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Kreis Bad Kreuznach

Influencer im Kreis Bad Kreuznach (1): Lokale Instagram-Stars sind bei Werbewirtschaft begehrt

Stefan Butz

Kreis Bad Kreuznach. Im wirklichen Leben sind sie ganz normale junge Leute: arbeiten bei Hay oder im Kindergarten. Aber auf Instagram, da sind sie anders: Haben spannendere Namen, mehrere Tausend Fans und vor allem: Geschichten zu erzählen und Fotos zu teilen. Und Teil dieser Fotogeschichten ist oft eines: Produktplatzierung – oder etwas unfreundlicher gesagt: Schleichwerbung. Die Rede ist von Influencern.

Karischka Love alias Karina Wedel mag Mode und Kosmetik – und berichtet gerne darüber.
Karischka Love alias Karina Wedel mag Mode und Kosmetik – und berichtet gerne darüber.
Foto: Stefan Butz

Diese Beeinflusser gibt es längst auch an der Nahe: Karischka Love, Vapesven, Liisa Wood, Sarah Gains, Liisa Wood oder Daniel Kubik sind nur einige der immer größer werdenden Szene. Die meisten Abonnenten verzeichnet das Model Bianca Marie Oeser (20) aus Langenlonsheim.

Das Influencer-Sein ist erst einmal Hobby: Man kennt sich in einer bestimmten Sache gut aus und berichtet davon. So kann Daniel Kubik aus Kirn sicherlich einiges zum Thema Bodybuilding erzählen: Der 21-Jährige aus Oberhausen bei Kirn ist Deutscher Meister im Natural Bodybuilding.

Vapesven (36), der eigentlich Sven Antonovics heißt, aus Bad Kreuznach kommt und bei der Firma Hey arbeitet, ist vom Rauchen aufs Dampfen gekommen und hat die verschiedensten Formen von E-Zigaretten ausprobiert. Sarah Gains (26) aus Bad Kreuznach hat sich als Bikini-Athletin, wie sie sich selbst nennt, das Fitnessstudio als ihr Fachgebiet auserkoren, während die Bad Kreuznacherin Karina Wedel (24) als Karischka Love sich den Themen Mode und Schminktipps widmet und Liisa Wood alias Lisa Hulsey (25) dem Thema Schwangerschaft. Allen ist gemein, dass auch allerlei Privates gepostet werden muss. Sozusagen als Salz in der Suppe.

Liisa Wood alias Lisa Hulsey ist schwanger: Auf Instagram veröffentlicht auch sie Fotos zu dem, was sie bewegt und interessiert.
Liisa Wood alias Lisa Hulsey ist schwanger: Auf Instagram veröffentlicht auch sie Fotos zu dem, was sie bewegt und interessiert.
Foto: Stefan Butz

Mit Tipps und Hinweisen zu ihren jeweiligen Fachgebieten und auch allerlei Privatem haben sich Influencer eine eigene Gefolgschaft auf Instagram aufgebaut. Auf dem sozialen Netzwerk dreht sich alles um Bilder. Wer zu dem Bild noch Hinweise gibt, es anständig verschlagwortet, auf dass es möglichst breit gestreut wird, und selbst im Netzwerk fleißig kommentiert und Herzchen vergibt, dessen Nutzerzahlen steigen bald. Allerdings: Wer mehr Nutzer will, muss auch mehr Zeit investieren.

Nun kommt der wirtschaftliche Aspekt dazu: Alle Influencer posten (auch) über Dinge, die man kaufen kann, Produkte oder Dienstleistungen. Mit Themen wie „Die großen Philosophen des 19. Jahrhunderts“ kann man kaum ein moderner Influencer werden. Hegel, Marx und Schopenhauer kann man schlecht verkaufen. Und ums Verkaufen dreht sich zum Schluss doch alles: Wer genügend Gefolgschaft aufgebaut hat, an den treten direkt oder über eine Agentur, Firmen heran und bieten Geld oder doch wenigstens geldwerte Vorteile, sprich Produkte, die Influencer nutzen und über die sie posten sollen. Denn die Firmen wissen: Nichts wird mehr geschätzt, als der Rat, der Tipp von jenen, die von vielen anderen Menschen gut gefunden werden.

SERIE Influencer der Region:

In der nächsten Folge:

  • Karischka Love.

Das funktioniert selbstverständlich nicht nur auf Instagram, sondern auch auf Youtube. Und setzt eine alte Werbemasche mit modernen Mitteln fort: Waren es früher Popstars und -sternchen oder Schauspieler, die das zahlungskräftige jugendliche Publikum per Print- oder Fernsehwerbung zum Kauf eines Produkts animieren sollten, sind es heute die Influencer. Denn auf Papier gedruckte oder im linearen TV gesendete Werbung kommt bei der Generation unter 35 nur noch sehr bedingt an.

Hingegen wirken die Empfehlungen der Influencer eben nicht wie Werbung. Denn die müssen gar nicht das gewünschte Produkt ins Bild halten und ein Werbesprüchlein daneben posten: Die Nutzer bekommen schon von alleine mit, wenn das entsprechende Produkt auftaucht. Dass das auch regional geht, zeigt Daniel Kubik, der auf Instagram erstaunlich oft in einem Café in Kirn auftaucht. Chef ist ein Freund, daher fließt kein Geld.

Eine andere Methode ist die des vermeintlichen Verbrauchertests. Produkte werden getestet und bewertet: aber eben nur positiv. Die mit schlechten Bewertungen tauchen schlicht nicht auf. Denn für schlechte Bewertungen gibt es nun einmal kein Geld.

Klar, auch die Lokal-Influencer profitieren von ihrem Influencer-Dasein. So wird sich Vapesven nur noch selten eigene Verdampferflüssigkeit kaufen müssen und Karischka Loves Vorrat an allerlei Beauty-Produkten dürfte eher selten zur Neige gehen. Doch so richtig Geld macht an der Nahe wohl keiner der Influencer. Da fehlen dann doch ein paar Hunderttausend Abonnenten. Wer das schafft, erhält Tausende Euro – teils pro Beitrag.

Von unserem Reporter Stefan Butz

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