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Bad Kreuznach

Jenny und Karl Marx trauen sich noch mal

Josef Nürnberg

Wer glaubt, der 19. Juni 2018 sei für Bad Kreuznach kein geschichtsträchtiges Datum, der irrt. Denn genau an diesem Tag vor 175 Jahren gaben sich in der Stadt an der Nahe Karl Marx und seine Frau Jenny von Westphalen das Jawort. Ein Ereignis, an dem gerade das Nahe-Theater nicht vorbeikommt, das im Rahmen des Kultursommers 2018 die Heirat von Jenny und Karl erneut aufleben lässt.

Patricia Hammerschmidt und Andreas Heipe übernehmen bei den Aufführungen die Rollen von Jenny und Karl Marx.  Foto: Josef Nürnberg
Patricia Hammerschmidt und Andreas Heipe übernehmen bei den Aufführungen die Rollen von Jenny und Karl Marx.
Foto: Josef Nürnberg

Es dürfte eine interessante Aufführung in der Pauluskirche werden. Doch wer erwartet, dass das Ensemble ein Polittheater zwischen „Kommunistischem Manifest“ und dem „Kapital“ auf die Bühne bringt, der irrt. Ohnehin wäre Bühne der falsche Ausdruck. Denn das Nahe-Theater bespielt die gesamte Pauluskirche. Wie Petra Theisen, die in dem Stück aus der Feder von Jörg Staiber die Rosa Luxemburg spielt, sagt, geht es insbesondere um das Paar Jenny und Karl. Auch wenn natürlich Zitate aus dem „Manifest“ oder dem „Kapital“ vorkommen. Daneben wird auch eine weitere – eher unbekanntere Seite Marx – deutlich: Er hatte nämlich durchaus einen Hang zur Lyrik.

Die Proben gehen in die heiße Phase: An historischer Stätte wird ein Stück Bad Kreuznacher Geschichte zu erleben sein.  Foto: Petra Theisen
Die Proben gehen in die heiße Phase: An historischer Stätte wird ein Stück Bad Kreuznacher Geschichte zu erleben sein.
Foto: Petra Theisen

Klar, dass sich das Nahe-Theater auch dieser Seite annimmt und Gedichte von Marx an seine Frau Jenny ins Stück einbaut. Überhaupt sollte der Theaterfreund nicht zu viel Wert auf den historischen Moment legen. Staiber hat die Marx-Hochzeit so geschrieben, dass sie auch Nichthistoriker in die Aufführung lockt. Daher rührt auch der Wunsch des Ensembles, dass die Zuschauer nicht zu sklavisch am Original hängen. Denn schon allein die Tatsache, dass Theisen als Rosa Luxemburg die Trauzeugin der beiden mimt, ist historisch falsch, wurde doch Rosa Luxemburg erst 28 Jahre nach der Bad Kreuznacher Trauung geboren.

In diesem Stück finden sich Jenny (Patricia Hammerschmidt) und Karl Marx (Andreas Heipe) exakt 175 Jahre nach ihrer Trauung plötzlich an dem Ort wieder, an dem sie kirchlich getraut wurden. Ihr Erstaunen über diesen Umstand, der allen Lehrsätzen des historischen Materialismus widerspricht, hält nicht lange an. Denn prompt werden sie vom Hegelschen Weltgeist, der merkwürdigerweise in der Gestalt eines ungleichen Doppels (Petra Schappert und Martin Zeckai) auftritt, vor eine wichtige Entscheidung gestellt: Nur wenn sich beide ein zweites Mal das Jawort geben, dürfen sie und ihre Trauzeugen, Rosa Luxemburg und Friedrich Engels (Axel Ghane Basiri), hinaus ins Jahr 2018. Fraglich ist zudem, ob die gestresste Pfarrerin (Beate Esser) überhaupt Zeit zur Trauung findet und der Torwächter (Thomas Grammes) sie hinauslässt.

Niemand braucht ein Philosophiestudium, um der Aufführung zu folgen. Es geht um ein Paar, dass nach den Gemeinsamkeiten seines Lebens sucht und sich die durchaus menschliche Frage stellt: Würden wir nochmals gemeinsam die Ehe eingehen? Um dem Stoff zu folgen, ist das ungleiche Doppel wichtig, dass gewissermaßen als Lotsen durch das Stück führt. Übrigens ist es ziemlich sicher, dass das Ehepaar Marx nicht in der Pauluskirche geheiratet hat, die vor 175 Jahren gerade renoviert wurde. Infrage käme die Wilhelmskirche. „Aber auch eine Haustrauung wie sie damals in Mode war, wäre denkbar“, sagt Theisen. Egal, wo der historische Ort war: Die Zuschauer dürfen gespannt sein. Erstmals führt die Regisseurin und Theaterpädagogin Heike Mayer-Netscher Regie. Nicht mitspielen wird Franz Xaver Bürkle, der die Bewirtung übernimmt. Angeblich soll es Kulinarisches mit roter Farbe geben.

Von unserem Reporter Josef Nürnberg

Termine und Preise

Die Aufführungen sind am 19., 22., und 24. Juni um 20 Uhr und am 23. Juni um 15 Uhr in der Pauluskirche.

Karten zum Preis von 17, 19 und 22 Euro sowie ermäßigt für 13, 15 und 18 Euro gibt's bei der GuT Bad Kreuznach, Tel. 0671/836 00 50.

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