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Bad Kreuznach

Für den Käsewagen ist kein Platz mehr auf dem Markt: Nachfolger von Beschickerin erhält Absage von der Stadt

Désirée Thorn

Sechs Jahre lang stand Kristina Krähling mit ihrem Käsewagen auf dem Bad Kreuznacher Wochenmarkt. Jetzt musste sie ihren Betrieb aus persönlichen Gründen abgeben. Doch obwohl sie einen Nachfolger gefunden hat, der alles von ihr übernehmen will – Wagen, Mitarbeiter, Sortiment –, ist Krählings persönliches Aus auch das Aus für den Käsestand.

Blick auf einen Teil der Wochenmarktstände an der Bad Kreuznacher Pauluskirche. Im Winter kommen weniger Händler als sonst.
Blick auf einen Teil der Wochenmarktstände an der Bad Kreuznacher Pauluskirche. Im Winter kommen weniger Händler als sonst.
Foto: Klaus Schumacher

Weil an der Pauluskirche, an die der Wochenmarkt während der Umgestaltung des Kornmarkts verlegt ist, Platzmangel herrscht, hat die Stadt die erneute Bewerbung unter anderem Namen abgelehnt. Für Kristina Krähling eine vollkommen unverständliche Entscheidung ohne Weitsicht: „Jeder der geht, ist ein Schlag für alle.“

Die Landwirtschaftsmeisterin, die den Käse vom Hof Lehnmühle aus Dörrebach vermarktete, hatte – wie viele ihrer Beschicker-Kollegen auch – eine treue Stammkundschaft, von denen schließlich der gesamte Markt profitierte. „Ich hatte selbst nach dem Standortwechsel keine Umsatzeinbußen“, betont Kristina Krähling. Trotzdem war die Suche nach einem Nachfolger beschwerlich. Krähling befuhr bis Ende Dezember insgesamt vier Märkte und wollte alle Standorte auch weiterhin abdecken. Zunächst ohne Ergebnis: „Ich hatte im Prinzip schon aufgegeben“, sagt sie. Ende Oktober reichte sie ihre Kündigung zum 31. Dezember ein.

Doch nur drei Tage später wendete sich das Blatt: Gleich zwei Kandidaten meldeten sich bei der scheidenden Beschickerin. Und die machte schnell alles klar.

Die Stände in Kaiserslautern und Rockenhausen gingen an eine Familie, die das Klostergut Hahnerhof in Enkenbach-Alsenborn führt, und die Stände in Mainz und Bad Kreuznach wollte die Firma Novum aus Mainz-Bischofsheim übernehmen, die zusätzlich zum Marktgeschäft im Internet mit Bio-Lebensmitteln handelt. „Ich habe sofort an alle Städte eine E-Mail geschrieben und noch einen Brief hinterhergeschickt“, berichtet Krähling. Von allen Seiten habe sie positive Rückmeldungen erhalten. „Man hat sich gefreut.“ Nur in Kreuznach hieß es sofort: „Der Platz ist schon weg.“

Auch der Geschäftsführer der betroffenen Firma Novum, Mohamed El Ouariachi, hat damit nicht gerechnet: „Ich dachte: Da wird es sicher kein Problem geben, da wird sich keiner querstellen.“ In Mainz sei man hingegen sehr kulant gewesen. Dort lief der Besitzerwechsel ganz reibungslos – ohne auch nur einen Tag Pause.

Die Absage aus Bad Kreuznach trifft die Beschicker schwer: „Wir brauchen unbedingt einen Freitagsmarkt.“ Jetzt versucht El Ouariachi auch freitags in Mainz unterzukommen oder sich einen Stellplatz auf dem Wiesbadener Markt sichern zu können. Die Option Bad Kreuznach ist für ihn hingegen vorerst in weite Ferne gerückt: „Kristina war von der Reaktion so enttäuscht, dass ich es erst gar nicht noch mal versucht habe.“

Seitens der Stadtverwaltung ist an der Entscheidung nicht zu rütteln: „Mehrere Stände standen im knöchelhohen Dreck. So konnte ich die Lage entschärfen“, kommentiert Marktmeister Mathias Weyand die Situation. Außerdem habe man eine Warteliste: „Ich muss gegenüber den anderen Beschickern fair bleiben.“ Wenn der Markt in etwa einem Jahr wieder auf den dann umgebauten Kornmarkt umziehen kann, plane er „aber gerne“ mit dem Käsewagen.

„Man fängt schon nach einer kürzeren Pause wieder fast bei Null an“, kritisiert Kristina Krähling. Viele Kunden seien dann einfach weg. Dass der Käsestand noch einmal auf den Kreuznacher Markt zurückkommt, bleibt also unwahrscheinlich. Krähling, die viel Arbeit in den Aufbau ihrer Stände investiert hat, schmerzt das besonders: „So wenig Unterstützung von der Stadt – das macht mich traurig.“

Von unserer Reporterin Désirée Thorn

Désirée Thorn zur Entscheidung der Stadtverwaltung: Der Markt wird zum Stiefkind der Stadt

Ganz klar: Der Wochenmarkt zählt zu den Aushängeschildern Bad Kreuznachs. Alle sind stolz, loben das Angebot, die Vielfalt, die Regionalität, die positiven Effekte für die Innenstadt. Aber weiß man das, was die Beschicker zweimal wöchentlich auf die Beine stellen, wirklich zu schätzen?

Désirée Thorn
Désirée Thorn
Foto: Jens Weber

Für die Stadt scheint der Wochenmarkt eher zu einem Stiefkind geworden zu sein. Stolz ist man gern, aber sobald es problematisch wird, steht die Empathie auf wackligen Beinen. Der Fall von Kristina Krähling macht es deutlich. Ihre Arbeit auf dem Wochenmarkt hätte auch noch nach ihrem Rückzug von der Verwaltung wertgeschätzt werden müssen – indem man den Fortbestand ihres Käsestandes zulässt.

Ihr Nachfolger hätte all das, was sie in Bad Kreuznach aufgebaut hat, einfach weitergeführt. Reibungslos. Die Kunden hätten von dem Besitzerwechsel womöglich nicht mal etwas mitbekommen, weil ihr Nachfolger Novum nicht nur den Wagen und das Sortiment, sondern sogar ihre Verkäuferin übernommen hätte. Natürlich ist es eng an der Pauluskirche – zumindest wenn alle Beschicker auch tatsächlich da sind –, aber damit musste man sich vor Kristina Krählings Abschied auch schon arrangieren.

Für den Bad Kreuznacher Markt ist jeder Abgang schmerzlich. Und dieser wäre ganz leicht zu verhindern gewesen. Eine Rückkehr des Käsestandes in einem Jahr scheint nun allerdings illusorisch zu sein.

E-Mail: desiree.thorn@ rhein-zeitung.net

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