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Bingen

Kleine Lachpause für ein ernstes Thema: Wartke setzt bei den Binger Comedy Nights ein Zeichen gegen Extremismus

Désirée Thorn

Spotlight aus, Fernsehen an. Die Binger Comedy Nights 2018 sind vorbei – und doch nicht so ganz, denn ab Anfang August werden die einzelnen Hochglanz-Unterhaltungsnummern im SWR-Programm zu sehen sein. Fünf Tage lang wurde die Wagenausbesserungshalle im Park am Mäuseturm mit ihrer beeindruckenden Rheinkulisse zum Fernsehstudio, Bingen zur rheinhessischen Comedy-Hochburg. Echte Kabarett-Urgesteine und aktuelle Stars der Szene gaben sich die Klinke in die Hand. Hunderte Zuschauer strömten Abend für Abend auf das Landesgartenschaugelände.

Mit dem Titel „Nicht in meinem Namen“ sorgte Bodo Wartke bei den Comedy Nights am Freitagabend in der Binger Wagenausbesserungshalle für nachdenkliche und emotionale Momente.
Mit dem Titel „Nicht in meinem Namen“ sorgte Bodo Wartke bei den Comedy Nights am Freitagabend in der Binger Wagenausbesserungshalle für nachdenkliche und emotionale Momente.
Foto: Jonas Hamann

So auch am Freitagabend: Zwar konnten die „auswärtigen“ Comedygrößen nicht ganz mit der Anziehungskraft von Lokalmatador Begge Peder mithalten, der gemeinsam mit dem fränkischen Duo Waltraud und Mariechen am Donnerstag für eine fast ausverkaufte Halle sorgte, doch mit rund 780 Gästen waren die Ränge in der Wagenausbesserungshalle auch am Freitag gut besetzt, knapp 100 Plätze blieben leer. Dafür zeigte sich die Zuschauerschar deutlich gemischter – genauso wie die gebotenen Programme. Während am Donnerstag ausschließlich Klamauk und Blödeleien auf die Bühne kamen, klangen am Freitag zwischenzeitlich sogar ganz nachdenkliche Töne an.

Klavierkabarettist Bodo Wartke setzte mit seinem Lied „Nicht in meinem Namen“ ein Statement gegen religiösen Extremismus und sorgte dabei mit krassen Beispielen („Wenn ihr Andersgläubige massakriert“, „Homosexuelle zusammenschlagt“ oder „eure Frauen verachtet und unterdrückt“) und der Ankündigung, alle Einnahmen durch diesen Song an Ärzte ohne Grenzen zu spenden, für höchst emotionale Momente, die seitens des Publikums in zustimmenden Applaus und Respekt zollende Standing Ovations mündeten. Begeisterung lösten aber auch die komödiantischen Beiträge aus, etwa Wartkes musikalisch erzähltes Erlebnis im Swinger Club („Mit Swing ist hier, wie mir scheint, was ganz anderes gemeint“) oder seine ironische Ode an die deutsche Nachkriegsarchitektur („Im Zweifelsfalle bauen wir statt nem farbenfrohen Haus lieber einen Plattenbau im satten Grau“). Amüsante Mitwippmusik, die immer wieder für Überraschungen sorgte.

Richtig ausgelassene Stimmung herrschte vorab beim Auftritt des Improvisationstheaters Springmaus aus Bonn. Die vier Darsteller interagierten mit dem Publikum, holten sich Anweisungen für ihre nächsten Stücke ab und nahmen den ein oder anderen Zuschauer sogar mit auf die Bühne. Da wurde beim klassischen Ballett der Speicher aufgeräumt, auf simuliertem Dänisch gestritten oder eine spontane Oper aufgeführt. Den absoluten Höhepunkt bot eine Talkshow über Hildegard von Bingen, die von einem Darsteller in „Gebärdensprache“ übersetzt wurde. Der nahm Redewendungen wie „Die Katze aus dem Sack lassen“ oder den „Nagel auf den Kopf treffen“ wörtlich – eine schweißtreibende Angelegenheit, sowohl für den sich abrackernden Darsteller als auch für das herzhaft lachende Publikum.

In einer etwas anderen Liga spielte das gemeinsame Programm von Badesalz-Legende Henni Nachtsheim und dem bekannten Fernsehkomiker Rick Kavanian. Während der Start im typischen Mono-Dialog von Nachtsheim gewohnt lustig war, konnte die darauf folgende Lesung in verschiedenen Rollen nicht so richtig mithalten. Potenzial hatten die Geschichten: „Die Leiden des jungen Werther“ ließen die beiden etwa im Seniorenheim spielen, und zur Weihnachtsgeschichte trat ein bekiffter Josef mit Udo-Lindenberg-Stimme auf. Den beiden auf ihre iPads starrenden Comedians fehlte es allerdings an Interaktion mit dem Publikum. Das wurde daran deutlich, dass Nachtsheims spontane Versprecher zum Teil für das größte Gelächter sorgten. Situationskomik hin oder her – für die meisten Zuschauer zählte vor allem der Kultstatus, und der kam absolut zum Tragen. Das Resultat: gute Laune auf allen Seiten.

Von unserer Reporterin Désirée Thorn

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