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    Bad Kreuznach

    Fettabscheiderdiskussion: 7 Fragen und 7 Antworten

    Handelt es sich bei den fehlenden Fettabscheidern in der Stadt um einen handfesten Skandal oder lediglich um eine Bagatelle, die gar nicht anders handhabbar war? Hier präsentieren wir die wichtigsten Sachfragen und Antworten in der Übersicht.

    1. Worum geht es eigentlich?

    Die Stadt Bad Kreuznach ließ von einem externen Dienstleister, Josef Lehnert, die Müllentsorgungspraxis in der Stadt prüfen. Dabei wurden auch Gewerbebetriebe geprüft, das Augenmerk lag auf Betrieben, die einen Fettabscheider vorhalten müssen. Der Bericht förderte rund 100 fehlende Fettabscheider innerhalb der Stadt Bad Kreuznach zutage.

    2. Was ist ein Fettabscheider und wer muss einen solchen haben?

    Eine Apparatur, die Fettreste aus dem Abwasser filtert. Laut Paragraf 13 der Abwasserbeseitigungssatzung der Stadt, die aus dem Jahr 1992 stammt und zum letzten Mal 2010 aktualisiert wurde, ist das überall dort der Fall, wo „Fette, Leichtflüssigkeiten wie Benzin oder Benzol, Öle oder Ölrückstände in das Abwasser gelangen können“. So soll vermieden werden, dass Betriebe, Restaurants zum Beispiel, übermäßig viel Fett ungefiltert in die Kanalisation abführen. Die Abwasserbeseitigung wird im Landeswassergesetz den Kommunen als Pflichtaufgabe der Selbstverwaltung übertragen. Bei Nichteinhaltung droht ein Bußgeld.

    3. Für wen gilt diese Regelung?

    Für nahezu jeden Gastronomiebetrieb. Für große Schnellrestaurants, die Unmengen Fett produzieren, genauso wie für kleine Gartenlokale, die zwei Gerichte anbieten. Ebenso für Tankstellen, Autowerkstätten und Autowaschanlagen. Die Formulierung in der städtischen Satzung („auf Grundstücken, auf denen Fette, [...] in das Abwasser gelangen können [...].“), eine Art Standardformulierung, wird kritisch bewertet. Es fehlt – was aber schwierig umzusetzen wäre – eine genaue Mengenangabe, wie viel Fett ein solcher Betrieb produzieren und abführen muss, damit ein Fettabscheider notwendig wird. Fett und Öle aus Fritteusen werden separat abgeholt. So zumindest die Vorgaben.

    4. Wer kontrolliert die verpflichteten Betriebe, und wie oft müssen diese Kontrollen erfolgen?

    Die Abwasserbeseitigungssatzung gibt in der Tat nicht vor wie engmaschig die Kontrollen durch die Stadt erfolgen müssen – was die Verantwortlichen aber nicht davon befreit, das Vorhandensein von Abscheidern in sinnvollen Intervallen zu überprüfen. Die regelmäßige Prüfung und vor allem die Leerung der Abscheider muss der Eigentümer selbst veranlassen. Der Abwasserbetrieb muss kontrollieren.

    5. Was passiert mit den Fetten, die ins Abwasser gelangen?

    Spätestens in der Kläranlage werden diese Fette herausgefiltert, denn dort gibt es einen Fettabscheider. Fette können den Eigenanschluss des Verursachers verstopfen, außerdem können sie – vor allem in urbanen Ballungsgebieten – die Kanalisation verstopfen und schädigen.

    6. Besitzt die Angelegenheit das Potenzial zum Skandal?

    Bedingt. Und abhängig davon, von welcher Seite aus man die Angelegenheit betrachtet. Während Umweltorganisationen und Zweckverbände über Fettverstopfungen im Abwassersystem berichten, ringt die Angelegenheit hiesigen Abwasserfachmännern nur ein müdes Lächeln ab. Fettstoffe in der Kanalisation stellen wohl hier in der Praxis kaum ein Problem dar. Trotzdem: Es handelt sich dabei um einen Verstoß gegen gültige Richtlinien.

    7. Wo liegen die Versäumnisse?

    Schwer vorstellbar, dass der Abwasserbetrieb, über Jahre eine der Vorzeigeabteilungen der Stadt, bewusst gravierende Fehler begangen hat. Eher ist wahrscheinlich, dass sich über die Jahre eine Art „Praxis der ruhigen Hand“ eingestellt hat, wohl wissend, dass aufgrund der sich ständigen verändernden Anzahl der gastronomischen Betriebe und der wachsenden Auflagen eine engmaschige Kontrolle aller Betriebe kaum zu leisten gewesen wäre. So scheint es zu deutlichen Fehlentwicklungen gekommen zu sein, ein Freiraum, den einige Gastronomen wohl bewusst ausgenutzt haben.

    Marian Ristow

    Bad Kreuznach
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