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Waldböckelheim

Holzverkauf: Kreise bilden Zweckverbände

Stefan Munzlinger

Die Reviere im Land neu ordnen und dadurch die kommunale Forstfamilie erhalten und stärken – auch mit 35,5 neuen Stellen, die Landesforsten jährlich schaffe. Darum gehe es bei der Reform der 44 rheinland-pfälzischen Forstämter und ihrer Wälder, betonte Staatssekretär Thomas Griese (Grüne). Er war zur Einführung Bernhard Frauenbergers als neuer Chef des Forstamtes Soonwald am Freitag in Waldböckelheim gekommen (wir berichteten gestern).

Smalltalk am Freitag im Waldböckelheimer Bürgerhaus: Bernd Closen (2. von links) wurde verabschiedet, Bernhard Frauenberger (rechts) als neuer Chef des Forstamtes Soonwald eingeführt. Hier mit Landrätin Bettina Dickes und VG-Bürgermeister Markus Lüttger, der dem Forstzweckverband Rüdesheim vorsteht.  Foto: Stefan Munzlinger
Smalltalk am Freitag im Waldböckelheimer Bürgerhaus: Bernd Closen (2. von links) wurde verabschiedet, Bernhard Frauenberger (rechts) als neuer Chef des Forstamtes Soonwald eingeführt. Hier mit Landrätin Bettina Dickes und VG-Bürgermeister Markus Lüttger, der dem Forstzweckverband Rüdesheim vorsteht.
Foto: Stefan Munzlinger

Kostendruck: Revierzahl reduzieren

Was manche Gemeinden im Soonwald, wo aus elf Forstrevieren im Zuge der Reform neun werden sollen, in der momentanen Phase eher skeptisch sehen, beschrieb Griese als Notwendigkeit, um die multifunktionale Forstwirtschaft zu festigen. Auf einem guten Weg sieht der Landespolitiker das Forstamt Soonwald, auch dank Bernd Closens, der es seit 2004 führte. Ob bei der Stammzahlproduktion, schonendem Harvester-Einsatz oder der Aufforstung von Windwurfflächen: Dieses Forstamt habe immer eine Vorreiterrolle gespielt.

Neben der Revierreform birgt ein ein anderes Thema weit mehr Konfliktstoff: Dass das Bundeskartellamt die Vermarktung des Holzes aus kommunalen Wäldern durch Landesforsten als „marktverhinderndes Vertriebskartell“ werte und untersage, sei „etwas ziemlich Böses“, erklärte Griese kopfschüttelnd: „Darauf wären wir nie gekommen.“ Das Land halte diese Rechtsposition für falsch: „Wir wehren uns dagegen.“ Leider habe das Oberlandesgericht Düsseldorf den Ansatz des Kartellamtes kürzlich auch noch bestätigt.

Griese kritisierte den Kurs der Berliner nicht nur als falsch, sondern auch als verwirrend: Die Behörde, die jetzt von einem „Vertriebskartell“ spreche und damit zahllose Gemeinden mit knapp 300 Hektar Waldfläche und kleiner träfe, habe grade die Fusion zweier deutsch-österreichischer Großsägewerke mit einem jährlichen Verarbeitungsvolumen von rund 5 Millionen Festmetern genehmigt.

Den Wind aus den Segeln nehmen

Mit einem Zehn-Punkte-Programm habe die Landesregierung auf das Vorgehen des Kartellamtes reagiert: Man löse den Holzverkauf notgedrungen aus dem Angebot von Landesforsten heraus, damit dieser Dienstleister der rheinland-pfälzischen Kommunen nicht völlig zerschlagen werde. Außerdem nehme man dem Kartellamt damit „den Wind aus den Segeln“. Griese skizzierte den Plan des Landes für die künftige Holzvermarktung: die Gründung von fünf, sechs Zweckverbänden auf Ebene eigens dafür zusammengeschlossener Kreise, die die Landesregierung mit Fördergeldern unterstützen werde.

Auch für VG-Bürgermeister Markus Lüttger, der dem Forstzweckverband Rüdesheim vorsteht, ist die Wertung des Kartellamtes ein Unding. Zurzeit vermarkteten die Forstämter, die zu Landesforsten gehörten, gemeinsam das Holz der Gemeinden und des Staates: „Das macht Sinn.“ Aber: Sollte den Forstämtern die Holzvermarktung entzogen werden, dürften auf die Gemeinden keine Mehrkosten zukommen. Dann nämlich dächten noch mehr Dörfer daran, ihre Wälder zu privatisieren. Auch wenn die Förster und Verwaltungsmitarbeiter blieben, so Lüttger: „Die Arbeit geht weg, und wir müssen uns einen suchen, der das übernimmt.“

Gegen die Welle der Privatisierung

Weniger Dissens sieht der VG-Bürgermeister bei der Revierreform: „Die Reviere müssen größer werden, um Kosten zu sparen, darüber sind sich alle einig.“ Ersten Ansätzen folge nun die Umsetzung. Ein „klares Nein“ gibt es von ihm dagegen für die anrollende Welle der Privatisierungen. Der Wald sei ein Gut, das nur langsam wachse: „Hier geht es um Nachhaltigkeit und um unsere Umwelt, gerade für unsere Kinder und Enkel.“ Alleine aus Kostengründen zu privatisieren, um die Gemeindekassen zu entlasten, lehnt Lüttger ab. Die meisten Dörfer hätten defizitäre Einrichtungen wie Hallen, Friedhöfe, Gemeinschaftshäuser... „Doch genau dafür sind wir da“, erklärte Lüttger: „Daseinsvorsorge vor Wirtschaftlichkeit.“ Das Land müsse überlegen, wie es kleinen, waldreichen Gemeinden finanziell helfen könne, „denn sie schaffen den Ausgleich für Städte, die kaum Wald haben“.

Weitere Infos: Das RZplus scannen

Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

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