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Bad Kreuznach

"Hormonstraftaten" vor Gericht: Aus Wut ein Foto der Ex in Unterwäsche ins Netz gestellt

Wenn der 20-Jährige so richtig wütend war, gab's kein Halten mehr: Da stellte er seine Freundin wortwörtlich im Internet bloß, stieß wüste Drohungen aus und wurde auch mal richtig handgreiflich. Nun stand der Bad Kreuznacher vor dem Jugendrichter und musste sich einiges anhören.

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Jemanden im Netz bloßstellen – ob tatsächlich mit Fotos oder "nur" mit Worten – kann vor Gericht enden.
Foto: dpa

Aus Wut über seine damalige Freundin, mit der er oft in Streit geriet, hatte der 20-jähriger Bad Kreuznacher im November letzten Jahres ein Foto von der damals noch Jugendlichen in Unterwäsche auf einem Online-Nachrichtenkanal ins Netz gestellt. Nur wenige Tage später schickte er ihr dann auch noch eine Nachricht, in der er drohte, sie umzubringen. Die Beziehungsstreitereien brachten ihn schließlich sogar dazu, einen Bekannten mit einem Baseballschläger zu attackieren.

Vorweg: Weil sich in diesem Fall einige Vorwürfe vor Gericht weit weniger dramatisch erwiesen als in der Anklageschrift aufgeführt und weil der Angeklagte ein umfangreiches Geständnis abgelegt und sich inzwischen bei seinen Opfern entschuldigt hat, kam er relativ glimpflich mit einer Verwarnung und einigen Auflagen davon.

Die damals noch minderjährige Schülerin war nach dem Vorfall mit dem Bild und der Drohung mit ihrem Vater zur Polizei gegangen, um Anzeige gegen den nun Ex-Freund zu erstatten. Die Anklage vor dem Jugendgericht ging davon aus, dass es sich bei der Bildversendung um eine Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen handelte (Strafgesetzbuch Paragraf 201a).

In der Verhandlung wurde dann aber schnell klar, dass der 20-Jährige das Foto zwar nicht unerlaubt angefertigt, allerdings mit der Veröffentlichung gegen das Urheberrecht verstoßen hatte. Und auch diesen Anklagepunkt nach Paragraf 33 Kunsturhebergesetz musste das Gericht aus Formalen Gründen einstellen – die Strafanzeige war nicht von beiden Elternteilen des Mädchens unterschrieben worden.

Nach dem Vorfall kamen die Schülerin und der 20-Jährige sogar noch einmal kurzzeitig zusammen, derzeit sind sie „gute Freunde“ wie der Angeklagte erklärte. Mit dem ehemaligen Bekannten, dem er mit dem Baseballschläger zu Leibe rückte, ist das Verhältnis dagegen wohl dauerhaft gestört.

Gerede in der Clique über seine Ex-Freundin hatten vermutlich die Eifersucht des jungen Mannes angestachelt, der in die Wohnung des Bekannten stürmte und ihm das gefährliche Sportgerät ins Gesicht drückte. Dabei erlitt der Geschädigte eine Platzwunde an der Lippe. Wie der vor Gericht aussagte, verursachte die Attacke bei ihm aber keine Gehirnerschütterung, wie ursprünglich in der Anklageschrift aufgeführt, sondern lediglich einen leichten Schwindel. Und auch sonst hielt sich der Schaden in Grenzen: Bei der Aktion ging der gläserne Ascheauffangbehälter einer Shishapfeife zu Bruch und die Glut verursachte zwei Brandlöcher im PVC-Boden des Zimmers. Für diesen Schaden soll der Angeklagte aufkommen und ebenso für einen Ersatz des Aschetellers sorgen.

Für Jugendrichter Roman Hamel war es insgesamt glaubhaft, dass der Angeklagte seine Wutausbrüche und die daraus resultierenden Übergriffe heute bereut. Er lehnte daher die Verhängung eines Kurzarrestes von zwei Tagen ab, die der Staatsanwalt beantragt hatte. Der 20-Jährige ist bisher nicht offiziell vorbestraft, wurde aber drei Mal auffällig mit geringfügigen Eigentums- und Körperverletzungsdelikten, die jeweils eingestellt wurden.

„Mit solchen Sturm- und Drang-Straftaten, beziehungsweise Hormonstraftaten, muss jetzt Schluss sein“, ermahnte Staatsanwalt Claus-Nils Leimbrock den 20-Jährigen. Um der Verwarnung wegen Bedrohung, gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung Nachdruck zu verleihen, erteilte Jugendrichter Hamel dem Angeklagten zusätzlich die Auflage, an einem Antiaggressionstraining teilzunehmen.

Von unserer Reporterin Christine Jäckel

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