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Bad Kreuznach

IG Metall-Protest in Bad Kreuznach: 350 Angestellte streiken für mehr Lohn und flexible Arbeitszeiten

Sechs Prozent mehr Entgelt und einen Anspruch auf zeitweise Verkürzung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden – das fordert die IG Metall aktuell im Rahmen der laufenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie. Auch in Bad Kreuznach sind dazu am Mittwochmorgen rund 350 Beschäftigte in den Warnstreik getreten. Die Mitarbeiter der Firmen KHS, Pall Filtersystems und Schneider Optische Werke formierten sich vor dem KHS-Betriebsgelände zu einem trillerpfeifenden Meer aus roten Warnwesten und Transparenten.

IG-Metall-Geschäftsführer Edgar Brakhuis (2. von links) ruft mit Gewerkschaftssekretär Ingo Petzold (2. von rechts) sowie den Betriebsräten Jörg Elzer (Pall, links) und Mario Paulus (KHS) zum Streik auf.
IG-Metall-Geschäftsführer Edgar Brakhuis (2. von links) ruft mit Gewerkschaftssekretär Ingo Petzold (2. von rechts) sowie den Betriebsräten Jörg Elzer (Pall, links) und Mario Paulus (KHS) zum Streik auf.
Foto: Désirée Thorn

„Sechs Prozent sind nicht nur vernünftig und gerecht, sondern auch finanzierbar“, grölt Edgar Brakhuis in die Menge. Der Bad Kreuznacher IG-Metall-Geschäftsführer ist sich sicher, dass eine Lohnerhöhung „locker drin“ ist. „Jeder, der etwas von Volkswirtschaft versteht, glaubt, dass das nicht in Abrede gestellt wird.“ Schwieriger sieht es bei den Arbeitszeiten aus.

„Die geforderte Flexibilität ist eine Einbahnstraße“, sagt Brakhuis. „Viele haben an Silvester tief Luft geholt und sich gefragt, wie sie das Tempo weiter durchhalten sollen.“ Konventionelle Arbeitszeiten sind in der Branche längst passé. In den meisten Firmen wird rund um die Uhr gearbeitet – auch am Wochenende. Die Ansprüche an die Angestellten sind entsprechend hoch, doch laut Brakhuis komme seitens der Arbeitgeber zu wenig zurück. Probleme gebe es vor allem dann, wenn Arbeitnehmer ihre Arbeitszeiten verkürzen möchten, um sich zum Beispiel um kleine Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu kümmern.

Bei der Firma Pall habe es erst vor Kurzem so einen Fall gegeben, schildert der Betriebsratsvorsitzende Jörg Elzer. Ein junger Mann wollte sich um seine bettlägerige Großmutter kümmern und seine Arbeitszeiten entsprechend anpassen, um damit seine Mutter zu entlasten, die mit der Pflege überfordert war. „Er war sehr verzweifelt“, sagt Elzer. Doch eine Lösung fand sich nicht. „Heute ist der Mitarbeiter nach wie vor in Vollzeit beschäftigt.“

Viele Arbeiter der Branche haben ähnliche Probleme – die Resonanz auf die Forderungen ist entsprechend groß. „Ich habe nicht daran gezweifelt, dass wir Unterstützung finden“, sagt Brakhuis. Aber die Beteiligung an den Warnstreiks sei noch höher als gedacht. Auch in Rheinböllen und Simmern, wo die IG Metall zuerst haltmachte, seien mehr Menschen gekommen, als eigentlich von der Gewerkschaft aufgerufen waren. „Ich bin mehr als zufrieden“, resümiert der Geschäftsführer. Am heutigen Donnerstag steht noch ein weiterer Warnstreik bei der Firma Hay in Bad Sobernheim an.

Von unserer Reporterin Désirée Thorn

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