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Bad Kreuznach

Handelte der Angeklagte mit Tötungsabsicht? Mutter des 19-Jährigen hörte keine Drohungen

Christine Jäckel

Wenn die Redensart von den Lügen stimmt, die sogar die Balken biegen lassen, war die Decke des Sitzungssaals am zweiten Verhandlungstag bei dem Verfahren wegen versuchten Totschlags vor der Jugendkammer des Landgerichts ernsthaft in Gefahr.

Justitita-Statue
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.
Foto: David Ebener/Archiv – dpa

Die Mutter des Angeklagten muss nach ihren Zeugenangaben mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Verfahren wegen Falschaussage rechnen, da ihre aktuellen Erinnerungen an die Auseinandersetzung zwischen ihrem Sohn und einem 23-jährigen Kontrahenten im Juli letzten Jahres stark von ihrer ersten Aussage bei der Polizei abweichen.

An diesem Tag hatte sie ihren 19-jährigen Sohn nach Winzenheim gefahren, weil der sein Kind zur Kindesmutter – seiner Ex-Freundin – zurückbringen wollte. Zudem saß der fünfjährige Bruder des Angeklagten mit im Auto.

Der 23-jährige spätere Kontrahent kam zeitgleich mit ihnen auf seinem Motorrad vor dem Haus der Kindesmutter in Winzenheim angefahren. Die beiden Männer gerieten nach einem kurzen verbalen Schlagabtausch aneinander. Das steht fest und ist auch von den meisten Zeugen und dem Angeklagten sowie dem Opfer so gesehen worden.

Der Ältere soll zeitweise der Nebenbuhler des 19-Jährigen gewesen sein und nach ihm eine Beziehung mit dessen Ex-Partnerin begonnen haben. Bei dem Streit Anfang Juli soll ihn der 23-Jährige festgehalten haben, daraufhin zog der 19-jährige Angeklagte ein Messer, was auch seine Mutter bestätigte. „Er hat in Richtung Arm gestochen, damit er ihn loslässt“, erklärte sie zum Ablauf.

Das Gericht muss nun unter anderem die Frage klären, ob der Angeklagte bei der Rauferei tatsächlich mit einem Tötungsvorsatz gehandelt hat. Mehrere Zeugen haben ausgesagt, dass der 19-Jährige bei der Auseinandersetzung seinem Gegner drohte, ihn abzustechen.

Die Mutter indes will diese Drohung nicht gehört haben. Sie selbst wurde durch das Messer am Handgelenk verletzt, als sie zwischen die Streithähne ging. Einer Frau, mit der der Angeklagte zum Zeitpunkt des Vorfalls zusammen war, soll er geschrieben haben: „Ich stech' den die Tage“ und „der stirbt“. Gemeint war damit der 23-Jährige.

Nach Angaben der Mutter soll der 23-Jährige ihren Sohn mit beiden Händen am Hals gepackt haben. Die Kammer befragte zu dem Verletzungsbild sowohl des Angeklagten als auch des Opfers eine Fachärztin für Rechtsmedizin. Die Sachverständige hält es für wahrscheinlicher, dass die punktförmigen Einblutungen am Hals des Angeklagten durch einen Schwitzkastengriff in Verbindung mit den Abdrücken einer Halskette entstanden sind. Die Art der Verletzungen, die der 23-Jährige durch die Messerattacke und den Schlag mit einem Schlagstock von dem Angeklagten erlitt, spricht aus ihrer Sicht nicht für einen Angriff mit Tötungsabsicht.

Davon war auch der Vertreter der Jugendgerichtshilfe überzeugt: „Da ist ein Fass zum Überlaufen gekommen, ohne den Vorfall bagatellisieren zu wollen.“ Der Begegnung waren zahlreiche gegenseitige Sticheleien und Provokationen vorausgegangen. Die Jugendgerichtshilfe sprach sich für eine maßvolle Erhöhung des letzten Urteils aus, die dem Angeklagten noch eine Bewährungschance ermöglichen sollte. Der 19-Jährige war vor zwei Jahren wegen Drogenhandels vom Landgericht Koblenz zu einer Jugendstrafe von 14 Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

Von unserer Reporterin Christine Jäckel

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