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Bad Münster am Stein-Ebernburg

In memoriam Stieleiche, Götterbaum und Krim-Linde: Kreuznach fordert für Bäume fast 35 000 Euro

Marian Ristow

Bad Münster am Stein-Ebernburg. Groß gewachsen, gesund, per Vorschrift geschützt und trotzdem zu Kleinholz verarbeitet: Der „Baumfall von Bad Münster“ hatte Anfang März für mächtig Ärger gesorgt. Auf dem Gelände der alten LVA-Klinik waren im Zuge von Bauvorbereitungen drei große, intakte Bäume geschlagen worden.

Gefällt, zerlegt und abtransportiert. Ende Februar wurde das Gelände um die inzwischen im Abbruch befindliche LVA-Klinik für den Bau vorbereitet. Dabei wurden sämtliche Bäume abgeholzt. Leider auch drei, die laut Bebauungsplan hätten stehen bleiben müssen.  Foto: Marian Ristow
Gefällt, zerlegt und abtransportiert. Ende Februar wurde das Gelände um die inzwischen im Abbruch befindliche LVA-Klinik für den Bau vorbereitet. Dabei wurden sämtliche Bäume abgeholzt. Leider auch drei, die laut Bebauungsplan hätten stehen bleiben müssen.
Foto: Marian Ristow

Eine Stieleiche, ein Götterbaum und eine Krim-Linde mussten damals dran glauben – obwohl alle drei kerngesund waren und laut Bebauungsplan hätten stehen bleiben müssen. Grundstückseigentümer ist die Firma SR Grundstücksverwaltung, die Projektierung und die Bauüberwachung obliegt der Firma RS Bau & Grundstücks GmbH. Der Informationsaustausch zwischen beiden schlug fehl, wie Manfred Riedle, Geschäftsführer von SR, unserer Zeitung berichtet. Deswegen kam es zur irrtümlichen Fällung der Bäume.

Nun hat die Stadtverwaltung Bad Kreuznach reagiert. Diese fordert Landrätin Bettina Dickes in ihrer Funktion als Chefin der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung auf, für jeden der Bäume ein einzelnes Bußgeld zu verhängen – und das soll happig ausfallen. Die Stadt hat den Wert der drei Bäume auf knapp 35.000 Euro beziffert und will, dass ein solches Bußgeld verhängt wird. Die Landrätin solle ein Exempel statuieren.

Ob Bettina Dickes der Empfehlung aus dem Stadthaus folgt, ist noch nicht bekannt. Die Verantwortlichen der Kreisverwaltung können zum Sachstand noch keine Stellungnahme abgeben. „Das ist ein laufendes Verfahren, dazu dürfen wir im Moment nichts sagen“, informiert Pressesprecher Benjamin Hilger. Die Angelegenheit liege momentan bei der Bußgeldstelle.

Die Stadtverwaltung glaubt sich da einen Schritt weiter. Sie taxiert den Wert der drei zwischen 50 und 70 Jahre alten Bäume auf zusammengerechnet 34.250 Euro (Stieleiche 23.300, Linde 6750, Götterbaum 4200 Euro). Oberbürgermeisterin Heike Kaster-Meurer und Bürgermeister Wolfgang Heinrich verlangen: „Wir fordern vom Bauherrn überdies für die drei neu zu pflanzenden Bäume die bestmögliche Qualität zur Nachpflanzung. Dabei verlangen wir eine Qualität, die gut anwächst. Lieber ein etwas kleinerer Baum, der besser wächst und schneller schön groß wird als ein großer Baum, der dann vor sich hin kümmert, weil er die Umpflanzung nicht mehr verträgt.“

Wahrscheinlich werde die Gesamtsumme für die Bäume, die bereits genannten 34.350 Euro, nicht ausgeschöpft werden können, da man die Bäume nur bis zu einem bestimmten Alter versetzen könne, das begrenze den Preis, heißt in dem Statement. Gemäß den Festsetzungen des Bebauungsplans müsse der Bauherr auf dem Grundstück zehn Bäume in einer Mindestqualität zusätzlich pflanzen. Der nicht ausgeschöpfte Betrag aus dem Wert der gefällten Bäume müsse für eine höhere Qualität als gefordert eingesetzt werden, so die klare Formulierung.

„Außerdem“, so schreiben die Stadtvorstandsmitglieder weiter, „ist es wichtig, dass der Betrag nur für den Erwerb der Bäume selbst herangezogen wird und nicht auch für die Pflanzkosten. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass das Fällen der wichtigen, stadtbildprägenden Bäume gegenüber eventuellen Mehrkosten bei der Baustelleneinrichtung günstig ist.“

Auf dem 6400 Quadratmeter großen Areal in der Kurhausstraße entstehen Eigentumswohnungen und ein „Betreutes Wohnen“-Projekt. Die LVA-Klinik, die jahrelang leer war und an deren Leerstand sich häufig Kritik entzündete, wird im Moment abgerissen.

Die Baumfällung ereignete sich am 28. Februar, am letzten Tag der Fällperiode – vom 1. März bis zum 30. September sind Fällarbeiten bei Einzelbäumen in Natur und Landschaft, Alleen und im Straßenbegleitgrün laut Bundesnaturschutzgesetz verboten. Politiker und Bürger kritisierten die Fällung scharf.

Von unserem Redakteur Marian Ristow

Bad Kreuznach
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