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Bad Kreuznach

Kornmarktbrunnen demontiert: De' Gulasch und Co. gehen in Winterschlaf

Marian Ristow

Er hieß Heinrich Karl Philipp Saam und machte im ausgehenden 19. Jahrhundert Bad Kreuznachs Gassen unsicher. Wenn er auf Tour war, war Vorsicht geboten. Denn er neigte dazu, weingeschwängert kräftige Rundumschläge zu verteilen.

„Freindche, wenn ich dich krien, dann gibt's Gulasch“, soll er dabei gerufen haben. Weil er auch eine Vorliebe für den gleichnamigen Fleischtopf am liebsten hausgemacht und scharf gewürzt, hatte, nannte man ihn kurz „De Gulasch“ – ein echtes Kreuznacher Original, verewigt auf dem Kornmarktbrunnen, den man deswegen auch Originalebrunnen nennt.

Das kommende Jahr muss die Stadt ohne das Wahrzeichen auskommen, gestern Morgen wurde pünktlich um 10 Uhr mit der Demontage des Brunnens begonnen. Den Auftrag dazu erhielt die Fachfirma Bussmer und Orben. Das Bad Kreuznacher Unternehmen kennt sich mit dem Brunnen bestens aus: 1975 half Steinmetz- und Bildhauermeister Julius Orben bereits bei der Installation des von Karl Steiner geschaffenen Werks.

Erst sichern, dann zerschneiden

Keine leichte Aufgabe für die Männer um Geschäftsführer Marco Orben und Vater Julius. Mit schwerem Gerät mussten die Betonstelen gelöst werden. „Wir wissen nicht, wie diese verschraubt sind“, gab Julius Orben Einblick in die Details. Letztlich gelang das mit einem Betonschneider. Vorab wurden die insgesamt acht Originalefiguren mit starken Haltebändern fixiert und mittels eines hydraulischen Arms gesichert. Nachdem die Säule dann zerschnitten war, wurden die gewaltig schweren Figuren, allesamt Bronzegüsse, auf der Ladefläche eines Transporters verstaut. Von dort aus ging es in die Firmenzentrale in den Stadtteil Planig, wo die Originale ihren Winterschlaf halten werden.

Marco Oben, Geschäftsführer von Bussmer und Orben, vor dem „schlafenden“ Gulasch
Marco Oben, Geschäftsführer von Bussmer und Orben, vor dem „schlafenden“ Gulasch
Foto: Marian Ristow

Die Güsse sind noch in relativ gutem Zustand“, urteilte Julius Orben beim Verladen vom „Gulasch“. Trotzdem kann es sein, dass man diese nach der Reinigung etwas aufpoliert. „Da müssen wir aber nochmal mit unserem Auftraggeber sprechen.“

Neuer Mittelpunkt des Kornmarkts

Der Kornmarktbrunnen wird im Rahmen des lange anvisierten Umbau des Platzes verlagert. 1973 wurde der Brunnen vom Bad Kreuznacher Bildhauer Karl Steiner entworfen. Sein Gestaltungsplan siegte bei einer öffentlichen Ausschreibung. Damals wurde die Bevölkerung schriftlich befragt, ebenso urteilte ein Preisgericht. Im Frühjahr 1975 installierte Bussmer und Orben den Brunnen am Rande des Kornmarkts, am 19. Juli wurde er von Oberbürgermeister Peter Fink feierlich übergeben. Nach dem Abschluss der Umgestaltungsarbeiten am Kornmarkt soll der Brunnen zu dessen neuem Mittelpunkt werden. Offiziell erst 2019, wenn die Bauarbeiten gut laufen, vielleicht auch schon Ende 2018.

„Damit wird der Platz geöffnet, der Brunnen ist aktuell eher eine Sichtbarriere“, erklärte Bauamtsleiter Klaus Christ, der die Demontagearbeiten zusammen mit einer Delegation der Stadtverwaltung beobachtete.

Von unserem Redakteur Marian Ristow

Die Originale

Auf dem Brunnen befinden sich Kreuznacher Originale, Menschen, die lange Zeit zum Stadtbild gehörten, die „gute alte Zeit“ prägten und über die noch heute Geschichten erzählt werden. Dazu gehören „Es Brobecks Marri“ (Maria Brobeck) samt ihrer Katze, „De Schutzmann Wiechert“ (Gustav Hermann Wiechert), „De Debbedee“ (Fritz Braun), „Es Gänzje“ (Franz Ganz), „De Gulasch“ (Heinrich Karl Philipp Saam) und die Symbolfiguren Hund (als Schrecken der Marktfrauen) und Ferkel (eine Referenz an die „Spansau“).

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