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Bad Kreuznach

Katholiken sollen sich mit einer Pfarrei begnügen: Bistum gibt trotz Synode den Kurs vor

Eine Pfarrei fast so groß wie das heutige Dekanat Bad Kreuznach (ohne Kirn): Mit diesem Gedanken werden sich rund 40.000 Katholiken anfreunden müssen. Bischof Dr. Stephan Ackermann hat die Einwände des Rats der Pfarreiengemeinschaft Heilig Kreuz Bad Kreuznach mit Norheim nicht gelten lassen.

Das Dekanat Bad Kreuznach besteht ab 2020 nur noch aus einer Pfarrei.
Das Dekanat Bad Kreuznach besteht ab 2020 nur noch aus einer Pfarrei.
Foto: Josef Nürnberg

Der Rat hatte während der Resonanzphase dafür plädiert, zwei „Pfarreien der Zukunft“, eine mit Bad Kreuznach, Guldenbachtal, Rupertsberg, Spabrücken und Teilen der Pfarreiengemeinschaft Sponheimer Land und eine weitere mit Bad Sobernheim, Kirn, Meisenheim und der anderen Hälfte der Pfarreiengemeinschaft Sponheimer Land zu initiieren.

Doch Trier hält die beiden Einheiten für zu klein. Es ist kaum damit zu rechnen, dass sich am Entwurf noch etwas ändert, auch wenn Pfarrer Michael Kneib (Heilig Kreuz) sagt, dass der Bischof nochmals über den Entwurf schauen will. Mit der Entscheidung rechnet der Seelsorger im Februar, mit der eigentlichen im Jahr 2020.

Aus seiner Enttäuschung, dass Trier die Argumente für zwei Pfarreien im Dekanat nicht berücksichtigt hatte, macht Kneib keinen Hehl. „Ich stehe hinter den Argumenten unseres Pfarreienrats.“ Der hatte die weiten Wege, die schwierige Vernetzung in solch einem großen Raum, die zunehmende Anonymität und die zu große Verwaltungsstruktur als Argumente angeführt.

Doch am Ende der Resonanzphase standen im Trierer Entwurf nicht mehr 35, sondern nur noch 33 Pfarreien im Plan. Dabei war die Arbeitsgruppe der Bistumssynode 2013 bis 2016 noch von 60 Pfarreien ausgegangen.

Auch wegen guter Erfahrungen und der Aufbruchstimmung im Zuge der Synode machte der Pfarreienrat seiner Verärgerung in einem Brief an die Diözese Luft. Darin beklagt er, dass in keinster Weise auf Argumente eingegangen worden sei. „Das Bistum hat es so gemacht wie immer: Ihr dürft beraten, aber wir machen doch, was wir wollen.“ Zu den Enttäuschten gehören auch Tine Harmuth, Vorsitzende des Pfarreienrats, und ihre Stellvertreterin Maria Louen. Gerade im Hinblick auf die Bistumssynode halten sie die Strukturreform, die nun am Anfang steht, für falsch. „Die ganzen guten Ergebnisse der Synode werden doch von den Strukturveränderungen überlagert“, sagt Louen. Für Harmuth ist „Strukturreform“ dann auch ihr Unwort des Jahres 2017.

Dabei ist nichts geklärt. Fragen zu den Vermögenswerten der bisherigen Pfarreien, Rechtliches und auch, wie die Seelsorge in der Pfarrei der Zukunft aussieht, sind nicht beantwortet, sagen die beiden. Über den Satz von Bischof Ackermann, es sei ihm klar, dass Leute Schwierigkeiten haben, wenn es um Veränderungen gehe, schütteln die Frauen nur den Kopf. Denn beide haben in Sachen Kirche jede Menge Veränderungen erlebt und mitgetragen, etwa die von der selbstständigen Pfarrei Bad Kreuznach zur Pfarreiengemeinschaft.

Gespannt sind Harmuth und Louen, zu welchen Erkenntnissen die drei „Erkunder“ kommen werden. Die sollen von April bis Juni in der Pfarrei der Zukunft feststellen, was vorhanden ist, aber auch mit Leuten ins Gespräch kommen, die eher kirchenfern sind.

Tine Harmuth ist enttäuscht: „Man darf gespannt sein. Einzelne Gemeinden sind fit für einen Halbmarathon und sollen nun einen Marathon laufen.“ Wobei Maria Louen ergänzt: „In manchen Orten reicht es hingegen nicht einmal für einen 400-Meter-Lauf.“ Beide sind sich einig: „Der Elan der Synode ist durch diese Strukturreform erst einmal erloschen.“

Von unserem Reporter Josef Nürnberg

Bad Kreuznach
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