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Eine Hassliebe zu gefrorenen Trauben

Oberhausen Manchmal wartet man vergebens drauf, doch in diesem Jahr hatte Väterchen Frost ein Einsehen und bescherte risikofreudigen Winzern ein Eiswein mit optimaler Säure. Mr. Nahewein Hermann Dönnhoff hat sich seit 44 Jahren dieser Weinspezialität verschrieben. Eine Hassliebe sei das, sagt er lachend.

Mal sehen, was noch übrig geblieben ist. Im Weingut Dönnhoff wird traditionell seit mehr als 40 Jahren Eiswein gelesen. Den Winzer verbindet eine „Hassliebe“ zu der Spezialität. Sie ist gut fürs Image, aber unpassend vom Arbeitsablauf in der Vorweihnachtszeit. Die Toplage an der Oberhäuser Brücke erhält ihren „kalten Eishauch“ vom Lemberg, ansonsten sind Eisweine in Spitzenlagen eher selten.⋌Foto: Dönnhoff
Mal sehen, was noch übrig geblieben ist. Im Weingut Dönnhoff wird traditionell seit mehr als 40 Jahren Eiswein gelesen. Den Winzer verbindet eine „Hassliebe“ zu der Spezialität. Sie ist gut fürs Image, aber unpassend vom Arbeitsablauf in der Vorweihnachtszeit. Die Toplage an der Oberhäuser Brücke erhält ihren „kalten Eishauch“ vom Lemberg, ansonsten sind Eisweine in Spitzenlagen eher selten.⋌
Foto: Dönnhoff – privat

Oberhausen Manchmal wartet man vergebens drauf, doch in diesem Jahr hatte Väterchen Frost ein Einsehen und bescherte risikofreudigen Winzern ein Eiswein mit optimaler Säure. Mr. Nahewein Hermann Dönnhoff hat sich seit 44 Jahren dieser Weinspezialität verschrieben. Eine Hassliebe sei das, sagt er lachend.

Als Krönung des Weinjahrgangs 2010 brachten einige Spitzenweingüter der Naheregion bei klirrendem Frost steinhart gefrorene Trauben auf die Kelter – Eiswein. Schon seit 1966 hat sich Hermann Dönnhoff dieser Spezialität verschrieben. „Eine Hassliebe“, sagt er. Einerseits macht es Riesenspaß, wenn es gelingt, andererseits zieht die Eisweinlese die Ernte endlos in die Länge. Diesmal war es relativ früh. Bei minus 8,5 Grad ernteten Dönnhoffs Leser einen halben Morgen lang Rieslingtrauben an der Oberhäuser Brücke. Mit 160 Grad Oechsle war der Winzer des Jahres 1999 hochzufrieden. Vor allem freute er sich über die perfekte Balance zwischen Säure und Zucker. 16 Gramm Säure sind ihm lieber als zwölf. Die Hälfte des Eisweinwingerts blieb aber noch am Stock – die Zeit reichte nicht. „Vielleicht haben wir noch mal Glück“, hofft Dönnhoff auf einen Nachschlag. In der Tat ist Eiswein mitunter auch Glücksache. Wie in den vergangenen Jahren häufiger gehörte auch 2010 die Nahe zu den Gewinnern. Die Trauben in den Spitzenlagen blieben gesund, freut sich Dönnhoff.
Bei der Spezialität Eiswein geht es darum, den Most zu konzentrieren. „Das kann man mit jedem Wingert machen“, erklärt Dönnhoff, doch konzentriert werden vom Frost nicht nur die guten, sondern auch die schlechten Trauben. Eiswein vom Kartoffelacker ist nicht der Fall von Dönnhoff. Deshalb sind erstklassige Lagen mit gesunden Trauben so hoch überlegen, und deshalb werden auch so hohe Preise bezahlt. Bis zu 1400 Euro haben Dönnhoff-Eisweine für die 0,375-Liter-Flasche schon erzielt. Mit solchen Weinen ist Herrmann Dönnhoff als „Mister Nahewein“ auf der ganzen Welt unterwegs – allein in diesem Jahr in Australien, Brasilien, den USA, Singapur. Sein Eiswein 2008 erhielt kürzlich in London die international begehrte Decanter-Trophäe für den besten edelsüßen Wein. Dönnhoff will mit seinen Erzeugnissen nicht nur sein eigenes Können beweisen, sondern für die ganze Region Ehre einlegen. „Der liebe Gott muss von der Nahe sein“, sagt er im Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre, als gerade seine Heimat von der globalen Erwärmung im Hinblick auf den Weinbau am meisten von allen begünstigt war. „Wir sind die massiven Gewinner des global warming“, sagt er. Doch von selbst kommt der Erfolg nicht. 2006 und 2007 war es zu warm – kein Eiswein. Der Jahrgang 2010 ist zwar viel besser als sein Ruf, doch viele Fässer im Keller blieben leer. Der 2010er ist ungewöhnlich, aber es gibt viel zu wenig, bilanziert Dönnhoff. Dann fällt es besonders schwer, das Risiko mit Eiswein einzugehen, denn am Ende kann’s schiefgehen. Doch weil er sich dabei mitunter vorkomme wie ein Zirkuspferd („Wenn die Musik spielt beginnt man zu tanzen“) und weil die Kunden weltweit nach Eiswein fragen, macht man es. Allzu viele Flaschen für den Verkauf bleiben am Ende nicht übrig. Viele werden auch bei Proben geleert. Fürs Image ist Eiswein aber ideal, weiß Dönnhoff. Ob der 2010er einmal zu den ganz großen zählen wird? „Das kann man noch nicht sagen. Der Most ist doch noch wie ein Baby!“ Vielleicht gibt’s ja demnächst noch einen Zwilling – beim nächsten Vollmond um die Weihnachtszeit. Es kam wiederholt vor, dass an den Feiertagen gelesen wurde – nicht gerade zur Begeisterung der Familie. Fest steht, dass Eiswein in diesem mengenmäßig kleinen Jahrgang rar ist. Einige Moselwinzer konnten ebenfalls lesen, während in Rheinhessen und der Pfalz wegen des verregneten Septembers die Reife soweit fortgeschritten war, dass die Trauben nicht am Stock bleiben konnten. Der Nahe-Riesling hingegen profitierte vom Goldenen Oktober.

Bad Kreuznach
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