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    Bad Kreuznach

    Frau Maier kommt nach Kreuznach: Krokodil darf in der Manege auftreten

    Der Zirkus Aldoni-Oreon schlägt sein Zelt ab Donnerstag auf der Bad Kreuznacher Pfingstwiese auf. Für Kontroversen sorgt im Vorfeld Frau Maier. Bei diesem wilden Fräulein handelt es sich um ein rund zwei Meter langes Krokodil. Tierschützer kritisieren den Auftritt des Reptils. Der Zirkus sieht sich im Recht. Die Stadt erteilte dem Zirkus keine Auflagen. Frau Maier darf in die Manege kriechen.

    Frau Maier zeigt Zahn: Dieses Krokodil wird am Ende der Woche fünfmal in der Manege des Zirkus Aldoni-Oreon auftreten. Tierschützer werfen der Betreiberfamilie Frank einen unsachgemäßen Umgang mit ihren Wildtieren vor.  Foto: Zirkus Aldoni-Oreon
    Frau Maier zeigt Zahn: Dieses Krokodil wird am Ende der Woche fünfmal in der Manege des Zirkus Aldoni-Oreon auftreten. Tierschützer werfen der Betreiberfamilie Frank einen unsachgemäßen Umgang mit ihren Wildtieren vor.
    Foto: Zirkus Aldoni-Oreon

    Von unserem Reporter Carsten Zillmann

    "Es gibt für die Stadt keine Rechtsgrundlage, den Auftritt zu verbieten", sagt Stadtrechtsdirektorin Heiderose Häusermann. Tierschutzrecht ist Bundesrecht. Grundsätzlich ist untersagt, Wildtiere zur Schau zu stellen. Personen, die über eine Genehmigung verfügen, dürfen dies aber. Künstler Klaus Kaulis, der Besitzer von Frau Maier verfügt über diese Erlaubnis. "Damit ist die Sachlage eindeutig", sagt Häusermann. Die einzige Handhabe wäre, Zirkusauftritte generell zu untersagen.

    Zusätzlich wird das Veterinäramt die Bedingungen, unter denen Kaulis sein Krokodil und seine Schlangen hält, vor Ort überprüfen. "Das Gleiche gilt für die Bedingungen der Pferde und Hunde, die der Zirkus hält", sagt Häusermann. Bisher bestand der Zirkus diese Prüfungen stets ohne Beanstandungen. Dem "Oeffentlichen" liegen die Bücher vor, in denen die Betreiberfamilie Frank ihre Kontrollen dokumentieren muss. In den vergangenen 15 Jahren finden sich darin keine negativen Einträge. Unterzeichnet sind die Unterlagen von Veterinären aus ganz Deutschland.

    • „Ich stimme in vielen Punkten mit Tierschützern überein – vor allem in Sachen Massentierhaltung.“ (Zirkuspressesprecher Mario Frank versteht die Haltung der Organisationen nicht.)

    Mario Frank, der die Pressearbeit für Aldoni-Oreon übernimmt, weist außerdem darauf hin, dass der Zirkus nahezu alle Wildtiere (unter anderem zwei Bären und einen Elefanten) abgegeben habe. "Weil wir viel Wert auf die Unterbringung der Tiere legen und das auch aus familiären Gründen nicht mehr leisten konnten", teilt er mit. "Wir sind absolute Tierfreunde. Lieben alle unsere Tiere."

    Krokodil Frau Maier war in Kirn-Sulzbach dabei. In Idar-Oberstein darf das Krokodil derzeit nicht auftreten. In Bad Kreuznach soll sie wieder über den Mann auf dem Nagelbett kriechen dürfen. Foto: Sebastian Schmitt
    Krokodil Frau Maier war in Kirn-Sulzbach dabei. In Idar-Oberstein darf das Krokodil derzeit nicht auftreten. In Bad Kreuznach soll sie wieder über den Mann auf dem Nagelbett kriechen dürfen.
    Foto: Sebastian Schmitt

    Die Tierschutzgruppe Liberty4animals (zu deutsch: Freiheit für Tiere) zeichnet ein gänzlich anderes Bild: "Circus Aldoni-Oreon ist bekannt als Circus Luna. Über 120 Verstöße gegen das geltende Tierschutzgesetz, ein Senior, der durch den Elefanten Benjamin 2015 getötet wurde, und sämtliche Tiere, die von Veterinärämtern aufgrund ihres Gesundheitszustands beschlagnahmt werden mussten", berichtet Timo Schüßler, Koordinator der in Bad Kreuznach stationierten Organisation, die bereits eine Demonstration (Samstag, 16 Uhr) auf der Pfingstwiese angemeldet hat. "Nach jedem Vorfall ändert die Familie den Namen des Betriebs. Man müsste eigentlich schmunzeln, wenn es nicht so traurig wäre", ergänzt er.

    • „Es gibt für die Stadt keine Rechtsgrundlage, den Auftritt zu verbieten.“ (Stadtrechtsdirektorin Heiderose Häusermann begründet ihre Entscheidung.)

    Korrekt ist, dass es einen Unfall mit dem Elefanten Benjamin gab, bei dem ein älterer Herr ums Leben kam. Die Wildtiere des Zirkus wurden aber mitnichten beschlagnahmt. Dem Heimatveterinäramt des Zirkus im Landkreis Harz (Sachsen-Anhalt) liegen dazu keine Erkenntnisse vor. Auch Michael Hoffmann erzählt eine andere Geschichte. Die Familie Frank lieferte Bärendame Bessie vor einem Jahr bei ihm ab. Hoffmann ist stellvertretender Leiter des Hochwildschutzparks Rheinböllen. Dort lebt die betagte Bärendame inzwischen.

    "Ich habe die Familie als tierlieb empfunden", sagt Hoffmann. "Noch heute kommen sie den Bären besuchen", sagt Hoffmann. Zu Beginn waren die Franks permanent präsent, um der Bärin die Gewöhnung an das neue Gehege zu erleichtern. "Man sollte nicht jeden, der Tiere hält, zum Tierquäler abstempeln", rät Hoffmann den Tierschutzorganisationen, und wird deutlich: "Wenn jemand Tiere quält, würde ich ihn natürlich nie verteidigen, sondern zerreißen."

    Die Familie Frank begründet auch die Namensänderung: "Wir haben uns innerfamiliär getrennt. Das hing mit den Einbußen wegen der Proteste und Aktionen gegen uns und unseren Besitz zusammen. Daher der neue Name."

    Auf der Facebook-Seite des "Oeffentlichen" reagierten Leser ungehalten auf den Auftritt von Frau Maier. "Erbärmlich und traurig. Wildtiere gehören in die Freiheit und nicht in die Manege. Bad Kreuznach sollte hier endlich ein Zeichen setzen!", schreibt Dorothee Werner. Timo Schüßler kritisiert die Stadtchefin: "Es ist peinlich für Bad Kreuznach. Die selbst ernannte Tierfreundin Kaster-Meurer winkt anscheinend alles durch, was Geld bringt. Tierquälerei ist kein Kavaliersdelikt."

    • Die Vorstellungen finden am Donnerstag (18 Uhr), Freitag und Samstag (15 und 19 Uhr) und Sonntag (11 Uhr) statt.

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    Bad Kreuznach
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