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Wallhausen/Bad Kreuznach

Dienst am Nächsten auch an der Pfeife: Edgar Braun, Diakon, Retter und leidenschaftlicher Schiri

Marian Ristow

Die Bezeichnung Aktivposten passt gut zu ihm. Ebenso Dauerbrenner und Hansdampf in allen Gassen. Er ist ein Mann der Kirche, außerdem leidenschaftlicher Fußballschiedsrichter – und seit Neuestem auch Rettungsschwimmer: Edgar Braun aus Wallhausen ist in der Region bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Der 72-Jährige zählt nicht nur im lokalen Fußballkosmos zu den Konstanten, sein Engagement für Kirche, Gemeinde und Gesellschaft wird geschätzt.

Diakon Edgar Braun ist als Referee auf den Plätzen der Region bestens bekannt. Meistens kommt er ohne Karten aus.  Foto: Marian Ristow
Diakon Edgar Braun ist als Referee auf den Plätzen der Region bestens bekannt. Meistens kommt er ohne Karten aus.
Foto: Marian Ristow

Edgar Braun kommt mit dem Fahrrad zu unserem Treffen im Moebus-Stadion. „Von St. Wolfgang aus hat es doch etwas länger gedauert“, sagt der knapp 1,90 Meter große Diakon, dessen Zeitplan auch im Rentenalter nicht wirklich viel Freizeit zulässt. Fußball, Kirche, Trauungen, Beerdigungen – Braun kommt in der Woche auf locker 40 Stunden. Von Termin zu Termin – so auch heute, eine Trauerfeier steht noch an. Nun kam noch eine weitere Aufgabe dazu. Seit kurzer Zeit fungiert er auch als Bademeister im Wallhäuser Schwimmbad. Braun absolvierte dafür eigens die Ausbildung zum Rettungsschwimmer. Die Gemeinde habe einen personellen Engpass gehabt und deswegen bei ihm angefragt. Er zögerte natürlich nicht lange.

Wenn Edgar Braun anfängt zu erzählen, fällt häufig das Wort Dienst. „Ich pfeife, weil es mir großen Spaß macht. Es ist Dienst am Sport, jeder erfüllt seinen Teil. Die Spieler, die Vereinsfunktionäre, der Schiedsrichter. Ich möchte einfach meinen Teil dazu beitragen, dass das Ganze gelingt“, so sein Credo. Der inzwischen 72-Jährige pfeift seit 1967 für seinen Heimatverein SV Wallhausen, für den er zuvor auch alle Jugendmannschaften durchlief.

Über seine eigenen Fußballkünste sagt er: „Ich war kein schlechter Spieler, aber auch kein übermäßig guter.“ Recht schnell schied er aus dem Aktivendasein aus und widmete sich dem Schiedsrichtertum. Arbeit, das nebenberufliche Theologiestudium, Familie – ein straffes Programm, damals wie heute.

Wie viele Spiele er in den zurückliegenden 52 Jahren denn ungefähr geleitet hat? „Viele. Sehr viele“, antwortet Braun und kommt auf rund 2500 Spiele. Geht es nach ihm, kommen da noch einige dazu.

An seiner Fitness scheitert es nicht. „Ich bin 1,86 Meter groß, wiege 77 Kilogramm, ich bin in Form“, stellt er fest und grinst. „Ich will pfeifen, solange ich kann.“ 1968 pfiff er in der 2. Amateurliga, später in der Südwestliga, acht Jahre war es als Linienrichter in der damals noch zweigeteilten 2. Liga aktiv. Und später folgte die intensive Erkundung der Sportplätze entlang der Nahe und in Rheinhessen.

Das Amt des Schiedsrichters mag er – auch wenn die Unparteiischen häufig keinen leichten Stand haben. „Kritik gehört dazu, vor Beschimpfungen habe ich keine Angst. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass die Gewalt auf Sportplätzen zugenommen hat“, führt er aus. Rabauken und Leute, die sich nicht im Zaum haben, habe es immer schon gegeben. „Bei mir hat jeder die Chance sich zu entschuldigen“, so Braun ganz pragmatisch. Mit den Spielern kann er gut. „Wenn jemand eine gute Aktion im Spiel hatte, dann habe ich ihm das auch nach dem Spiel so gesagt. Andersrum habe ich mich auch mal über ein Lob gefreut. Wir sind doch alles Menschen – auch im Fußball.“ Der Rollentausch mit einem Offiziellen bei der im Moment rollenden Weltmeisterschaft in Russland würde ihn reizen. Vor der Aufgabe scheut er sich nicht. „Die Schiedsrichter stehen mehr in der Verantwortung denn je, aber sie haben auch mehr Hilfsmittel. Wäre ich jünger, würde ich gern mal diese Situation erleben.“

Bei der WM auch 2018 besonders auffällig: Viele Spieler beten vor, während oder nach dem Spiel. „Besonders in Südamerika wird der Glauben viel mehr nach außen getragen. Hier bei uns ist das Privatsache.“

Das Abschneiden des deutschen Teams bei dieser WM beurteilt er differenziert. „Wir überstehen die Vorrunde“, sagt Braun. Eines ginge aber gar nicht. „Die Pfiffe gegen Gündogan und Özil bei den Vorbereitungsspielen haben mich innerlich getroffen.“ Fair geht eben vor.

Von unserem Redakteur Marian Ristow

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