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    Bad Kreuznach/Pul-e-Khumri

    Hilfe für den Hindukusch: Ärztin Najiba Behmanesh reist einmal im Jahr in ihre Heimat Afghanistan

    Pul-e-Khumri ist die siebtgrößte Stadt Afghanistans. Sie liegt im Norden des kriegszerrissenen Landes in den Ausläufern des mächtigen Hindukuschs, in der Provinz Baglan. Wer es im Spätsommer 2017 in die Stadt schaffen will, braucht viel Glück. Wer die Fernstraße von Kabul aus nimmt, läuft Gefahr aus einer der unzähligen Stellungen in den Hügel beschossen zu werden. Taliban, Rebellengruppen aller Art, private Söldner – wer feuert, ist nie so ganz klar.

    Weitaus kürzer wäre die Anreise über Masar-e Scharif. Auch die Stadt im Norden Afghanistans besitzt einen Flughafen. Doch an der Buckelpiste nach Pul-e-Khumri lauern religiöse Fanatiker, die nahezu jedes Auto anhalten und die Insassen köpfen. „Klar, dass die meisten über Kabul anreisen wollen. Mir sagte jemand: 'Ich werde doch lieber beschossen als mich köpfen zu lassen.' Die Lage ist unübersichtlich und absolut heikel“, sagt Najiba Behmanesh. Sie müsse fast lachen, wäre der Anlass nicht so traurig.

    Behmanesh lebt seit 1980 in Deutschland, sie floh nach dem Einmarsch der Roten Armee. Ein großer Teil ihrer Familie, Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen lebt weiter in Pul-e-Khumri. Mindestens einmal im Jahr besucht ihn die Ärztin im Namen ihres Vereins „Afghanistan – Hilfe, die ankommt.“

    Najiba Behmanesh lebt seit mehr als 35 Jahren in Deutschland. Sie reist jährlich nach Afghanistan, sie sagt: „So gefährlich wie heute war es nie.“
    Najiba Behmanesh lebt seit mehr als 35 Jahren in Deutschland. Sie reist jährlich nach Afghanistan, sie sagt: „So gefährlich wie heute war es nie.“
    Foto: Marian Ristow

    Um dort Menschen zu untersuchen, Lebensmittel zu organisieren und Brunnen zu bauen. Nicht allein, gemeinsam mit der Organisation Deswos hat man vor kurzem im Dörfchen Bala Borry, ebenfalls im Norden des Landes gelegen, eine für alle zugängliche Wasserstelle angelegt. Ein Brunnen ist fertig, mit einem weiteren habe man bereits begonnen, zwei weitere sollen noch folgen.

    Doch in diesem Jahr war der Norden Afghanistans Tabu für Najiba Behmanesh. Kein Durchkommen nach Pul-e-Khumri. „Verwandte haben mich vor der Reise dort hin gewarnt. Die Fernstraßen sind alles andere als sicher. Ich bin niemand, der vor so etwas zurückschreckt, aber die Warnungen waren sehr ernst zu nehmen“, sagt die Ärztin, die seit 2002 regelmäßig Hilfseinsätze dorthin unternimmt. Sie stellt fest: „So gefährlich wie heute war es noch nie.“ Die Unruhen hätten sich verlagert, erstreckten sich jetzt über das gesamte Land. „Die Talban wollen Angst und Schrecken verbreiten.“ Das gelingt ihnen.

    Gemeinsam mit der Organisation Deswos bohrt der Verein im wilden Norden Afghanistans Brunnen. Die Grundversorgung ist in vielen Regionen ein Problem, frisches, sauberes Wasser Mangelware. Hier im Dorf Bala Borry hat man erfolgreich gearbeitet.
    Gemeinsam mit der Organisation Deswos bohrt der Verein im wilden Norden Afghanistans Brunnen. Die Grundversorgung ist in vielen Regionen ein Problem, frisches, sauberes Wasser Mangelware. Hier im Dorf Bala Borry hat man erfolgreich gearbeitet.

    Das gelte insbesondere für die Hauptstadt Kabul, in der sich fast täglich Anschläge ereigneten. Das Chaos regiere dort, hier eine Schießerei, da eine Explosion. In Kabuler Krankenhäusern hat Ärztin Behmanesh Patienten behandelt, größtenteils Kinder, die häufig zu den Opfern der unübersichtlichen Lage zählen. „Man muss sich das so vorstellen: 2003 war die Lage dort komplett sicher, heute sind die Straßen nicht passierbar. Wenn ma sich draußen zu lange bewegt, riskiert man erschossen zu werden.“ Demonstrationen, Milizen, Zusammenstöße, Gewalt und Attentate bestimmten die Situation. Ein vertraulicher Bericht des Auswärtigen Amtes summiert allein für das Jahr 2016 rund 11.500 zivile Opfer, davon knapp 3.500 Tote.

    August 2017: Allgemeinmedizinerin Behmanesh besucht die kleine Irena Salimie in einem Kabuler Krankenhaus.
    August 2017: Allgemeinmedizinerin Behmanesh besucht die kleine Irena Salimie in einem Kabuler Krankenhaus.

    „Afghanistan ist kein sicheres Herkunftsland, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Menschen dort hin zu schicken, bedeutet, sie in einen brennenden Ofen zu stecken“, formuliert sie drastisch. Abschiebungen dorthin zu veranlassen sei unmöglich. Ob sie im nächsten Jahr überhaupt noch nach Afghanistan reisen kann? „Ich weiß es nicht. Das ist ungewiss. Das Risiko bleibt.“

    Wer den Verein unterstützen will, kann an folgende Verbindung nutzen: Afghanistan – Hilfe, die ankommt e.V., IBAN: DE37 5605 0180 0017 0401 22, BIC: MALADE51KRE

    Von unserem Redakteur Marian Ristow

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