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Bad Kreuznach

GKGK bläst zur Saalfastnacht: Großkopferten mal richtig die Leviten gelesen

Gustl Stumpf

Frech, frivol, hintergründig, furios startete die Große Karneval-Gesellschaft Bad Kreuznach in die Saalfastnacht.

Ein Saal voller Narren, überwiegend Intelligenz im feinen Zwirn, ein gut aufgelegtes GKGK-Ensemble und eine Reihe etablierter Gastspieler – mit der traditionellen Herrensitzung stimmte die Große Karneval-Gesellschaft Bad Kreuznach vor allem das starke Geschlecht auf die kommenden verrückten Wochen ein. Im „sternenlosen Kurhaus“ (O-Ton GKGK-Sitzungspräsident Günther Neuhaus) herrschte am Freitagabend Ausnahmezustand. Die Protagonisten auf der Bühne teilten kräftig aus. Und im Publikum stieg der Stimmungspegel von Stunde zu Stunde.

Klaro: Die Mischung macht's. Mit diesem Konzept traf die GKGK ins Schwarze. Mal frivol, mal eindeutig zweideutig, frech und respektlos, aber immer hintergründig mit fein geschliffenem Humor, zogen die Aktiven vom Leder. Das ist Narrenart: den Großkopferten der Gesellschaft die Leviten lesen, den Spiegel vorhalten.

In Reinkultur beherrscht das Jochen Merz, auch bekannt als Lehrer Nell aus de Klappergass beim Kreiznacher Nockherbersch. Präsident Neuhaus kündigte ihn als schüchternen jungen Mann an. Pustekuchen! „2017 – ein Skandal jagt den nächsten“, ließ Merz gleich anklingen, wo's langgeht. Vom Thema Fettabscheider („Gastronomie-Chef Haumann wird wissen, wo sie alle sind“ oder „Die Stadträte lassen kein Fettnäpfchen aus“) bis zum Haus der Stadtgeschichte („Hall of Fame“) und der Capri Bar, die im neuen Gewand daherkommt („Kreuznach stößt sich langsam gesund“) spannte er seinen Bogen.

Die volle Dröhnung erhielt der CDU-Stadtratsfraktionsvorsitzende Werner Klopfer, der ganz vorn neben FDP-Chef Jürgen Eitel saß und dem ein ums andere Mal das Lachen im Halse stecken blieb. „Der liebe Gott lässt Dinge nur so lange wachsen, bis sie perfekt sind“, lästerte Merz, präsentierte den CDU-Helm in schwarz, zum Schutz vor den vielen Schlagzeilen und prophezeite: „Klopfer passt da komplett drunter.“

Der Saal kochte, schließlich ist die Schadenfreude die schönste Freude, zumal auch Bürgermeister Heinrich, OB Kaster-Meurer mit ihrem Günni und Delaveaux ins Pointenfeuer gerieten. Bisweilen schonungslos setzte Merz seine Stiche. Ein Höhepunkt.

Zuvor hatte sich Harry Borgner, die Wunderstimme aus Mainz, als origineller Gründer eines Fastnachtsvereins präsentiert. Mit dem Büttenschieberlied, dem Lied der Klofrau („Dich erkenn' ich mit verbundenen Augen“) oder „Müssen verboten“, erst recht aber mit einem auf Klassik getrimmten Fastnachtspotpourri als Solo-Chor begeisterte er die Herren der Schöpfung.

Eine Steilvorlage für die Gaga-Dancers der Prinzengarde um Jan-Philipp Pflügl und Henning Mathern, die zwar „ein bisschen blass um die Nase, dafür aber modern, spritzig und präzise“, so Präsident Neuhaus, die Bühne rockten.

Frisches Blut tut der Fastnacht gut. Diese These unterstreicht Fabian Hartung. Der Jungstar der Fidelen Wespe verkörpert seine Rolle als Checker immer authentischer. „Ich studiere jetzt“, verriet er und unterstrich: „Prüfungen kann man wiederholen, Partys nicht.“ Außerdem entpuppte er sich als „Weganer“ (Bewohner einer WG), in der nur aufgeräumt wird, wenn WLAN gar nicht mehr durchkommt.“

Nach der Pause ging's Schlag auf Schlag, setzte Adi Guckelsberger, der neue Präsident des Mainzer Carneval-Vereins, vielen wohl bekannt als der Nachtwächter, den letzten Büttenakzent: diesmal als Feuerwehrmann. „Muss ich zum Einsatz in ein Haus, hol' ich gleich die Spritze raus.“ Adis Motto: „Einsatz, spritzen, fertig, Schluss!“ Ein echter Herrensitzungsvortrag. Köstlich!

Ohrenbetäubend und farbenprächtig zugleich marschierten GKGK-Prinzen- und Mainzer Ranzengarde auf, während die Prinzessinnen der Garde zackig, knackig mit den Beinen wirbelten und den Männern im Saal, besonders mit ihrem finalen Showauftritt, gehörig den Kopf verdrehten. Allez hopp!

Von unserem Redaktionsleiter Gustl Stumpf
Volle Dröhnung: Von Bordsteinschwalben bis Gagatänzern
Die Aktiven: GKGK-Elferrat mit Präsident Günther Neuhaus; Tanzpaar Giulia Degen und Henning Mathern; Ciro Visone als Pizzabäcker; die Bordsteinschwalben Gloria Mathern und Vera Gosenheimer; die Garde der Prinzessinnen (Kommandeuse Lara Bachmann) mit einem Marsch- und einem Showtanz; Protokollarius Dr. „Kalle“ Kuhl; Stimmenwunder Harry Borgner als Fastnachtsvereinsgründer; die Gaga-Tanzgruppe, Leitung: Claudia Muth; Jochen Merz als schüchterner Sprüche-Klopfer; die Mainzer Ranzengarde und die Prinzengarde der GKGK; Fabian Hartung als Checker; Bernhard Knab als Deutscher Michl; Adi Guckelsberger, der Feuerwehrmann mit dem C-Rohr; gst

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