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Weinsheim

Ihre drei Weinsheimer Säulen: Atelier, Scheune und Ferienwohnung

Stefan Munzlinger

Sich am lokalen und verstärkt am virtuellen Markt behaupten – das ist Gesetz für fast alle Selbstständigen landauf, landab. Cosima Panter (50) kann ein Lied davon singen. Heute porträtieren wir die Weinsheimer Gold- und Silberschmiedin in unserer Reihe „Wirtschaft regional“.

Es gibt Menschen, die leben im Dorf. Oder mit dem Dorf. Oder fürs Dorf. Cosima Panter hat alle drei Stufen durchlaufen. Seit Jahren lebt sie für Weinsheim. Die gebürtige Winterbacher Gold- und Silberschmiedin hat sich seit 2010 in Weinsheim nach und nach eine berufliche Existenz aufgebaut.

Den alten Hof Viehl übernommen

Im Heimatdorf ihrer Mutter Käthe (81) hat sie sich im alten Hof der Wagnerfamilie Viehl an der Kreuznacher Straße eingerichtet: Dazu gehören das 420 Jahre alte Wohnhaus, ihr Schmuckatelier samt Werkstatt, ab 2014 die rund 60 Plätze fassende Straußwirtschaftsscheune und eine 46 Quadratmeter große Ferienwohnung. Ihr auf drei Säulen stehendes Geschäft „läuft“.

Aber nicht per Zufall oder anhaltender Glückssträhnen – solche Geschäftsmodelle funktionieren im Alltag nicht. Die Selbstständige muss sich bewegen, Tag für Tag. Wer wie sie einer Handwerkerfamilie entstammt, weiß, was es heißt, mit Kunden zu sprechen und deren Wünsche mit dem Machbaren zu kombinieren. Dann helfen neben Kreativität, Erfahrung und Know-how besonders Fleiß, Disziplin, Pünktlichkeit – die allzu oft verspotteten Sekundärtugenden. Das hat sie von ihrem 2012 verstorbenen Vater Rudi Trapp, dem Innungsobermeister der Zimmerer und engagierten Chorsänger als Vorsitzender der Gruppe VI im Sängerkreis, in Winterbach gelernt. Und sie hat es längst an ihren 23-jährigen Sohn Toni, ebenfalls Zimmerermeister und heute mit seinem Hydraulikbetrieb Paco auf dem Hahnerhof bei Schloßböckelheim ansässig, weitergegeben.

Nach dem Realschulabschluss in Bad Kreuznach lernte Cosima Panter Goldschmiedin – zunächst bei Werner Schnell in Bad Kreuznach (heute: Traumring) und Bad Münster (heute: Anja Krummenauer). Ihrer Ausbildung folgten ein Jahr in einem Darmstädter Platin-Studio und die Rückkehr nach Bad Kreuznach in die seit 1919 etablierte Gold- und Silberschmiede Richter von Berchem, wo sie ihre Passion des Zusammenspiels von Gold und Silber mit Edelsteinen verfeinerte.

Nächste Stationen waren die Hargesheimer Goldschmiede Stephan Sybertz GmbH, der sich eine berufliche, aber nicht inaktive zehnjährige Babypause anschloss. Und von 2004 bis 2010 zum zweiten Mal Richter von Berchem, um sich danach in die Selbstständigkeit zu verabschieden. „Ich wollte meine eigene Goldschmiede“, beschreibt sie ihren gereiften Plan, die Vorstellungen ihrer Kunden in Edelmetallkreationen umzusetzen. Am liebsten hält sie ein Erbstück in Händen, also eines mit einer Familiengeschichte: „Das Schlimmste ist, wenn ein solches Stück jahrzehntelang in einer Schublade vor sich hinschlummert.“ Ihre Kunden kommen – dem Internet sei Dank – aus einem Umkreis von 100 Kilometern und mehr. Auch ausgefallene Gürtelschnallen von Wiesenwirten des Münchner Oktoberfestes hat sie schon gefertigt. „Die Schmiede trägt meine Existenz“, betont Cosima Panter.

Und ihre Ferienwohnung? Die ist ständig belegt, selten, dass sie sie spontan vergeben kann. Im Internet wirbt sie dafür auf zwei Plattformen, übrigens nicht via Naheland-Touristik. Täglich gehen Anfragen ein.

Ferienwohnung ständig belegt

Vor einer Woche nächtigte hier ein spanisches Pärchen; aber auch Holländer, Litauer, Schweizer und selbst Inder machen Station. Drei, vier Tage lang ist die durchschnittliche Verweildauer, die wenigsten sind klassische Feriengäste. 50 Prozent sind auf der Durchreise, kommen für Familienfeste oder Firmenanlässe an die Nahe; Patienten der Bad Sobernheimer AsklepiosKlinik sind ebenfalls darunter. „Auch das Geschäft mit meiner Ferienwohnung läuft“, sagt Frau Panter, „es ergänzt meine Atelier-Einnahmen.“ Bleibt die Ellerbach-Scheune, die sie über Jahre in Eigenleistung hergerichtet hat. Vor zwei Jahren wurde die neue Toilettenanlage fertig. Die Scheune habe sie auch für Weinsheim realisiert. Denn im Dorf mit seinen rund 1850 Einwohnern fehle es an Gaststätten. „Wir haben unseren Italiener Il Cappuccino, aber das war's auch schon.“ Zehn-, zwölfmal öffnet sie im Jahr, sei es zu Geburtstags-/Familienfesten oder an Altweiberfastnacht: 2018 am 19. April, 17. Mai, 14. Juni, 19. Juli, 9. August (Band „Well Done“), 30. August, 13. September (Warm-up für die Weinsheimer Kirmes) und am 18. Oktober zum Saisonfinale mit Federweißen und Zwiebelkuchen.

Immer wieder volle Scheune

Dann hockt die Hütte voll. Das große Geld verdienen lässt sich damit aber nicht, ihre Mutter Käthe und Daniela Hechtelberger aus Neu-Bamberg helfen ihr. Zu essen gibt's kleine Gerichte, zu trinken unter anderem die von ihr kreierte Weinsheimer „Glüh-Birne“.

Cosima Panter sitzt als Parteilose, aber auf der CDU-Liste in VG- und Gemeinderat sowie in der Weinsheimer Interessengemeinschaft Kultur, mit der sie am 7. April den Barockgarten hinter der Bushaltestelle herrichtete, und ferner im Festkomitee um Heiko Schmitt, das den 1250. Dorfgeburtstag im Jahr 2020 vorbereitet. Außerdem singt sie im gemischten, achtköpfigen „COOL Dur“-Chor.

Warum sie derart für ihr Heimatdorf lebt? „Weil ich mich hier wohlfühle und meine Ideen in eine Gemeinschaft einbringen möchte.“

Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

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