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    Bad Kreuznach

    Entführung beim Kinderschutzbund: Täter droht seiner Frau noch im Prozess

    Er hatte in den Räumen des Kreuznacher Kinderschutzbundes geschossen, hatte zwei Mitarbeiterinnen und seine Frau in seine Gewalt gebracht und hatte die Frau gezwungen, mit ihm zu fliehen. Nun ist der Mann verurteilt worden - und zeigte auch im Gericht, dass er seine Emotionen nicht im Griff hat.

    Der Kinderschutzband am Eiermarkt in der Bad Kreuznacher Neustadt. Unweit davon fand die Entführung statt, als ein Beratungsgespräch eskalierte. Foto: Harald Gebhardt Foto: Harald Gebhardt
    Der Kinderschutzband am Eiermarkt in der Bad Kreuznacher Neustadt. Unweit davon fand die Entführung statt, als ein Beratungsgespräch eskalierte.
    Foto: Harald Gebhardt Foto: Harald Gebhardt

    Am 15. Januar 2015 bringt ein heute 34 Jahre alter Mann bei einem Beratungsgespräch in den Räumen des Kreuznacher Kinderschutzbundes seine getrennt von ihm lebende Ehefrau sowie zwei Mitarbeiterinnen in seine Gewalt. Ein lange schwelender Streit um das Sorge- und Umgangsrecht für den gemeinsamen vier Jahre alten Sohn ist eskaliert: Der Mann bedroht seine Frau (26) mit einer Schreckschusspistole. Die beiden anderen Frauen zwingt er, sich mit Kabelbindern zu fesseln. Es fallen auch zwei Schüsse. Die Beraterinnen haben bis heute mit den Erlebnissen zu kämpfen. Eine ist so traumatisiert, dass sie stationär behandelt werden muss, die Kollegin war lange in Therapie. 

    An dem Tag im Januar dauert es drei Stunden, bis der Mann mit dem Auto seiner Frau flüchtet, sie muss ihn begleiten. Eine groß angelegte Fahndung nach dem Mann und dem goldfarbenen Golf beginnt. Die Flucht endet am nächsten Morgen in einem Koblenzer Hotel, wo die Polizei ihn fasst. Vor dem Schöffengericht beim Kreuznacher Amtsgericht musste sich der 34-Jährige jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Bedrohung in drei Fällen sowie wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten. Das Gericht verurteilte in zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und fünf Monaten.

    Auch auf der Anklagebank hatte sich der 34-Jährige nicht im Zaum. Nach dem Ende der Beweisaufnahme drohte er seiner Frau auf türkisch. Diese war außer sich, reagierte so aufgebracht, dass Richterin Brigitte Hill die Beweisaufnahme erneut eröffnete. Laut Aussage der Frau habe er ihr gedroht: „Am Tag, an dem ich draußen bin, stirbst du.“

    Schon sehr früh griff der Angeklagte zu Drogen und kam mit dem Gesetz in Konflikt. 13 Einträge finden sich im Bundeszentralregister, vor allem Delikte wegen gefährlicher Körperverletzung. 2004 musste er sich wegen versuchten Mordes verantworten, wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er wisse, dass er „viel Mist“ gemacht habe, erklärte er, und habe sich vorgenommen, sich zu bessern.

    Doch als sich seine Frau 2013 von ihm trennte, sei er in ein Loch gefallen. „Ich bin kein schlechter Mensch und ein liebevoller Vater“, beteuerte er. „Ich war verzweifelt, wollte mein Kind nicht verlieren“, versuchte er zu erklären, was ihn zu der Tat trieb. Das Ganze bereue er zutiefst. „Ich gebe alles zu.“

    Auch bei der Tat hatte er in der Nacht zuvor Drogen konsumiert und Amphetamine zu sich genommen, sich kurz vor dem Gespräch mit Wodka Mut angetrunken. Trotzdem sah Gutachter Dr. Ralf Werner keine Hinweise darauf, dass der Angeklagte in seiner Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt war. Bei einem Vereinbarungsgespräch zu Beginn hatten sich alle Prozessbeteiligten auf ein Strafmaß zwischen drei und dreieinhalb Jahren verständigt, wenn der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ablegte.

    Das Schöffengericht blieb beim Strafmaß letztlich an der oberen Grenze. Richterin Brigitte Hill begründete dies mit dem Eindruck, den der Angeklagte vor allem am Ende der Hauptverhandlung gemacht habe: „Er ist emotionsgeladen, aggressiv und hat sich nicht im Griff.“ Auch bei der Urteilsbegründung fiel er der Richterin ins Wort und schimpfte, er werde sich „niemals an die Regeln halten“, bis er den Gerichtssaal verlassen musste. „Nach der erneuten Beweisaufnahme hat der Angeklagte sein wahres Gesicht gezeigt“, meinte die Richterin. Und Staatsanwalt Nils Leimbrock gab ihm diese deutliche Warnung mit auf den Weg: "Bei jeder neuen Straftat droht Ihnen künftig Sicherheitsverwahrung.“

    Strafmildernd werteten alle Beteiligten, dass es der Angeklagte mit seinem voll umfänglichen Geständnis den Opfern erspart habe, vor Gericht als Zeuginnen auszusagen. Harald Gebhardt

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