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    Kreis Bad Kreuznach

    Händler warnen: Möbelriese bedroht Bestand

    Gegen die geplante Ansiedlung eines großen Möbelhauses im Gewerbegebiet Bingen-Sponsheim-Grolsheim direkt neben dem neuen Autohof am Dreieck Nahetal formiert sich breiter Widerstand.

    <a href="http://www.rhein-zeitung.de/dossiers/dossier-kauf-lokal.html">Mehr zur RZ-Serie "Kauf lokal"...</a>

    Von Kurt Knaudt und Stefan Brust

    Nach IHK und Kreistag (wir berichteten) schlagen jetzt auch sechs kleinere und mittlere Möbelhäuser aus der Region Rhein-Nahe-Hunsrück Alarm. Sie sehen durch das Großprojekt des zweitgrößten deutschen Möbelhändlers Höffner mit einer Verkaufsfläche von 45 000 Quadratmetern. das entspricht der Größe von sechs Fußballfeldern. ihre Existenz bedroht, wie sie in einer gemeinsamen Erklärung betonen.

    Auch der Fortbestand etlicher Fachhändler mit innenstadtrelevanten Sortimenten wie Lampen, Deko- und Geschenkartikeln, Kindersachen, Glaswaren und Elektroartikeln wäre gefährdet, warnt die Gruppe, zu der nach Informationen unserer Zeitung nicht Möbel Martin (Meisenheim) gehört. Nach Meinung der Händler wird die im Bau- und Planungsrecht verlangte Abstimmungspflicht mit den Nachbarstädten „grob missachtet“. Die Umsatz- und Schadensprognosen in der bei den Behörden eingereichten Auswirkungsanalyse seien nicht zutreffend.

    Denn der Investor gehe bei der Umsatzprognose von Durchschnittswerten für die gesamte Branche statt von den erheblich höheren Werten in den 18 Höffner-Häusern aus. Nach Einschätzung der Möbelhändler hat die Ansiedlung des „Riesen auf der grünen Wiese“ wegen seines Angebots an besagten innenstadtrelevanten Sor- timenten erhebliche negative Auswirkungen auf die City von Bingen.

    Weil nach den von Höffner selbst vorgelegten Unterlagen gerade mal ein Prozent der in Bingen befragten Menschen Möbelhandel in dem Mittelzentrum vermissen, werde der Gigant aber auch die umliegenden Städte schädigen, schlussfolgern die Möbelhändler. Sie freuen sich, „dass auch der Kreistag in Bad Kreuznach ihre Sorgen teilt und bereits entsprechend reagiert hat“. Dieser war in seiner Sitzung am Montag einstimmig einem Antrag der SPD-Fraktion gefolgt. allerdings in abgeschwächter Form: Danach wird den acht Mitgliedern des Kreises Bad Kreuznach in der Planungsgemeinschaft Rheinhessen-Nahe empfohlen, dort gegen die Ansiedlung des Möbelhauses zu votieren. Nach der SPD-Vorlage hätte der Kreistag sie sogar dazu anweisen sollen. In der Stoßrichtung ist man sich aber parteiübergreifend einig: „Wenn wir nicht aufpassen, werden wir einer Entwicklung Vorschub leisten, die wir alle nicht wollen“, betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende Carsten Pörk- sen. Julia Klöckner, CDU-Landesvorsitzende und Kreistagsmitglied, verwies darauf, dass sie dazu bereits Anfang des Jahres eine kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt habe. „Wir sollten einen Schulterschluss mit Mainz anstreben, denn der Landeshauptstadt kann dieser Entwicklung auch nicht gefallen.“ Nach Meinung von CDU-Fraktionssprecherin Bettina Dickes verstößt das Vorhaben gegen den Landesentwicklungsplan (LEP IV). „Entsprechend muss auch die SGD Süd als zuständige Genehmigungsbehörde handeln.“

    Ludger Nuphaus, Fraktionssprecher der Grünen, zeigte sich sehr verwundert, „dass die Stadt Bingen sich überhaupt mit dem Thema beschäftigt. Ich arbeite selbst in Bingen. Der Stadtrat sollte sich lieber mit der Entwicklung der Innenstadt beschäftigen, wo jedes dritte, vierte Geschäft leersteht“. Ob denn überhaupt schon mal untersucht worden sei, „was das für kleinere Möbelhäuser in ländlichen Gebieten bedeutet?“, fragte Markus Lüttger, CDU-Kreistagsmitglied und Bürgermeister der VG Rüdesheim. „Die regionale Betrachtung fehlt mir vollkommen.“ sbr/kuk

    Bad Kreuznach
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