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Bretzenheim

Feucht-warmes Wetter: Lese für Federweißen hat begonnen

Fast 80 Grad Oechsle brachten die Solaris-Trauben des Ökoweinguts Glöckner am Samstag auf die Mostwaage. Das war ein guter Start in die Weinlese an der Nahe. Winzer Arnold Glöckner war überrascht, denn der dreijährige Weinberg hängt schon ziemlich voll. Dabei hatten Bodenproben ergeben, dass er eigentlich noch hätte düngen können. Aber so ist das Jahr 2014: feucht-warmes Wachswetter.

Foto: as

Die vergangenen kühlen Tage ließen den Reifevorsprung aber schmelzen, sodass Glöckner nicht mit einem allzu frühen allgemeinen Leseherbst rechnet. Die vergangenen kühlen Nächte hatten sich auch nicht gerade förderlich auf das Mostgewicht ausgewirkt.

"Wenn man das jetzt sieht, hätten wir sogar letzte Woche schon beginnen können", sagt Glöckner, der auf 0,4 Hektar die frühen Rebsorte für Federweißen anbaut. Dass die Trauben jetzt gelesen werden müssen, liegt an der beginnenden Fäulnis. Deshalb ist Handlese angesagt, denn in frühen Traubensorten tummelt sich schon die eine oder andere Essigfliege. Ein größeres Problem sind in diesem Jahr die Wespen, die sich am süßen Saft laben.

Da gab es also kein Halten. Schließlich will der Ökowinzer spätestens zum Wochenende seiner Kundschaft den ersten Federweißer anbieten. Der Solarismost eignet sich auch gut für Traubensaft oder eine schöne Auslese.

Weil die Witterung in allen Weinanbaugebieten das Pilzwachstum förderte, ist der Rebschutz in diesem Jahr auch für Ökowinzer ein Dauerthema. In der Solaris-Anlage musste sich Glöckner aber nicht um Wartezeiten zwischen Spritzen und Ernte kümmern, denn es ist eine pilzresistente Sorte. Glöckner: "Sie wurde nicht gespritzt". Bei anderen Sorten operiert er mit altbewährten Mitteln wie Backpulver oder Wasserglas.

Dass Weinbau nicht immer planbar ist, hat Glöckner gerade in diesem Jahr wieder erfahren. Bei seiner dreijährigen Solaris-Anlage hielt er sich beim Rebschnitt zurück. Heute sagt er: Zwei Augen mehr pro Rebe, dann wäre der Behang lockerer und die Fäulnis geringer. Und die Lagen in dem 11,5-Hektar-Weingut machen auch unterschiedliche Arbeit: Portugieser und Dornfelder auf weniger guten Lagen haben Mehltauprobleme, in sonnigen Lagen sind sie gesund. Am besten kommt der Riesling mit den Wetterkapriolen zurecht. Der kann denn auch noch ein paar Wochen hängen.

Inzwischen brummt der Federweißer im Gärtank. Drei bis vier Tage dauert es in der Regel, bis das gewünschte Zucker-Alkohol-Verhältnis erreicht ist. Erfahrungsgemäß dauert es beim ersten Federweißen des Jahres etwas länger, bis der Gärprozess in Gang gesetzt ist: "Da liegt noch keine Hefe in der Luft", erklärt der Winzer. gav/as

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