40.000
Aus unserem Archiv
Cronenberg

Im kleinen Cronenberg sprudelt es jetzt nur so vor Ideen

Aus einem ehemaligen, lange Zeit leer stehenden Kindergarten in der idyllisch gelegenen Höhengemeinde Cronenberg wird ein Seminarhaus, in dem unter anderem von Burn-out geplagte Manager ihren Stress abbauen können.

Manuela Müller und Gert Scheibert halten immer nach Neuem Ausschau. Dieses Werk hat Pop-Art-Künstler Michel Friess geschaffen.
Manuela Müller und Gert Scheibert halten immer nach Neuem Ausschau. Dieses Werk hat Pop-Art-Künstler Michel Friess geschaffen.
Foto: Klaus Dietrich

Und nicht nur das. Die beiden Heilpraktiker Manuela Müller und Gert Scheibert haben große Pläne in dem kleinen Dorf.

Wie kommen zwei deutschlandweit gefragte, multitalentierte Menschen nach Cronenberg? Die beiden geben Seminare im ganzen Land und suchten einen Standort, an dem sie alle ihre Ideen, und davon hat das Paar sehr viele, endlich zusammen verwirklichen können. Ein Verwandter von Manuela Müller ist mit einer Cronenbergerin liiert, die noch den dortigen Kindergarten besucht hat. So kam der Kontakt zur Ortsgemeinde zustande. „Ich habe das Gebäude erstmals am 31. Dezember 2013 gesehen und bereits am 14. April 2014 gekauft", berichtet die 47-jährige Manuela Müller. Die gebürtige Oberstaufenbacherin (Landkreis Kusel) gilt eher als die klassische Heilpraktikerin. Sie ist spezialisiert auf Darmerkrankungen, setzt auch Medikamente und Massagen ein. Außerdem arbeitet sie als Ayurveda-Therapeutin.

Ihr Lebensgefährte Gert Scheibert stammt aus der Nähe von Pirmasens. Der 51-Jährige behandelt seit Jahren unter anderem chronisch Kranke, die die Schulmedizin schon aufgegeben hat – darunter Fibromyalgiepatienten, Rheumatiker und Krebskranke. Scheibert ist seit 45 Jahren dem Kampfsport verbunden, anfangs als Schüler und inzwischen als Lehrer. Er war Ausbilder für die Landes- und Bundespolizei sowie die Justiz.

Er coacht Sportler und Personen in Führungspositionen. Das Mentaltraining spielt dabei keine untergeordnete Rolle. Blockaden sollen gelöst, dadurch Leistungen wieder abgerufen werden. Schlagfertigkeit wird geübt, Medientauglichkeit aufgebaut. Gert Scheibert setzt auch auf ungewohnte Methoden, zum Beispiel den Einsatz von Greifvögeln: tiergestütztes Coaching und Therapie. „Tiere berühren Menschen auf eher intuitiver Ebene", weiß Scheibert.

Er und Manuela Müller fühlen sich im kuscheligen Cronenberg gut angekommen und aufgenommen. Nach zwei, drei Begehungen des früheren Kindergartengebäudes, Gesprächen mit dem damaligen Ortsbürgermeister Klaus Schneider und der Vorstellung des Konzepts im Gemeinderat, der den Plan wohlwollend begrüßt habe, wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Der Kaufvertrag war relativ schnell unter Dach und Fach. Der Umbau konnte beginnen. Jetzt verfügt das Gebäude über einen Seminarraum mit Beameranlage, eine Küche, Büroräume, eine kleine Chilllounge, Duschen, Umkleidemöglichkeiten. Die Halle hat einen Schwingboden. Alle Wände sind neu verputzt und frisch gestrichen. „Insgesamt ein schönes Ambiente", freut sich Gert Scheibert. Am Sonntag, 21. September, soll das „Seminarhaus Cronenberg" offiziell eröffnet und der interessierten Bevölkerung ab 14 Uhr vorgestellt werden. Dabei präsentieren sich die Dozenten des Seminarhauses. Erwartet wird auch Michel Friess. Er sei einer der gefragtesten Pop-Art-Künstler des Landes, schwärmt Scheibert. Friess' Werke sind weltweit in bekannten Galerien zu sehen – so in New York und Mailand.

Das „Seminarhaus Cronenberg" soll sich in drei Jahren zu dem entwickeln, was sich Manuela Müller und Gert Scheibert vorstellen: zu einem Treffpunkt für viele Menschen aus der Region und darüber hinaus. „Es dauert so lange, bis alles hundertprozentig ist." Die Kosten seien noch nicht absehbar. Wenn das Innere des Gebäudes komplett fertig ist, sollen die Gestaltung der Außenfassade und des großzügigen Außenbereichs folgen. Hier sind auch Volieren für Greifvögel vorgesehen, die von einem Falkner betreut werden.

Im Seminarhaus sollen sich nicht nur Erwachsene wohlfühlen. Kinder und Jugendliche finden hier Ansprechpartner für Aktivitäten. „Die Ideen gehen uns nicht aus", versichert Gert Scheibert. Am Montag waren Kinder der Sommerfreizeit der VG Lauterecken-Wolfstein für ein Fotoshooting mit dem Cronenberger Fotografen Rudi Enkler zu Gast. Alan Rezepovic zeigte als Fotomotiv eine Eule.

Cronenbergs Alt-Ortsbürgermeister Klaus Schneider ist jetzt erleichtert. Alte, leer stehende Immobilien, die den Ortsgemeinden gehören, aber von ihnen nicht mehr gebraucht werden, sind für viele Dörfer ein „Klotz am Bein", wie es Klaus Schneider einmal formulierte. Seit der Schließung des Cronenberger Kindergartens im Jahre 2005 versuchte die Gemeinde, das Gebäude einschließlich des angebauten Wohnhauses über Makler, Internet und zahlreiche Eigeninitiativen zu vermarkten. Anfangs konnten lediglich Teile der Räume als Lagerfläche verpachtet werden. „Eigentlich ist das Gebäude aufgrund seiner Ortsrandlage und vorhandenen Räume hervorragend als Lagerfläche, Büroräume, für produzierendes Kleingewerbe oder auch für kleinere Handwerksbetriebe geeignet", warb Klaus Schneider.

Trotz der noch gut erhaltenen Bausubstanz wurde jedoch lange Zeit kein Käufer für den Gebäudekomplex gefunden. „Eine entscheidende Rolle, die Interessenten in der Vergangenheit vom Kauf abhielt, spielte weniger der verhandelbare Verkaufspreis, sondern es wirkte sich vielmehr die verkehrsungünstige Lage, insbesondere die Entfernung zu den nächsten Autobahnanbindungen, als Hindernis aus", erzählte Schneider.

Damit sich die Angelegenheit nicht langfristig negativ für die Gemeinde entwickeln sollte, trugen sich Ortsbürgermeister und Ratsmitglieder schon mit dem Gedanken, das alte Lehrerwohnhaus ebenfalls wieder zu vermieten und auf den Dächern der Gebäude eine Fotovoltaikanlage zu installieren. Somit wären wenigstens Einnahmen zu erzielen gewesen, die eine kostenneutrale Unterhaltung der Gebäude ermöglicht hätte. Nun sind alle zufrieden: Aus dem Kindergarten wird ein Seminarhaus.

Von unserem Redakteur Klaus Dietrich

Kirn
Meistgelesene Artikel
Anzeige
UMFRAGE
Wer will an der Uhr drehen?

Sommerzeit: Soll es dabei bleiben, dass wir im Frühsommer die Uhren eine Stunde vorstellen?

Anzeige
Online regional

Bettina TollkampBettina Tollkamp
Chefin v. Dienst
Online
E-Mail

News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
UMFRAGE (beendet)
Markt am Samstag?

Das Mainzer Markt-Frühstück ist ein Kult-Event. Wäre das auch etwas für Bad Kreuznach?

Ja, unbedingt!
69%
Nein, eher nicht.
31%
Stimmen gesamt: 109
Anzeige
Regionalwetter
Samstag

15°C - 27°C
Sonntag

16°C - 30°C
Montag

17°C - 30°C
Dienstag

17°C - 30°C
epaper-startseite