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    Callbach

    Haben die Chöre an Nahe und Glan eine Zukunft?

    Er ist mit dem Chorgesang seit Jahrzehnten aufs Engste verbunden: Gerhard Herzog. Auf die Frage nach der Zukunft der Chöre an Nahe und Glan verfinstert sich sein Blick. „Ich habe leider große Bedenken, wie es weitergehen soll."

    Gerhard Herzog engagiert sich für den Chorgesang. Doch der Vorsitzende des Gesangvereins Callbach weiß genau: Die Uhr tickt; es ist kurz vor zwölf. Neue Ideen und neue Konzepte müssen her.
    Gerhard Herzog engagiert sich für den Chorgesang. Doch der Vorsitzende des Gesangvereins Callbach weiß genau: Die Uhr tickt; es ist kurz vor zwölf. Neue Ideen und neue Konzepte müssen her.
    Foto: Klaus Dietrich

    Er weiß, wovon er spricht. Der 76-Jährige führt seit 20 Jahren den MGV/Gemischten Chor Callbach, war Vorsitzender des Kreischorverbandes Bad Kreuznach und der Sängergruppe IV (Verbandsgemeinde Meisenheim), die vor der Auflösung steht.

    „Das Grundproblem der Chöre lautet: Die älteren Sänger sterben, und es kommen fast keine jungen nach", weiß Gerhard Herzog, der bei seinem ehrenamtlichen Engagement tatkräftig von seiner Ehefrau Helga unterstützt wird. Ein weiteres Problem, an dem die Chöre genauso wie die Gesellschaft insgesamt zu knapsen haben, ist die zunehmende Schichtarbeit. Bedingt durch die unregelmäßigen Arbeitszeiten können Schichtarbeiter häufig nicht an Chorproben oder Auftritten teilnehmen. Außerdem binden Fernsehen und PC immer mehr Menschen an sich, hat MGV-Chef Gerhard Herzog leidvoll erfahren müssen: „Da ist den Leuten die Singstunde einfach mal egal."

    Der traditionsreiche, im Jahr 1861 gegründete Callbacher Gesangverein hat fast nur noch alte Mitglieder. Der Altersdurchschnitt bewegt sich langsam auf die 70 zu. Es ist noch nicht allzu lange her, dass drei Mitglieder binnen einer Woche verstarben. Hatte der Verein einst mehr als 100 Mitglieder, sind es jetzt nur noch 59. Früher bestritt der MGV Callbach Liederabende ganz allein. Heutzutage werden Gastchöre zu den Konzerten eingeladen, um den Saal zu füllen.

    Was hat Gerhard Herzog nicht alles versucht, um den Chorgesang zu fördern? In einem Rundschreiben an alle Callbacher und Schmittweilerer warb der Vorsitzende für den Beitritt zum Verein. Zwei Wochen später wurden die Mitbürger zu Hause aufgesucht. Ohne Erfolg. Kein einziger neuer Sänger war zu verzeichnen. Eine Kooperation mit dem MGV Jeckenbach wurde nach einiger Zeit aufgelöst. Der Versuch, einen Jugendchor mit einer jungen Dirigentin dauerhaft zu halten, scheiterte nach wenigen Jahren.

    Die Chorproben in Callbach sind symptomatisch für den Zustand vieler Chöre: Weil die Kondition der alten Sänger zu wünschen übrig lässt, hält die hoch motivierte Dirigentin Dagma Thomaser, die jedes Mal aus dem Saarland anreist, die Chorproben im Sitzen ab. Zuerst stehen jeweils Gymnastik und Stimmübungen auf dem Programm. „Früher", erinnert sich Gerhard Herzog, „haben einige Sänger nach der Chorprobe im Callbacher Bürgerhaus bis Mitternacht gekartet. Das war eine tolle Zeit. Außer mir sind inzwischen alle, die dabei waren, tot."

    Doch der MGV-Vorsitzende sieht für die Zukunft der Chorlandschaft nicht völlig schwarz. Projektchöre beispielsweise hätten sich als zukunftsfähig erwiesen. Die Mitwirkenden seien nicht fest an einen Verein gebunden, können auch mal wegbleiben, wenn sie keine Zeit oder keine Lust haben. „Immer mal bleiben Sänger dem Chor und vielleicht dem dahinterstehenden Verein verbunden", konstatiert Herzog. Wenn er in die Nachbarschaft sieht, fällt ihm als positives Beispiel für eine gesunde Entwicklung Rehborn ein. Der Gesangverein hat sich für neue Ideen mit Erfolg geöffnet. „Ich wünsche den Chören im Kreis, dass sie eine Zukunft haben", sagt Herzog und ist dabei etwas nachdenklich.

    Von unserem Redakteur Klaus Dietrich

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