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    Soonwald

    Exklusivinterview: Ministerin wünscht sich konstruktiven Dialog

    Einen Nationalpark im Soonwald können sich viele „Ureinwohner“ am Südrand derzeit nicht vorstellen und lehnen die Idee erst mal ab. Andere Regionen sind offenbar aufgeschlossener. Heute steht das Thema beim Kreis Birkenfeld auf dem Umweltcampus zur Debatte. Auch der Rhein-Hunsrück-Kreis will sich noch in dieser Woche zu Wort melden und Interesse bekunden. Im Kreis Bad Kreuznach ist die Meinungsbildung noch völlig offen. Landrat Diel möchte im März im Kreistag eine Standortbestimmung vornehmen. Einzig das Regionalbündnis Soonwald-Nahe hat sich aus der Region bislang positiv zu Wort gemeldet. Wir sprachen mit Umweltministerin Ulrike Höfken über den derzeitigen Stand der Debatte.

    Ministerin Ulrike Höfken steht im Inteview mit dem "Oeffentlichen" Rede und Antwort
    Ministerin Ulrike Höfken steht im Inteview mit dem "Oeffentlichen" Rede und Antwort


    Rheinland-Pfalz will einen Nationalpark einrichten. Warum wurde für potenzielle Interessenten so kurzfristig Weihnachten 2011 als „Wunschtermin“ anberaumt, obwohl bisher kaum Einzelheiten bekannt sind?
    Seit wir im September die Kriterien für einen Nationalpark in Rheinland-Pfalz vorgestellt haben, gab es eine Vielzahl von Veranstaltungen und Gesprächen. Interessierte Regionen, die sich jetzt melden, legen sich hierüber nicht fest. Vielmehr geht es um eine grundsätzliche Interessenbekundung. In den kommenden Monaten wollen wir das Projekt Nationalpark mit den interessierten Regionen weiter erörtern und in einen lebendigen Dialog mit den Leuten treten. Regionen, die aktuell noch Zeit brauchen, um ihr Interesse zu prüfen, können dies selbstverständlich auch noch bis Anfang 2012 tun. Im übrigen ist unser Land verantwortlich dafür, die von der Bundesregierung beschlossene Wald- und Biodiversitätsstrategie sowie die Beschlüsse der Europäischen Union und der UN zur Rettung der Artenvielfalt umzusetzen, dazu trägt der Nationalpark bei.

    Die Brennholzproblematik wird von Kritikern als Hauptargument angeführt. Wie möchten Sie das lösen? Soll Holz aus Überschussgebieten in die Dörfer gebracht werden, die sich im Soonwald versorgt haben?
    Das Thema Brennholz analysieren wir derzeit sehr genau. Es geht darum festzustellen, aus welchen Waldbereichen derzeit Brennholz kommt und wohin es verkauft wird. Für mich ist ganz klar, dass die nahe Versorgung der örtlichen Bevölkerung ermöglicht wird. Wir werden ein Konzept erarbeiten, damit genügend ortsnahe Waldgebiete in den Randbereichen des Nationalparks weiterhin zur Bewirtschaftung zur Verfügung stehen. Nur im Kernbereich des Nationalparks wird später Holznutzung nicht möglich sein. Gewerbliche Kunden können wir auch mit Holz aus anderen Regionen beliefern.

    Wie ist die propagierte Energiewende, zu der auch Holznutzung gehört, mit dem langfristigen Verzicht auf Hunderttausende Kubikmeter Holz zu vereinbaren?
    Der Anteil des Holzes an der Energiewende wird zumeist überbewertet. Hier stecken in anderen Energiequellen – allen voran die Windenergie – ganz andere Potenziale. Holz ist zu wertvoll, um es einfach nur durch den Kamin zu schicken. Holz zu verschwenden ist nicht verantwortlich. Wir favorisieren die so genannte Kaskadennutzung, bei der Holz zunächst stofflich, etwa als Bauholz genutzt und erst am Ende des Nutzungszyklus’ verbrannt wird. Sehr große Chancen für den effizienteren Umgang mit Holz sehe ich auch in der Erneuerung der Öfen und Heizungen, deren Wirkungsgrade vielerorts noch zu gering sind. Landesforsten vermarktet derzeit über 700 000 Festmeter Brennholz. Bei einer Verbesserung des Wirkungsgrads der Anlagen im Schnitt um nur zehn Prozent entspricht die Einsparung mehr als dem Doppelten des gesamten Holzaufkommens im Soonwald.


    Das bisherige Fehlen von Rechtsverordnungen und viele offene Fragen führen Gemeinden als Grund dafür an, den Nationalpark abzulehnen. Wie wollen Sie die Räte, die sich einstimmig gegen den Park ausgesprochen haben, wieder umstimmen?
    Wir wollen den Nationalpark keiner Region überstülpen. Darum wäre es nicht in Ordnung, vorab eine Rechtsverordnung zu entwerfen. Diese wollen wir zunächst mit den Akteuren vor Ort erörtern und entwickeln. Es gibt noch viele Missverständnisse und auch manche Falschinformation. Deshalb setzen wir darauf, zu informieren und im Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern sowie den Kommunen nochmals in Ruhe und intensiv über die Sachargumente zu reden. Wir werden auch zu Busreisen in vorhandene Nationalparke einladen, dass sich unsere Gesprächspartner aus Rheinland-Pfalz persönliche Eindrücke verschaffen können und die Chancen erkennen, die ein Nationalpark mit sich bringt: So ein Schutzgebiet ist nämlich gut für die Natur und zugleich eine touristische Attraktion, die der Region eine eigene Zukunftsperspektive eröffnet.

    Ein gewichtiges Wort gegen den Nationalpark sprechen auch die Landwirte. Sie haben selbst Landwirtschaft studiert. Ist ein Treffen unter „Berufskollegen“ sinnvoll?
    Auf jeder der zahlreichen Veranstaltungen mit der Landwirtschaft spreche ich den Nationalpark an. Dabei sind die Bauern gar nicht von Einschränkungen betroffen. Im Gegenteil, sie werden vom Nationalpark profitieren: Wir sehen zum Beispiel große Chancen darin, dass eine Dachmarke wie SooNahe und die land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnisse aus der Region, dazu zählt auch Holz, mit einem Nationalpark deutlich besser vermarktet werden könnten.

    Welchen wirklichen Nutzen für die Natur soll der Nationalpark bringen?
    Mit dem Nationalpark entsteht ein Stück attraktive Wildnis mitten in Rheinland-Pfalz. Im überwiegenden Teil des Nationalparks bleibt die Natur sich selbst überlassen. Dies ist ein großer Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Zu keinem Zeitpunkt in der Erdgeschichte ging das Artensterben weltweit so rasant vor sich wie heute. Um unsere Lebensgrundlagen zu sichern, müssen wir da gegensteuern. Im Nationalpark entsteht Lebensraum für besonders störungsempfindliche Arten wie Wildkatze, Luchs und Schwarzstorch, die sich hier ohne Einfluss des Menschen entwickeln können.


    Skeptiker stellen den wirtschaftlichen regionalen Nutzen des Nationalparks in Abrede. In der Holzwirtschaft macht man sich Sorgen um Arbeitsplätze. Sie erhoffen sich hingegen neue Arbeitsplätze und einen touristischen Aufschwung. Womit begründen Sie das?
    Die Verwertung des Holzes wird in der Entwicklungsphase zum Nationalpark, die etwa 30 Jahre dauert, weiterhin möglich sein. Die Arbeitsplätze in der Holzindustrie sind durch einen Nationalpark im Soonwald gewiss nicht gefährdet. Für die aktuellen Probleme dort gibt es andere Gründe. Die Landesregierung unterstützt die Holzwirtschaft massiv, zum Beispiel mit dem Cluster Holzbau, um eine bessere Wertschöpfung zu erreichen.


    Schon jetzt gibt es große Probleme mit der Wildpopulation. Ein Verzicht auf die Jagd im Park würde dies nach Ansicht von Bauern und Jägern verschärfen. Was tun?
    Zwar ist das oberste Gebot im Nationalpark, die Natur sich selbst zu überlassen, dennoch wird bei Bedarf Jagd stattfinden – ausschließlich zur Regulierung des Wildbestandes. Jagen ist im Nationalpark also gewollt, wenn es darum geht, Wildschäden einzudämmen oder auch Tierseuchen zu bekämpfen.

    Mit dem naturnahen Wiederaufbau des Soonwalds nach „Wiebke“ und der Errichtung des Walderlebniszentrums bei Stromberg ist der Naturpark Soonwald geradezu prädestiniert, den Nationalpark aufzunehmen. Was passiert, wenn alle potenziellen Kandidaten abwinken. Kommt der Nationalpark trotzdem? Wann soll die Entscheidung fallen?
    Wir werden den Nationalpark nicht gegen den Willen der Menschen einer Region einrichten. Zur Entwicklung einer Region sowie zur Gestaltung von Programmen und Konzepten ist die Beteiligung der Bevölkerung und der Wirtschaft unverzichtbar. Dieses wichtige Projekt soll nicht unter Zeitdruck entwickelt werden. Daher gibt es auch keinen festgelegten Zeitpunkt, bis wann die Entscheidung fallen wird.

    Was wird das Projekt kosten, und wer zahlt?
    Eine konkrete Bezifferung der Kosten ist erst möglich, wenn die Gebietskulisse feststeht. Entstehende Kosten werden vom Land getragen. Mit Landesforsten haben wir bereits kompetente Strukturen.

    Das in der Region verwurzelte Regionalbündnis Soonwald Nahe, das bei der Regionalentwicklung viele teils unterschiedliche Interessengruppen vereint, steht dem Park positiv gegenüber. Wollen Sie diese Basis nutzen und wenn ja, wie?
    Aufgrund der besonderen Verankerung in der Region und der Kenntnisse lokaler und regionaler Besonderheiten ist das Regionalbündnis ein wichtiger Partner bei den Gesprächen und Informationen vor Ort.

    Wie wirkt sich der Nationalpark auf die Trinkwasserversorgung des Gebiets aus?
    Wasserrechte und Bewilligungen für die Trinkwassergewinnung bleiben unverändert bestehen. Der Nationalpark wird sich positiv auf die Trinkwasserversorgung auswirken. Indem man den Nadelbaumanteil reduziert und Drainagegräben aufgibt, bildet sich neues Grundwasser.

    Die Fragen stellte Armin Seibert

    Bad Kreuznach
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