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Bad Kreuznach

EC-Karte im Bett: Zwei Jahre Gefängnis für Raubüberfall auf Touristin

Zufälle gibt' s: Da wird ein 25-jähriger Mann aus Wiesbaden, der mit einem Bekannten einen Kneipenbummel in Bad Kreuznach unternimmt, „Zeuge“ eines Raubüberfalls auf eine Touristin an der Pauluskirche. Er und sein Bekannter kommen, so seine Darstellung als Angeklagter in dem Verfahren vor dem Amtsgericht Bad Kreuznach, dazu, als die Frau gerade überfallen worden war und um Hilfe rief.

Prozess im Bad Kreuznacher Justizzentrum.
Prozess im Bad Kreuznacher Justizzentrum.
Foto: Christine Jäckel

Er bot sich an, den Räuber zu verfolgen. Die Wiesbadener Männer fuhren mit ihrem Auto dafür wieder auf die Nahebrücke, die zu dieser Zeit mit Pollern zur Mühlenstraße hin abgesperrt war. Zu Fuß will der 25-Jährige dem Täter noch über den Kornmarkt gefolgt sein, bis der ihn abhängte.

„Ich wollte nur helfen, jetzt kriege ich dafür einen reingewürgt“, beschwerte sich der 25-Jährige, der derzeit beschäftigungslos ist und zeitweise als Autoverkäufer gearbeitet hat. Auf den Anklagestuhl brachte ihn ein wirklich erstaunlicher Zufall. Zwei Monate nach dem Überfall auf die Touristin, eine 78-jährige Berlinerin, finden ihn Streifenbeamte in der Wohnung seiner damaligen Freundin in Bad Kreuznach, wo er sich im Bettkasten versteckt hatte. Die Freundin hatte die Polizei gerufen, weil es – nicht zum ersten Mal – heftigen Streit zwischen dem Pärchen gab. Bei dem Wiesbadener wird ein Stück einer EC-Karte gefunden, die der Berliner Seniorin bei dem Überfall an der Pauluskirche mit ihrem Rucksack und weiteren Wertgegenständen geraubt worden war. „Das steht wohl in Verbindung mit einem Raub“, wusste damals die Ex-Freundin, als die Beamten sie fragen, und sie findet wenig später das zweite Stück der Bankkarte in ihrem Bett und bringt es zur Polizei.

Bei ihrer Zeugenvernehmung vor Gericht kann sie sich nicht daran erinnern, über die Herkunft der Kartenschnipsel Bescheid gewusst zu haben. Nun muss sie mit einem Verfahren wegen Falschaussage rechnen. Die Erklärung des erheblich vorbestraften Angeklagten ist: Er hat die Bankkarte am Kreuznacher Bahnhof gefunden, als er an diesem Tag mit dem Zug zum Besuch bei der Freundin angereist ist.

„Ich habe sie aufgehoben und eingesteckt, und als meine Freundin die Polizei rief, habe ich sie kaputtgemacht, weil ich Angst hatte, dass man mir etwas anhängt“, ergänzt er. Für Staatsanwalt Kai Fuhrmann und das Schöffengericht war der Fund der Karte bei dem Angeklagten nicht das einzige Indiz dafür, dass der Raubüberfall samt Verfolgung ein abgekartetes Spiel des Angeklagten und zwei weiterer, unbekannt gebliebener Täter war. Ein Spaziergänger hatte beobachtet, dass das Auto der Wiesbadener sehr langsam hinter einer flüchtenden Person herfuhr. „Als ob sie noch jemand aufnehmen wollten“, so der Zeuge. Für die Verteidigung war der Angeklagte mangels Beweisen freizusprechen. Das Schöffengericht war dagegen von der Beteiligung des 25-Jährigen an dem Raub überzeugt. „Der Angeklagte hatte mit der Karte einen Teil der Beute“, erläuterte Richterin Brigitte Hill. Die Richter verurteilten den 25-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Außerdem werden 1150 Euro als Wertersatz aus seinem Vermögen eingezogen. Christine Jäckel

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