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Bad Kreuznach

Fünf Jahre Haft für Missbrauch an Stiefsohn

Als die Staatsanwältin die Anklage verlas, in der mehr als 100 sexuelle Straftaten an einem kleinen Jungen genannt wurden, wurde im großen Saal des Bad Kreuznacher Landgerichts Schluchzen laut.

Wegen sexuellen Missbrauchs muss sich ein 42-Jähriger seit Dienstag vor dem Landgericht in Koblenz verantworten.
Wegen sexuellen Missbrauchs muss sich ein 42-Jähriger seit Dienstag vor dem Landgericht in Koblenz verantworten.
Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Von unserem Redakteur Rainer Gräff

Und als bei der Aussage der Großmutter des Opfers die belastete Kindheit des Täters zur Sprache kam, brach dieser in Tränen aus. Am Ende der Verhandlung vor der Zweiten Strafkammer wurde gegen den 28-jährigen Angeklagten aus Bad Kreuznach eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren verhängt.

Fünf Jahre Haft für 103 zur Last gelegte Fälle, wobei das Strafmaß für einen Einzelfall schon bei rund zwei Jahren liegt – zu verdanken hatte der nicht vorbestrafte Angeklagte dieses relativ milde Urteil der Tatsache, dass er voll geständig war und damit dem missbrauchten Jungen die Aussage vor Gericht ersparte. Außerdem zeigte der Täter Reue, sprach sein Bedauern aus und zeigte sich bereit, eine Therapie anzustreben, um seine verhängnisvollen Neigungen behandeln zu lassen. Das Strafmaß, das Vorsitzender Richter Dr. Bruno Kremer verkündete, erschien sowohl der Staatsanwältin Malina Mesenholl – sie hatte sechs Jahre gefordert – als auch Rechtsanwalt Timo Korn, der als Nebenkläger im Auftrag des Opfers auftrat, zu gering. Verteidiger Hardy Hollinka nannte kein „Wunschstrafmaß“ und plädierte dafür, dem Täter nach einer gewiss harten Haft „auf der untersten Stufe der dortigen Subkultur“ eine Chance in einer therapeutischen Einrichtung zu geben. „Irgendwas stimmt bei ihm nicht. Er braucht Hilfe.“

Hilfe brauchte vor allem der missbrauchte Junge. Als sein Martyrium vorüber war, kam er zunächst in stationäre Therapie. Seine Tante hatte den Täter angezeigt. Die Situation war eskaliert, nachdem der Junge seinen Cousin im Spiel sexuell belästigt hatte und im familiären Disput die Taten des Stiefvaters offenbar wurden.

Welche Spätfolgen das Erlebte für das Leben des Opfers haben wird, vermag keiner zu sagen. Er war im sechsten Lebensjahr, als der Lebensgefährte seiner Mutter, den er Papa nannte, damit anfing, das Vater-Sohn-Verhältnis sexuell auszunutzen. Zwischen den Taten gab es immer wieder Zeitabstände, dann kamen weitere Übergriffe. Häufig handelte es sich um Oralverkehr – auch beiderseitig –, in anderen Fällen um andere Manipulationen bis zur Ejakulation, einmal kam es zum Analverkehr. Strafrechtlich bedeutet das schweren sexuellen Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen sowie Körperverletzung.

Die Taten geschahen, wenn die Mutter des Jungen bei der Arbeit war. Der Täter war drei Jahre in Elternzeit. Dem jüngeren gemeinsamen Sohn tat der Mann – der sich sexuell zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlt und zuvor eine feste Beziehung zu einem Mann hatte – nie etwas an. Doch er und die Mutter des Opfers stritten und schlugen sich offenkundig häufig.

Eine besondere Note bekam der Prozess durch die Frage, wann die Mutter – von Beruf Erzieherin – von der jahrelangen Peinigung ihres Kindes erfahren hatte. Der Eindruck blieb, dass sie zu lange nichts unternommen hatte. Die Folge könnte ein gesondertes Strafverfahren gegen sie sein.

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