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    Bad Kreuznach

    Interview: Flüchtlingshilfe fordert die Behörden

    Das Thema Flüchtlinge beschäftigt immer mehr Menschen. Für Tim Müller, bei der Ausländerbehörde der Kreisverwaltung zuständig unter anderem für Aufenthaltsgewährung, Integration, Familienberatung, Ausreise und Abschiebung, ist es eine große Herausforderung, sich täglich den Sorgen und Nöten der Migranten zu stellen. Das ist kein leichtes Unterfangen, denn die Zuweisungszahlen für den Kreis Bad Kreuznach sind in den zurückliegenden Jahren geradezu in die Höhe geschnellt. Über die Folgen und Konsequenzen sprachen wir mit dem 31-Jährigen.

    Tim Müller, stellvertretender Referatsleiter bei der Ausländerbehörde
    Tim Müller, stellvertretender Referatsleiter bei der Ausländerbehörde
    Foto: Privat

    Herr Müller, im Kreis Bad Kreuznach leben nach aktuellem Stand 15 377 ausländische Personen aus 149 unterschiedlichen Staaten. Auf den ersten Blick eine hohe Zahl. Wie setzt sie sich zusammen?

    Dabei handelt es sich zum einen um Flüchtlinge, die dem Landkreis neu zugewiesen wurden, zum anderen um Personen, die über eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung verfügen, Menschen also, die zum Teil schon 20 oder 30 Jahre im Kreis Bad Kreuznach leben. Die aktuell in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes befindlichen Personen zählen nicht dazu.

    Wer bestimmt, wie viele Flüchtlinge der Kreis aufzunehmen hat?

    Die Verteilungsbehörde, die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier. Bei uns erhalten die Flüchtlinge dann nach der erkennungsdienstlichen Behandlung eine Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender, die Büma, sozusagen als vorläufiges Aufenthaltspapier. Danach können sie einen formellen Asylantrag stellen.

    Für den Kreis, der 2015 insgesamt 1291 Flüchtlinge aufnehmen musste, allein im Januar 2016 schon wieder 252, heißt das, Wohnraum zu beschaffen. Eine Herkulesaufgabe.

    Ja, in der Verwaltung ist dafür das Sozialamt zuständig. Was die Möglichkeiten angeht, ist die Verbandsgemeinde Kirn-Land eine Art Voreiter. Dort gibt es einfach mehr Platz, gerade auch für Familien mit manchmal sechs bis sieben Personen. Im Stadtgebiet von Bad Kreuznach ist das schon schwieriger.

    Überhaupt, wie steht es um die Aufnahmefähigkeit der Verbandsgemeinden im Kreis Kreuznach?

    Alle sagen, es ist eng. Für die Sozialämter ein großes Problem.

    Und sicher nicht das einzige. Wie wird Ihre Behörde mit der zunehmenden Zahl an Zuweisungen fertig?

    Die Arbeit wird immer mehr, da kann die Personalentwicklung nicht mehr Schritt halten. Hinzu kommt, dass es schwer ist, für die entsprechenden Bereiche Personal zu finden, weil sie nicht besonders beliebt und attraktiv sind. Die Arbeit ist publikumslastig und mit hohem Stress verbunden. Die Konsequenz: Fast alle Ausländerbehörden stöhnen. Und da immer mehr Flüchtlinge, vor allem aus dem Irak, aus Afghanistan und Syrien, für immer hier bleiben, zieht sich das durch alle Bereiche der Verwaltung.

    Jetzt ist aber doch immer vom großen ehrenamtlichen Engagement die Rede. Profitieren die Behörden davon weniger?

    Stimmt, es gibt viele helfende Hände, aber es mangelt eindeutig an der Koordination. Wie das ganze System funktioniert, was das Sozialamt macht, wie die Ausländerbehörde arbeitet, ist offensichtlich kaum bekannt. Da geht durch planloses Handeln viel Energie verloren, auch bei den Helfern.

    Können Sie das an einem Beispiel verdeutlichen?

    Ja, viel Flüchtlinge möchten Familienangehörige oder Freunde finden, also umziehen. Was sie in diesen Fällen tun müssen, wen es einzuschalten gilt, können oft auch die Helfer nicht beantworten.

    Was motiviert Sie eigentlich, diesen nicht gerade alltäglichen und stressigen Job zu machen?

    Ich finde ihn interessant, spannend und abwechslungsreich. Er fordert mich. Das ist genau die richtige Arbeit - wenn man der Typ dafür ist.

    Das Interview führte unser Redaktionsleiter Gustl Stumpf

    Bad Kreuznach
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