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Kreis Bad Kreuznach

„Eines der wertvollsten Rotmilan-Gebiete“: Windpark Pferdsfeld bleibt höchst umstritten

Kurt Knaudt

Kreis Bad Kreuznach. Hätte der Windpark Pferdsfeld schon allein wegen der dort vorhandenen, streng geschützten Rotmilan-Population nie genehmigt werden dürfen? Diese Auffassung vertritt der Diplom-Biologe Olaf Kiffel (Mainz), der die Initiative Soonwald in dieser Sache berät. Unter den mehr als 20 Verfahren, in die er eingebunden ist, hält er das für den Windpark Pferdsfeld für besonders kritikwürdig.

Den Status der Kirche Eckweiler als Ort der Stille und Einkehr sieht die Initiative Soonwald durch den Windpark Pferdsfeld mit seinen sieben Rotoren – einer davon dicht bei dem Gotteshaus – gefährdet.  Foto: Monika Kirschner
Den Status der Kirche Eckweiler als Ort der Stille und Einkehr sieht die Initiative Soonwald durch den Windpark Pferdsfeld mit seinen sieben Rotoren – einer davon dicht bei dem Gotteshaus – gefährdet.
Foto: Monika Kirschner

„Es handelt sich um eins der wertvollsten Rotmilan-Gebiete in Rheinland-Pfalz, in dem einer von landesweit nur drei Schlafplätzen liegt“, betont der Experte, der den Genehmigungsprozess als fehlerhaft bezeichnet.

Die Initiative hat deshalb jüngst bei der Kreisverwaltung die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt, um ihr laut Kiffel „die Möglichkeit zu geben, den Bescheid aufzuheben oder zumindest abzuändern“. Das könne sie tun, ohne Schadenersatzansprüche zu riskieren, weil sie durch zwei mangelhafte Gutachten getäuscht worden sei, argumentiert Kiffel. Eins habe der Münchner Projektentwickler BayWa r.e. selbst beauftragt, das andere die Kreisverwaltung. Bemerkenswert: Deren untere Naturschutzbehörde habe den Windpark wegen der Rotmilane laut Genehmigungsbescheid abgelehnt, ehe die Emissionsschutzbehörde sich darüber hinwegsetzt und grünes Licht gegeben habe – wenn auch mit Auflagen.

Gegen die hatte dann der Betreiber Widerspruch eingelegt. Wie Landrätin Bettina Dickes auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, gehe es dabei vor allem um den Schutz der Rotmilane und der Fledermäuse. Wenn die Pächter das Ackerland im Bereich der Windräder bearbeiten, müssen die Windräder stillstehen. Diese Regelung soll allerdings jetzt nicht mehr das ganze Jahr über gelten, sondern nur noch für acht Monate – was Kissel mit Verweis auf den Schlafplatz nicht nachvollziehen kann. Zudem soll das Fledermausmonotoring jetzt drei Jahre laufen – mit der Option, es noch mal zu verlängern.

Neben dem Antrag der Initiative gibt es für die Gegner des Projekts noch einen Hoffnungsschimmer: Der Kreisrechtsausschuss befasst sich voraussichtlich im August in öffentlicher Sitzung mit den Widersprüchen gegen das Vorhaben des Betreibers. „Wir sind nach wie vor zuversichtlich, dass wir Erfolg haben“, sagt Reinhard Koch, stellvertretender Vorsitzender der Bürgerinitiative „Gegen Wind Pferdsfeld“ und Bürgermeister von Ippenschied. Falls der Ausschuss die Widersprüche gegen die geplanten sieben, 230 Meter hohen Windräder nicht akzeptiert, erwägen die BI und die Initiative Soonwald eine Klage.

Was bei Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich genau geprüft sein will: „Aber der Wertverlust für die im Umfeld des Windparks liegenden Häuser wäre am Ende noch größer“, meint Hartmut Ungelenk, als Eigentümer des Utschenhofes in Entenpfuhl, das frühere Wohn- und Dienstgebäude von Friedrich-Wilhelm Utsch, besser bekannt als Jäger aus Kurpfalz, einer der Betroffenen. Ungelenk verweist ebenso wie Koch darauf, dass der Windpark nicht nur die Rotmilane bedroht, sondern auch mitten auf einer der ältesten europäischen Vogelfluglinien liegt. Für die Initiative Soonwald ist es zudem ein Unding, dass einer der riesigen Rotoren nur 600 Meter von der Kirche in Eckweiler entfernt errichtet werden soll. Das Dorf fiel ebenso wie Pferdsfeld und Rehbach einst dem Militärflugplatz Pferdsfeld zum Opfer. Die Kirche hält als Mahnmal des Kalten Krieges und viel genutzte Begegnungs- und Veranstaltungsstätte die Erinnerung an die drei verschwundenen Dörfer wach.

Von Kurt Knaudt

Kurt Knaudt kommentiert: Schon aus ethisch-moralischen Gründen fragwürdig

Egal, ob man generell für oder gegen Windenergie ist: Schon allein aus ethisch-moralischen Gründen verbietet sich ein Windpark in Pferdsfeld eigentlich von selbst. Denn es betrifft Menschen, die schon jahrelang die enormen Belastungen durch den Militärflugplatz ertragen mussten.

Kurt Knaudt Kommentar
Kurt Knaudt
Doch das ist längst nicht der einzige Knackpunkt bei diesem Projekt. Jede Menge Rotmilane, eine Vogelzuglinie und die denkmalgeschützte Kirche Eckweiler: Das alles und noch mehr hat die Genehmigung nicht verhindern können – mehr als merkwürdig. Dazu haben auch Gutachten beigetragen, die – vorsichtig formuliert – nicht ganz unvoreingenommen scheinen. Auch eine gewisse Schlafmützigkeit war mit im Spiel: Man muss sich wundern, dass die Naturschutzverbände nicht Sturm gegen das Projekt gelaufen sind.

Dass der nach wie vor höchst umstrittene Windpark genehmigt wurde, liegt aber möglicherweise auch daran, dass die betroffenen Menschen keine große Lobby haben. Es betrifft halt nicht Bad Sobernheim selbst, sondern nur das Hinterland: Die Stadt hat mit den Belastungen nichts zu tun, kassiert aber Pachteinnahmen. Es wäre nur fair und gerecht, wenn die Kreisverwaltung wegen der unzureichenden und unvollständigen Gutachten dem Antrag der Initiative Soonwald stattgeben und das Verfahren neu aufrollen würde.

E-Mail: kurt.knaudt@ rhein-zeitung.net

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