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Kirn-Kallenfels

Eulen machen Kokolores: Oettinger soll Kilian das Parkdeck sponsern

Bernd Hey

Die Kallenfelser Eulen haben das Gesellschaftshaus in ihrem 65. Jahr wieder einmal in ein Tollhaus verwandelt. Phasenweise waren die Narren im proppenvoll besetzten Saal Kirns guter Stube nicht zu halten.

Werner Scholz (Mitte) zeigt seinen Eulen als Stadtchef Martin Kilian höchstselbst, was es Neues gibt.
Werner Scholz (Mitte) zeigt seinen Eulen als Stadtchef Martin Kilian höchstselbst, was es Neues gibt.
Foto: Bernd hey

Ein Schlussbild war schöner und origineller als das andere. Die Minipagen boten herrliche Tänze im Western-Style, und die Pagen zeigten ebenfalls zwei sehenswerte Choreografien unter Leitung von Corinna Boy und Ann-Kristin Lerner. Dazu boten die Kallenfelser wieder Büttenreden mit Tiefgang, Herz und Kokolores.

Eine Augenweide waren zwölf „Kleine Feiglinge“ im Meisjes-Outfit, die Käse aus Holland und Tulpen aus Amsterdam im Gepäck hatten.  Foto: Bernd Hey
Eine Augenweide waren zwölf „Kleine Feiglinge“ im Meisjes-Outfit, die Käse aus Holland und Tulpen aus Amsterdam im Gepäck hatten.
Foto: Bernd Hey

Erstmals hielt Sven Muser als Sitzungspräsident das närrische Zepter in Händen. Der schlagfertige 39-jährige kennt seit 36 Jahren das Metier aus dem Effeff – das restlos begeisterte und kostümierte Publikum feierte bis in die Puppen und machte seine eigene La-Ola-Welle.

Nach der Pause brachen alle Dämme: Da ging richtig die Post ab. Eulenpräsident Werner Scholz bot als Stadtchef Martin Kilian eine Stadtführung an und nahm eine Reisegruppe mit. Die Eulenriege wuchs über sich hinaus: Verwundert nahmen sie in der City alles Neue mit „Ahh“, „Ooh“ und „Uuh“ zur Kenntnis. Und das närrische Auditorium begleitete die originellen Glossen mit dem „Uijuijuijui“.

Die dreistöckige Birkenfelder Landesbank mit Zahnarzt Runkel waren wie die Feuerwehr, Leo's Imbiss oder die Polizei Stadtgespräch. So fragte man: „Warum nimmt die Polizei Verbrecher nicht fest, wenn sie diese fotografiert?“ Im Bekleidungshaus Venter wurde eine Unterhose gekauft, die durchschlagender Bohnensuppe Paroli bot. Die Spatzen stromerten in beide Kirchen, sangen bei Frank Ensminger und den Evangelen kölsche Stimmungslieder und bei den Katholiken „I Will Follow Him“. Weiter ging es in Richtung Stadthaus, wo Kilian oft mit FDP-Chef Bursian im Clinch liegt.

Eine Pointe jagte die nächste, der Kirner Schützenhausslogan „Schießen lernen – Freunde treffen“ schrecke jedoch ab. Kallenfelser Spatzen wussten zuerst, dass Kilian die Brauerei Oettinger als Hauptsponsor fürs neue Parkdeck gewonnen hat. So bekommt die Stammkundschaft wenigstens ein schönes Dach überm Kopf.

Danach folgten die Pfundsgirls. Acht Frauen, Ü-35, wo man bei sieben sah, warum sie so heißen. Leichtfüßig wie eh und je mit Lust und Leidenschaft erreichten sie zu kölschen Fastnachtshits die Zuschauerherzen. Ebenso gefeiert war der rasante Auftritt der Kleinen Feiglinge, die 2017 noch süße Sahneschnittchen waren und längst ihre Fusion mit den Scharfen Hüpfern vollzogen haben: Die Truppe überraschte als Meisjes in holländischer Tracht und mit pfiffiger Performance. Im Gepäck: kölsche Musik, Käse und Tulpen aus Amsterdam. Claudia Götz wurde für die Musikauswahl und Judith Franzke als Trainerin gedankt, mit Ina Muser wurde eine „Nähersch“ für die Kostüme gefunden. „Es macht riesigen Spaß, schade wenn's rum ist. Die Fasenacht hält das ganze Dorf zusammen!“, sagte sie.

Auch die Spatzen besangen Kallenfels. Auf der Bühne standen Werner und Daniel Scholz, Enrico Altmaier, Sven, Timo und Reinhardt Muser, Volker Schmidt, Rainer und Pascal Wendling, Bobby Thompson und Klaus-Peter Kaiser: „Hey, Kallenfels bei Kirn – mein Dorf mit Herz und Seel . Du bist ein Gefühl!“ lautet der Refrain.

Brillante Vorträge, Zwiegespräche und Büttenreden boten in Mimik und Gestik großes Kino: Stoff aus dem die Träume sind, die für Zwerchfellkrämpfe und Schnappatmung sorgten. Ann-Kristin Lerner alias Fräulein Baumann präsentierte sich als letzte Überlebende der Krabbelgruppe von Johannes Hesters. Entsprechend komisch und perplex ihr Duktus, denn: Eigentlich sollten die Jüngeren für ihre Rente aufkommen, jetzt müssten 100-Jährige für Hartz IV der Kinder arbeiten. Bis lange nach Mitternacht ging eine aktuelle Playbackshow bis zum Finale über die Bühnenbretter.

Heute geht’s ab 10.30 Uhr mit dem Eiersammeln weiter. Treffpunkt ist in der Kallenfelser Gääsegass, Endstationen mit buntem Faschingstreiben im Schützenhaus.

Von unserem Reporter Bernd Hey
Kirn
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