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Dörrebach

In Dörrebach dreht sich (fast) alles um Tomaten

Charlotte Krämer-Schick

Königin der Nacht, Venusbrüstchen, Grünes Zebra, Limetto – was klingt wie aus Oper oder Märchen, ist in Wirklichkeit gar nicht so exotisch, wie es scheint. Dennoch sind die selteneren und zum Teil sehr alten Sorten der Solanum lycopersicum – der Tomate – nach wie vor rar gesät in den Gärten der Region. Dabei sind die farbenfrohen Ausführungen, die Ellen und Uwe Herrmann in ihrem Gewächshaus in Dörrebach anbauen, derart schmackhaft und hübsch anzusehen, dass sie durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Um diese Vielfalt populärer zu machen, lädt das Ehepaar Herrmann für kommenden Sonntag, 12. August, von 10 bis 18 Uhr im Rahmen der „Offenen Gartentür“ des Arbeitskreises Zaunblicke zu einer Tomatenverkostung ein.

An Schnüren festgebunden, recken sich die etwa 120 Tomatenpflanzen im Folientunnel von Ellen und Uwe Herrmann in die Höhe. Die ersten Früchte konnte das Ehepaar bereits ernten, weitere werden bis Sonntag folgen. Denn dann sollen die Besucher viele verschiedene kosten können. Foto: Charlotte Krämer-Schick
An Schnüren festgebunden, recken sich die etwa 120 Tomatenpflanzen im Folientunnel von Ellen und Uwe Herrmann in die Höhe. Die ersten Früchte konnte das Ehepaar bereits ernten, weitere werden bis Sonntag folgen. Denn dann sollen die Besucher viele verschiedene kosten können.
Foto: Charlotte Krämer-Schick

„Als wir mit dem eigenen Garten angefangen haben, wollten wir einfach auch mal andere Sorten ausprobieren“, erzählt Uwe Herrmann von den Anfängen vor knapp 20 Jahren. Doch gleich im ersten Jahr machte den beiden die Krautfäule einen Strich durch die Rechnung. „Im zweiten Jahr bauten wir dann einen kleinen Tunnel“, sagt Herrmanns Frau Ellen, seit sieben Jahren steht ein riesiger Folientunnel im Garten, der derzeit etwa 120 verschiedene Tomatenpflanzen beherbergt. Daneben reihen sich die unterschiedlichsten Paprika-, Auberginen-, Pepperoni-, Gurken- und Kürbissorten ein.

Die Vielfalt der Tomaten ist enorm, etwa 10.000 verschiedene Sorten soll es laut Schätzungen weltweit geben.  Foto: Arbeitskreis Zaunblicke
Die Vielfalt der Tomaten ist enorm, etwa 10.000 verschiedene Sorten soll es laut Schätzungen weltweit geben.
Foto: Arbeitskreis Zaunblicke

„Tomaten gibt es wirklich in allen denkbaren Farben und Formen“, erzählt Uwe Herrmann. Und auch geschmacklich unterscheiden sie sich extrem und sind weit entfernt vom faden, teils wässrigen Aroma mancher Supermarkttomate. Auch für diejenigen, die die Früchte eigentlich gar nicht so besonders mögen, haben die Herrmanns die passende Sorte im Folientunnel. „Das ist zum Beispiel die Cookie“, sagt Uwe Herrmann und pflückt eine kleine, spitz zulaufende, kirschförmige Cocktailtomate mit rot-grün gestreifter Färbung von einer der Pflanzen. Mit ihrem saftig-süßen Aroma und der etwas festeren Schale gilt sie als wahre Delikatesse unter den Nachtschattengewächsen und schmeckt fast jedem.

Tante Rubys deutsche Grüne

Und wer dachte, nur unreife Tomaten seien grün, wird in Dörrebach eines besseren belehrt. „Aunt Rubys German Green, die 'Deutsche Grüne der Tante Ruby' zum Beispiel, wurde viele Jahre nur in Amerika kultiviert“, weiß Herrmann, mittlerweile ist sie wieder öfter bei Sammlern und auf Samenbörsen zu finden. Die richtig dicke Frucht ist hellgrün mit dunklerem Grünkragen und sieht auch von innen besonders hübsch aus, denn in voller Reife zeigt sich das saftige Fruchtfleisch rosafarben. Die kleine grüne Limetto hingegen überzeugt mit leichtem Zitronenaroma, richtig süß kommt die Snacktomate Green Envy daher.

Nicht nur, dass Ellen und Uwe Herrmann all die exotischen Namen ihrer Pflanzen im Kopf haben, zur ein oder anderen Sorte geht das Wissen weit über Farbe, Form und Aroma hinaus. Besonders interessant etwa ist die ursprüngliche Verwendung des Venusbrüstchens. „Sie wird auch Piennolo del Vesuvio genannt“, weiß das Ehepaar. Ihr Anbaugebiet liegt, wie der Name schon verrät, am Fuße des Vesuvs, wo sie rund um den Vulkan von Hand gesät wird. Durch die klimatischen Bedingungen – dort ist es recht trocken – entwickelt sie eine recht dicke Schale. „Nach der Ernte binden die Bauern die Rispen an ein Seil und hängen sie zur Lagerung auf“, erzählt Uwe Herrmann, dadurch bleiben die Früchte über Monate knackig, während das Fleisch fester wird.

„In Geschäften gibt es all diese Sorten natürlich nicht“, bedauert Herrmann. Viele Samen bezieht das Ehepaar über das Internet oder Samenbörsen, die seit einigen Jahren immer populärer werden. „Manchmal tauschen wir uns mit Kollegen aus“, sagt Ellen Herrmann, denn als Gartenbautechniker und Gärtnerin haben sie häufiger Kontakt mit Gleichgesinnten.

Bei derart vielen Tomatenpflanzen erwartet das Ehepaar eine reiche Ernte. Verarbeitet werden die kleinen, dicken, runden, ovalen, spitzen, violetten, blauen, gelben, orangefarbenen, bunten, gestreiften, getigerten oder auch klassisch roten Früchte zum Beispiel zu Saucen oder Ketchup. Auch zum Trocknen eignet sich die ein der andere Sorte. „Natürlich freuen sich aber auch Freunde und Bekannte immer wieder über einen Schwung der Früchte“, lacht Ellen Herrmann. Zudem isst die Familie gerne mal einen farbenfrohen Tomatensalat, oder buntes Bruschetta. „Das sieht mit den vielen Sorten besonders hübsch aus“, sagt Ellen Herrmann. Am kommenden Sonntag, wenn das Ehepaar seine Gartentür öffnet, dürfen sich die Besucher auf eine bunte Tomatenpizza freuen. Und auch die wird sicherlich nicht nur gut schmecken, sondern ebenso hübsch anzusehen sein.

Unter dem Motto „(Nicht) Alles Tomate!“ öffnen Ellen und Uwe Herrmann am Sonntag, 12. August, von 10 bis 18 Uhr ihre Gartentür. Dabei können Besucher nicht nur die rund 120 Tomatensorten verkosten, auch ein Blick in den übrigen Garten lohnt sich. Denn auch dort findet sich manch ungewöhnliche Pflanze. Der Eintritt ist frei, um Spenden für Speis und Trank wird gebeten. Weitere Informationen zur Veranstaltung und zum Arbeitskreis Zaunblicke gibt es unter www.zaunblicke.de.

Von unserer Redakteurin Charlotte Krämer-Schick

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