-jähriger Türke mit einem Messer an Rücken und Bein verletzt wurde. Der junge Mann wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Lebensgefahr bestand hier ebenfalls nicht.

    Polizei und Staatsanwaltschaft suchen Zeugen, die die Auseinandersetzungen am

    · Freitagabend gegen 22.30 Uhr im Bereich des Nachtigallenwegs im Kurgebiet und am

    · Samstagnachmittag gegen 16 Uhr in der Lämmergasse

    beobachtet haben.

    Insbesondere sucht die Polizei ein Pärchen mittleren Alters, die mit ihrem PKW inmitten der Auseinandersetzung in der Lämmergasse rangiert haben. Das Paar wird gebeten sich als Zeuge bei der Polizei zu melden.

    Das Fachkommissariat für Tötungsdelikte der Kriminalpolizei Mainz und die Kripo Bad Kreuznach haben eine Arbeitsgruppe zur Bearbeitung dieser Tat (versuchter Totschlag) eingerichtet.

    Hinweise bitte an die Kriminalpolizei Mainz, Telefon: 06131/653 633 oder die Polizeiinspektion Bad Kreuznach, Tel. 0671/88 11 100

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