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    Bad Kreuznach

    Entwaffnend einfach und dennoch stimmig

    Dummheit, die man bei anderen sieht, wirkt meist erhebend aufs Gemüt. Mit dieser Erkenntnis eroberten die beiden Schauspieler Wolfgang Gellert und Fried Wolf mit Erzählungen, Gedichten, Anekdoten und Liedern von Wilhelm Busch die Herzen der Zuschauer. Dass aufgrund der anhaltenden Regenfälle der vergangenen Tage der Ellerbach über seine Ufer trat und die Akteure vor der Nikolauskirche spielten, tat dem Kunstgenuss keinen Abbruch. Mithilfe der Pächterin der Kneipe „Alt Berlin“, die den Strom bereitstellte, konnte die Vorstellung dann auf dem Eiermarkt stattfinden. Unter dem Motto „Von Käuzen und anderen Kreaturen“ berichteten die beiden Mimen am Samstag- und Sonntagabend über liebenswerte, schrullige, hinterhältige, törichte und mehr oder weniger trinkfeste Mitmenschen. Da wird aus einem trinkfreudigen Lump durch den Frack ein Lump „inkognito“, da hält eine kratzbürstige alte Jungfer ein junges Mädchen von dem harmlosen Besuch eines Festes ab, und ein Bettler verliert durch Übermut sein sieben Pfund schweres Brot im Fluss.

    150 Jahre alt und dennoch aktuell

    Von spröden Mädchen, schrulligen Junggesellen und listigen Ehefrauen berichteten Wolfgang Gellert und Fried Wolff in der Kreuznacher Neustadt bei ihrem originellen Wilhelm-Busch-Abend.  Foto: Kai Sieben
    Von spröden Mädchen, schrulligen Junggesellen und listigen Ehefrauen berichteten Wolfgang Gellert und Fried Wolff in der Kreuznacher Neustadt bei ihrem originellen Wilhelm-Busch-Abend.
    Foto: Kai Sieben

    Schnell merkte man, dass die Menschen vor 150 Jahren gar nicht viel anders tickten als die heutigen Zeitgenossen. Da zieht man sich doch lieber zurück, denn „wer einsam ist, der hat es gut, weil keiner da, der ihm was tut.“ Untermauert wurde das abwechslungsreiche Programm von kurzen Erzählungen über das Leben Wilhelm Buschs, der in München, Antwerpen, Düsseldorf und Hannover seine Wirkungsstätten hatte.

    Die Geschichte von der alten Slütsche, die mit ihrer Schnüffelnase zuerst einen gebratenen Hasen und dann eine zubereitete Wachtel einer Bäuerin abschwätzt, dann aber mit einer ordentlichen Tracht Prügel bezahlt, sorgte ebenso für Erheiterung wie die von dem Blinden und der Lahmen, die plötzlich geheilt werden und sich nun einen anderen „Beruf“ suchen müssen. Ob in den Gedichten „Das Brot“, „Die Tute“ oder „Der Schatz“, Fried Wolff und Wolfgang Gellert gelang es mit Leichtigkeit, eindrucksvoller, weil sparsamer Mimik und Gestik, die entwaffnend einfache und dennoch stimmige Philosophie des Wilhelm Busch in die Gegenwart zu übertragen.

    Weit mehr als „Max und Moritz“

    „Jung ein Gimpel, alt ein Simpel!“ Wieso stellt sich der alte Künstler wieder aufs Seil, wenn er doch weiß, dass es ihm das Publikum niemals danken wird?

    Das war an diesem Abend aber anders. Am Ende freuten sich die Organisatoren Wolfgang Wobéto und Thomas Donahue über einen gelungenen Theaterabend, und die Zuschauer konnten getrost mit der Erkenntnis nach Hause gehen, dass Wilhelm Busch weit mehr als „Max und Moritz“ ist.

    Von unserem Mitarbeiter Kai Sieben
    Bad Kreuznach
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